„Es hat sich nichts geändert“: Schalkes Trainer Dimitrios Grammozis wurde nach dem Spiel in Freiburg von Sky-Experte Didi Hamann angezählt. © dpa
Schalke 04

Warum jetzt auch Schalke-Trainer Dimitrios Grammozis ein Problem droht

Nach deprimierender Vorstellung beim 0:4 in Freiburg gerät auch Schalkes Trainer verblüffend schnell in die Kritik. Der Abstieg kann am Dienstag feststehen.

Es war wie eine Vorsehung, ein Zeichen von ganz oben. Einige Sky-Abonnenten schauten am Samstagnachmittag auf dem Kanal des Schalker Spiels in Freiburg zunächst in die Röhre. Untertitelt mit der Botschaft: „Dieser Sender strahlt derzeit kein Programm aus.“

Irgendwann waren die technischen Probleme dann aber behoben, und die betroffenen Schalke-Fans konnten fast froh sein, dass sie sich die Anfangsphase des Spiels beim SC Freiburg nicht anschauen „mussten“. Denn nach 22 Minuten stand es schon 2:0 für den Sport-Club, das Spiel war damit im Prinzip gelaufen.

Bitte um Entschuldigung

Das zarte Schalker Aufschwungs-Pflänzchen, herbeigeredet durch zwei ordentliche Vorstellungen in Leverkusen und gegen Augsburg, wurde im Schwarzwald-Stadion so dramatisch unterversorgt, dass Trainer Dimitrios Grammozis nur der verbale Gang nach Canossa blieb: „Für diese Vorstellung müssen wir uns bei den Fans entschuldigen.“

Grammozis wurde erstmals in seiner noch kurzen Amtszeit zum „Grammotzki“– hatte er bis dahin immer noch verzweifelt nach irgendwelchen Verbesserungs-Indizien gesucht und sie in den beiden Spielen davor ja auch zum Teil gefunden, ließ er nun kein gutes Haar an seiner geradezu deprimierend auftretenden Mannschaft. Zusammengefasst: „Man kann in Freiburg verlieren. Aber nicht in dieser Art und Weise. Wir waren überhaupt nicht auf dem Platz!“

Hamann zählt Trainer an

Aussagen, die jeder, der das Spiel gesehen hatte, sofort unterschrieben hätte. Da es allerdings nicht zum ersten Mal war, dass die Tiefpunkt-Schalker in dieser Saison eine solch unterirdische Leistung abgeliefert hatten, wurde die berechtigte Kritik an der Mannschaft fast schon als Routine abgehakt, dafür ging der Blick auch zum Trainer. Denn dem droht nun ebenfalls ein Problem.

Schließlich soll Grammozis ja für einen schwungvollen Neubeginn in der Zweiten Liga stehen – aber die aktuelle Schalker Mannschaft scheint tatsächlich dazu in der Lage zu sein, durch ihre stümperhaften Vorstellungen auch die Reputation von Grammozis anzukratzen. Sky-Experte Didi Hamann jedenfalls nahm diese Steilvorlage nach dem Spiel gerne auf: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Schalke mit diesem Trainer in die Zweite Liga geht. Es hat sich ja nichts geändert.“

Etablierte Spieler patzen

Starker Tobak, keine Frage – und eine verblüffend schnelle Kritik an einem Trainer, der erst seit sechs Wochen im Amt ist, im Prinzip ja lediglich eine große Baustelle verwaltet und dem Sportvorstand Peter Knäbel neulich erst eine Job-Garantie gegeben hatte. Aber die Klatsche in Freiburg gegen eine Mannschaft, die von den letzten fünf Spielen davor selbst vier verloren hat, ließ keinen Platz für Gegen-Argumente.

Auffällig, dass vor allem die etablierten Spieler patzten: Abenteuerlich, wie Benjamin Stambouli vor dem Freiburger 1:0 durch Lucas Höler einen Ball völlig falsch berechnete (7.); überflüssig das durch Video-Beweis entlarvte Foul von Klaas-Jan Huntelaar an Roland Sallai, das zum Elfmeter zum 2:0 führte (22.); grob fahrlässig der Ballverlust des ansonsten nicht stattfindenden Suat Serdar vor dem 3:0 durch Christian Günter (49.), der dann mit dem 4:0 den ersten Doppelpack seiner Profi-Karriere schnürte (74.).

Bester Schalker war Torwart Fährmann

Schalke schoss in der ersten Spielhälfte nicht einmal aufs SCF-Tor, erst nach der Einwechslung von Mark Uth wurden die Gäste etwas zielstrebiger – die erste Torchance gab es in der 85. Minute, als der Sport-Club längst in den Verwaltungs-Modus umgeschaltet hatte und Huntelaar an Torhüter Florian Müller scheiterte.

Bester Schalker war noch Torhüter Ralf Fährmann. Er hofft darauf, „dass wieder sonnigere Tage kommen“. Die Erstliga-Sonne wird für Schalke vorerst wohl nicht mehr scheinen. Die Absicht, die klitzekleine theoretische Chance noch zu nutzen, war in Freiburg nicht zu erkennen. Verliert Schalke am Dienstag in Bielefeld, steht der Abstieg fest. Auf ein Zeichen von oben sollten die Königsblauen jetzt nicht mehr hoffen. Der Erstliga-Sendeschluss ist schon einprogrammiert.

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