Schaffte auf Schalke nicht den sportlichen Durchbruch: Steven Skrzybski. © dpa
Schalke 04

Steven Skrzybski: „Der Schalker Abstieg hat mich sehr geschmerzt“

Mit Phil Neumann, Fabian Reese und Steven Skrzybski feiert Schalke am Sonntag ein Wiedersehen mit drei ehemaligen Spielern. Im Interview spricht Skrzybski auch über seine Schalke-Zeit.

Steven Skrzybski hat eine schwierige Zeit hinter sich. Vor dem Wiedersehen mit Schalke 04 spricht der Neu-Kieler über seine Zeit bei den Königsblauen und seine Ziele mit den „Störchen“.

Wie haben Sie sich im hohen Norden eingelebt?

Steven Skrzybski: Sehr gut. Die Mannschaft hat es mir leicht gemacht. Ich fühle mich so, als ob ich schon viel länger im Klub wäre. Wenn jetzt noch die Familie da ist, wird es noch besser sein. Unser Umzug ist noch nicht abgeschlossen.

Hatten Sie Angst davor, im Sommer ohne Verein zu sein?

Durch die Corona-Pandemie ist für viele Spieler eine neue Situation entstanden. Man sieht an den Transferaktivitäten, wie zurückhaltend viele Vereine noch agieren. Ich habe mir gesagt: Bleib ruhig und warte ab, bis du das Gefühl hast, das richtige Angebot ist da. Bei Holstein Kiel hatte ich schnell das Gefühl, dass es passt.

Warum?

Weil die Gespräche mit der sportlichen Führung und dem Trainer sehr angenehm verliefen. Schon nach drei Tagen war meine Entscheidung gefallen. Sie haben für drei Jahre in Kiel unterschrieben.

Die Vertragslaufzeit ist auch ein großer Vertrauensvorschuss, oder?

Das kann man so sagen. Gerade in diesen schwierigen Zeiten ist es ja nicht selbstverständlich, einen so langfristigen Vertrag zu bekommen. Ich werde alles tun, um dieses Vertrauen zu rechtfertigen.

Kiel hat in den letzten Jahren viele positive Schlagzeilen geschrieben. Wie empfinden Sie die Erwartungshaltung der Fans in dieser Saison?

Kiel hat in der vergangenen Saison begeistert. Das I-Tüpfelchen wäre der Aufstieg in die Bundesliga gewesen. Deshalb ist noch etwas Enttäuschung zu spüren, aber bei den Fans überwiegt nach meinen Eindrücken eine riesige Vorfreude auf die neue Saison.

Der Saisonstart ging jedoch mit dem 0:3 beim FC St. Pauli kräftig daneben. Ihre Leistung wurde heftig kritisiert. Haben Sie das wahrgenommen und wie gehen Sie damit um?

Wenn Kritik berechtigt ist, muss man damit umgehen können. Das war kein sicher kein Glanzstück von mir. Aber wir haben insgesamt als Mannschaft nicht gut gespielt. Ich hatte eine extrem kurze Vorbereitung. Außerdem fehlt mir noch etwas Spielpraxis, weil ich in der vergangenen Saison wenig Einsätze hatte. Das soll jetzt nicht nach Alibi klingen, aber wir müssen uns als Mannschaft erst finden. Die Integration aller neuen Spieler geht nicht von Heute auf Morgen.

Auch Ihr Ex-Klub Schalke 04 hat den Saisonstart in den Sand gesetzt. Wer hat am Sonntag mehr Erfolgsdruck?

Schalke will den sofortigen Wiederaufstieg schaffen. Bei der Qualität ihres Kaders muss das auch das Ziel sein. Alles andere ist nicht glaubwürdig zu vermitteln. Nach der Niederlage gegen den HSV werden sie natürlich alles daran setzen, um ein besseres Ergebnis zu erzielen. Aber wir werden dagegen halten. Für mich persönlich ist es noch eine besondere Motivation, dass ich mein erstes Heimspiel im Holstein-Trikot bestreiten kann.

Wie groß war Ihre Enttäuschung, dass Sie Schalke verlassen mussten?

Die größte Enttäuschung war für mich, dass der Verein absteigen musste. Das hätte ich nicht für möglich gehalten – und das hat sehr geschmerzt. Ich hätte gerne beim Wiederaufbau geholfen, daraus mache ich keinen Hehl. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert. Es gab ein offenes Gespräch mit Peter Knäbel. Danach war klar, dass Schalke nicht mehr mit mir plant, weil sie den größtmöglichen Umbruch wollen.

Also gab es keine ernsthaften Verhandlungen, den Vertrag zu verlängern?

Richtig. Schalke hat sofort klar gesagt, was Sache ist. Das fand ich gut. So wusste ich früh Bescheid und konnte meine Zukunft planen.

Haben Sie sich in den zweieinhalb Jahren, in denen Sie für Königsblau spielten, etwas vorzuwerfen?

Ich bin Teil der Mannschaft, die abgestiegen ist. Aber ich habe immer versucht, in jedem Spiel 100 Prozent zu geben. Was mich im Nachhinein ärgert, waren die vielen kleinen Verletzungen, die mich immer wieder aus dem Rhythmus gebracht haben.

Was haben Sie noch gelernt in Ihrer Schalke-Zeit?

Es war schön, dass ich mir meinen Kindheitstraum erfüllen konnte, für Schalke Spiele zu bestreiten. Das waren Erfahrungen, die ich nicht missen möchte.

Wo sehen Sie die größten Unterschiede zwischen Schalke und Kiel?

Auf Schalke ist alles eine Nummer größer. Vor allem, was das mediale Interesse betrifft. Daran musste ich mich erst ein bisschen gewöhnen.

Was trauen Sie beiden Mannschaften in dieser Saison zu?

Schalke will zurück in die Bundesliga. Das traue ich ihnen zu, vor allem dann, wenn es bis zur Schließung des Transferfensters gelingt, die Mannschaft noch zu verstärken. Wir setzen uns in Kiel vorerst eher kurzfristigere Ziele und warten erst einmal ab, wie wir in die Saison kommen.

Wenn die Pandemie überwunden ist, wird der Profi-Fußball ein anderer sein?

Eine schwierige Frage. Ich hoffe, dass schnell wieder Normalität einkehrt. Vor allem brauchen wir unbedingt die Zuschauer wieder bei unseren Spielen. Das ist für mich ein ganz wichtiger und entscheidender Faktor. Stimmung im Stadion beflügelt mich ungemein. Deshalb bin ich heilfroh, dass am Sonntag wenigstens ein Teil unserer Fans im Stadion sein werden.

Bleiben Sie S04-Fan, auch wenn Ihre sportlichen Erwartungen nicht erfüllt wurden?

Das kann ich ganz kurz beantworten: Ja. Außer am Sonntag.

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