Dimitrios Grammozis während des Spiels gegen Frankfurt: Ein Plan war erkennbar. © dpa

Warum Schalke Grammozis jetzt einfach mal machen lassen sollte

Völlig unabhängig vom Frankfurt-Spiel: Es ist nicht ganz fair, die Bilanz des S04-Trainers mit denen seiner Vorgänger zu vergleichen. Diskussionen um mögliche Nachfolger helfen nicht weiter.

Lob, wem Lob gebührt, in dieser Saison gab es schließlich auch reichlich und berechtigte Kritik: Der mit zahlreichen Spielern aus dem eigenen Nachwuchs bestückten Schalker Mannschaft am Samstag zuzuschauen, war phasenweise ein Genuss. Einen ambitionierten Gegner wie Eintracht Frankfurt durch eine Kombination aus Spielfreude, taktischer Disziplin und Kampfkraft in die Schranken zu weisen hatte dem Absteiger wohl niemand zugetraut. Die Frankfurter schon mal gar nicht …

Aber: Dieses eine Spiel sollte nun niemandem im Schalker Lager zum voreiligen Durchdrehen verleiten. Weder Auto-Korso noch Feuerwerk wären angebracht, dazu sind die Wunden dieser Saison noch zu frisch und zu tief. Es tat dem ganzen Verein einfach mal wieder gut, einen solchen Tag erleben zu dürfen. Der macht zwar Hoffnung für die kommende Zweitliga-Saison, weil davon auszugehen ist, dass wir viele von den am Samstag eingesetzten Spielern dann wiedersehen. Aber er ist noch kein Garant dafür, dass Schalke sich sofort an die Spitze der Zweitliga-Bewegung setzt.

Zum Spagat gezwungen

Vor allem aber wird Trainer Dimitrios Grammozis dieser Sieg und sein Zustandekommen helfen. Das Vertrauen in ihn war arg gebröckelt, weil auch er mit dieser Krisen-Truppe die Kurve nicht bekam. Dabei ist es ja nicht ganz fair, seine Bilanz mit denen seiner Vorgänger zu vergleichen: Während Manuel Baum und Christian Gross mit dem klaren Ziel antraten, den Klassenerhalt zu schaffen, übernahm Grammozis eine im Prinzip bereits gescheiterte und abgestiegene Mannschaft. Der neue Trainer musste ausbaden, was andere Verantwortliche den Königsblauen eingebrockt hatten.

Personell war Grammozis zu einem Spagat gezwungen, der natürlich mit dem Risiko verbunden war, dass die Punkteausbeute gering bleiben würde. Denn auf der einen Seite ließ er gestandene Profis auflaufen, die Schalke wahrscheinlich verlassen werden, die aber zumindest das Gerede der Wettbewerbsverzerrung verstummen ließen. Parallel dazu testet Grammozis nun schon seit Wochen junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs. Was können sie, wie schlagen sie sich unter Profi-Bedingungen, wie kommen sie damit klar, trotz des bereits feststehenden Abstiegs unter besonderer Beobachtung zu stehen? Es kann kein besseres Feld-Experiment geben als die Bedingungen, die Grammozis und seine „jungen Wilden“ aktuell vorfinden.

Plan war erkennbar

Gegen Frankfurt haben sie ihre Feuertaufe erstmals bestanden. Mit den etablierten Profis gelang Schalke gegen die oben platzierten Teams kein einziger Punktgewinn. Der Mix aus „alten Hasen“ und Jung-Profis machte es nun möglich. Grammozis ist es gelungen, dieser im Prinzip wöchentlich neu formierten Mannschaft einen klaren Plan an die Hand zu geben, den sie trotz zahlreicher Turbulenzen in dem Spiel irgendwie auch bis zum Schluss umsetzte – und damit nicht nur den Gegner, sondern wohl auch die eigenen Fans völlig verblüffte.

Seit Wochen wird im Schalker Umfeld fast schon mehr über mögliche Nachfolger von Grammozis diskutiert als über ihn selbst. Vor seinem Wechsel nach Köln war es Steffen Baumgart, nun steht Domenico Tedesco bei einigen S04-Fans wieder hoch im Kurs – aber was bringt diese Diskussion? Wer (zurecht) beklagt, Schalke sei auch durch ständig wechselndes Personal auf der Trainerbank vom Kurs abgekommen, sollte nicht gleich wieder eine Neubesetzung fordern.

Keiner siegte häufiger…

Vielleicht sollte man Grammozis einfach mal machen lassen. Das wäre zumindest ein erster Versuch, um wieder Ruhe in einen Verein zu bekommen, der zuletzt genug Aufregung hatte. Und wer Trainer nun trotzdem ausschließlich auf Punkte-Bilanzen reduziert: Grammozis hat in dieser Saison mit Schalke häufiger gewonnen als seine vier Vorgänger zusammen. Na also…

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