Suat Serdar (r.) gelang das Tor des Tages. © dpa
Schalke 04

Warum Schalke 04 nach dem Sieg gegen Augsburg jubelt und trauert

„Als wäre man das erste Mal verliebt“ – Schalke gewinnt 1:0 gegen Augsburg. Zweiter Saisonsieg hält den Abstieg zumindest noch etwas auf Distanz. Vor dem Anpfiff herrscht Trauer.

Gerald Asamoah haute Dimitrios Grammozis kräftig auf die Schulter, Mike Büskens fiel dem Trainer vor Freude um den Hals. Am späten Sonntagnachmittag hatte sich auf Schalke eine Jubeltraube gebildet, deren Mitglieder in dieser Saison bislang recht wenig Grund zum Feiern hatten. Schalkes 1:0 (1:0)-Sieg gegen den FC Augsburg sorgte für seltene Gefühle im königsblauen Lager.

„Das ist fast so, als wäre man zum ersten Mal verliebt“, wählte Grammozis nach seinem ersten „Dreier“ mit Schalke und seinem Premieren-Sieg in der Ersten Bundesliga überhaupt einen geradezu romantischen Ansatz. „Brutal glücklich“, sei er, und ganz besonders würde er sich für die Spieler freuen, die sich endlich einmal für die großen Mühen der vergangenen Wochen belohnt hätten.

Fährmann Nummer eins

Große Gedanken über die eventuellen tabellarischen Auswirkungen, da bat Grammozis um Verständnis, habe er sich noch gar nicht gemacht, er wolle den Sieg jetzt einfach mal genießen. Die ganz große Gedanken wird er sich wohl auch nicht machen müssen: Schalkes zweiter Saisonsieg am 28. Spieltag wird den „Tag X“ des wahrscheinlichen Abstiegs aller Voraussicht nach nur ein wenig hinauszögern, da sollte man sich nichts vormachen. Aber immerhin zeigten die in dieser Spielzeit zurecht oft hart kritisierten S04-Profis, dass sie die Saison trotz schier aussichtsloser Lage noch nicht abgehakt haben.

„Es ist ja sowieso für uns und auch für die meisten Fans völlig überraschend, dass Schalke so tief unten drinsteht“, gab Augsburgs Torhüter Rafal Gikiewicz sein Erstaunen über den Schalker Absturz zum Ausdruck, der nun zumindest eine kleine kosmetische Verbesserung erfuhr. Daran hatte Gikiewicz einen nicht unerheblichen Anteil: In der vierten Minute ließ er eine scharfe Hereingabe von Can Bozdogan so abprallen, dass Suat Serdar zur Schalker 1:0-Führung „abstauben“ konnte. Serdar, der am Sonntag seinen 24. Geburtstag feierte, erzielte damit nach fünf Heimspielen ohne Torerfolg den ersten S04-Treffer.

Trauer um Jürgen Sobieray

Der war übrigens der erste in der Anfangs-Viertelstunde nach 77 Spielen, in denen Schalke nicht so früh erfolgreich war. Dieses Tor war auch schon der Endstand: In einer sehr ordentlichen ersten Hälfte hätte Schalke durch Huntelaar (8.) und Serdar (36.) noch erhöhen können, während Augsburg nur durch Marco Richter (24.) einmal gefährlich vor dem von Ralf Fährmann gehüteten Tor auftauchte.

Fährmann hatte überraschend den Vorzug vor Frederik Rönnow bekommen – und rechtfertigte vor allem im zweiten Durchgang das Vertrauen von Grammozis, als Schalkes Torhüter gegen nun wesentlich aktivere Augsburger gleich mehrmals (Vargas/56., Richter/56. und 76.) den Ausgleich verhinderte. Schalke hatte nur noch eine gute Chance, aber bei einem Freistoß von Klaas-Jan Huntelaar zeigte sich Gikiewicz auf dem Posten (81.).

Vier „Eigengewächse“ in der Startelf

Sollte nichts Unvorhergesehenes passieren, wird Fährmann die Nummer eins bleiben – Grammozis sagt zwar, „dass wir im Hier und Jetzt leben“, aber der Trainer ist mit seinen Gedanken auch schon in der nächsten Saison und will natürlich vor allem die Spieler sehen, mit denen er dann möglicherweise noch zusammen arbeitet. Mit Timo Becker, Malick Thiaw, Mehmet Can Aydin und Can Bozdogan standen gegen Augsburg vier „Eigengewächse“ in der Startelf.

So ausgelassen der Nachmittag auf Schalke auch endete, so traurig hatte er begonnen. Schalke gedachte dem im Alter von 70 Jahren verstorbenen Jürgen Sobieray, der sich als Mitglied der legendären Schalker Pokalsieger-Mannschaft von 1972 auf Schalke großer Popularität erfreute.

Als Schalkes Stadionsprecher Sobierays Karriere beschrieb, war die Zweite Liga für einen Moment ganz weit weg. Der Sieg gegen Augsburg hält sie nun zumindest zeitlich noch ein wenig auf Distanz. Es ist wohl nicht mehr an der Zeit, um noch an ein Wunder zu glauben.

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