Wegen Corona muss die Schalker Mitgliederversammlung digital stattfinden. Vereinsfahnen auf der Tribüne könnten die leere Veltins-Arena etwas stimmungsvoller erscheinen lassen. © dpa

Schalker Aufsichtsrats-Kandidaten diskutieren über Wege aus der Krise

Wie kommt der FC Schalke 04 aus der Krise? Darüber diskutierten die zehn Kandidaten für den Aufsichtsrat. Patentlösungen gab es naturgemäß keine, aber das Bemühen um konstruktive Lösungen.

In einer digitalen Gesprächsrunde präsentierten sich die zehn Kandidaten für den Schalker Aufsichtsrat. Dieser wird am Sonntag auf der ersten Mitgliederversammlung in digitaler Form gewählt. Nachdem wir Rolf Haselhorst, Heinz-Jürgen Kallerhoff und Sven Kirstein am Dienstag vorgestellt haben, sind jetzt Holger Brauner, Johannes Struckmeier und Dr. Meinolf Weidenbach an der Reihe.

Holger Brauner ist seit 27 Jahren Schalke-Mitglied. Der gelernte Wirtschaftsprüfer bringt finanzielle Kompetenz mit. Der 49-Jährige bekräftigte in der Diskussionsrunde, dass er ein Fan des eingetragenen Vereins ist. Gleichzeitig machte er aber auch deutlich, „dass es zu den Pflichten der Vereinsgremien gehört, sämtliche Optionen zu prüfen und den Mitgliedern Handlungsoptionen aufzuzeigen.“

Gemeinsame Leitplanken

Brauner ist zudem eng mit der Fanszene verbunden. Er gehört dem Supportersclub an und ist Mitglied im Schalker Fan-Klub „Der Mythos lebt“. Bei den Heimspielen hat er seit vielen Jahren seine Dauerkarte in der Nordkurve.

Der Verein ist laut Brauner „in einer brenzligen Situation, die vielen Mitgliedern noch nicht bewusst zu sein scheint“. Der 49-Jährige beklagt, dass extrem risikoreiche Entscheidungen für den kurzfristigen Erfolg getroffen worden seien. Dies habe wesentlich zur schwierigen Lage beigetragen.

Johannes Struckmeier ist seit 1998 Schalke-Mitglied. Der 36-Jährige beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit betriebswirtschaftlichen und steuerlichen Fragestellungen rund um den Profisport, schwerpunktmäßig im Fußball. Außerdem ist er Dozent an der Deutschen Sporthochschule.

Konstruktive Streitkultur

Struckmeier plädiert für gemeinsame Leitplanken, damit Schalke wieder Boden unter den Füßen bekommt. Dabei geht es um Fragen nach einer einheitlichen Spielidee von den Profis bis hinunter in den Jugendbereich, um Werte und um finanzielle Stabilität.

„Mit gemeinsamen Leitplanken können wir die jetzige Spaltung überwinden und eine verbindliche Grundlage für unser langfristiges Handeln schaffen. Nur so können wir Identifikation, Emotion und Leidenschaft von Generation zu Generation weitertragen und den Mythos Schalke am Leben halten“, betont der Aufsichtsrats-Kandidat.

Gefahr der Spaltung?

Der 1960 in Wanne-Eickel geborene Chemiker Dr. Meinolf Weidenbach ist seit 2011 Vereinsmitglied. Er will „in der größten Krise seit über 25 Jahren meinen Teil dazu beitragen, die Zukunft von Schalke 04 wieder erfolgreich zu gestalten“, so Weidenbach. Ihm ist es außerdem wichtig, dass der Aufsichtsrat zukünftig zu einer konstruktiven Streitkultur zurückfindet.

Er sieht eine große Gefahr für Schalke. „Besonders durch die angespannte Situation auf verschiedenen Ebenen droht eine Spaltung in verschiedene Lager, die in jedem Fall verhindert werden sollte“, so Weidenbach.

Junge Talente fördern

Damit das gelingt, sei eine nachhaltige Strategie erforderlich. Wichtigste Elemente dafür sind die sportliche und finanzielle Konsolidierung. Dafür müsse zum Beispiel die Nachwuchsförderung intensiviert und der Blick auf junge Talente geschärft werden.

Die Diskussionsrunde vermittelte den Eindruck, dass alle Kandidaten das Wohl des Klubs am Herzen liegt. Gleichwohl scheint allen klar zu sein, dass die Schalker Probleme nur mit einem langen Atem zu bewältigen sein werden. Ein Ende der Krise scheint auch mit den besten Konzepten kurzfristig nicht zu erwarten.

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