Momentan nur Ersatzspieler auf Schalke: Benjamin Stambouli. © dpa
S04-Kommentar

Schalkes fragwürdige Personalentscheidungen

Warum steht der FC Schalke 04 sportlich so schlecht da? Die Gründe sind vielfältig, ein wesentlicher Punkt sind fragwürdige Personalentscheidungen des Managements. Drei Beispiele.

Bastian Oczipka: Im Januar 2020 wurde der auslaufende Vertrag des 31jährigen Linksverteidigers verlängert. Dagegen ist nichts einzuwenden, aber warum nur bloß um drei Jahre bis zum 30. Juni 2023?

Ohne Zweifel hat der gebürtige Bergisch-Gladbacher auf Schalke fast immer solide Leistungen gebracht. An seiner sportlichen Einstellung gibt es nicht das Geringste auszusetzen. Aber die Laufzeit seines neuen Kontrakts ist fragwürdig. Vertragsverlängerungen sollten immer auch unter dem Gesichtspunkt abgeschlossen werden, wie lange der jeweilige Spieler sein aktuelles Leistungsvermögen noch halten kann. Auf die Perspektive kommt es an.

Keine Konkurrenz

Es ist bei Oczipka jedoch schwer vorstellbar, wie er jenseits der 30 Jahre in puncto Schnelligkeit noch lange mithalten kann. Da muss man sich nur seine Laufduelle in Eins-zu-Eins-Spielsituationen in dieser Saison ansehen. Dass Schalke es bisher versäumt hat, einen Nachfolger bzw. Konkurrenten für Oczipka aufzubauen oder zu verpflichten, ist ebenfalls ein gravierendes Versäumnis, dass sich bald rächen könnte.

Daniel Caligiuri: Sein Wechsel zum FC Augsburg ist für Schalke besonders schmerzlich, weil damit ein Leistungsträger ohne Ablösesumme den Klub verließ. Vor allem als Flankengeber und Torvorbereiter war Caligiuri für die Königsblauen fast unentbehrlich.

Wertschätzung gefehlt

Aber das Management sah das offenbar anders. Caligiuri verriet in einem Kicker-Interview, ihm habe von Schalker Seite die Wertschätzung gefehlt. Doch heute wäre Schalke froh, wenn Caligiuri weiterhin das blau-weiße Trikot tragen würde. In Augsburg beweist er gerade eindrucksvoll, dass er nichts verlernt hat.

Benjamin Stambouli: Seine Vertragsverlängerung zelebrierte Schalke mit einem eigens produzierten Video. Doch wie bei Oczipka lässt sich kritisch einwenden: Warum stattete Königsblau den Franzosen mit einem Dreijahres-Vertrag aus?

Drei Spiele in Folge nur Ersatz

Auch Stambouli ist mittlerweile 30 Jahre alt und nicht mehr der Schnellste. Außerdem ist fraglich, ob er nach seiner langwierigen Fußverletzung wieder an sein früheres Leistungsniveau anknüpfen kann.

Der Saisonbeginn näherte diese Zweifel an dem „absoluten Führungsspieler“ (O-Ton-Sportvorstand Jochen Schneider). In den letzten drei Bundesligaspieler saß Stambouli 90 Minuten auf der Ersatzbank.

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