Wiedersehen mit Sebastian Rudy: Bei der Hoffenheimer 0:4-Niederlage auf Schalke fehlte der Mittelfeldspieler verletzt. Seine Ausleihe nach Hoffenheim läuft noch bis zum Saisonende. Danach kehrt er - Stand heute - erst einmal wieder nach Schalke zurück. © dpa
Schalke 04

Wiedersehen mit Rudy – ein Paradebeispiel für teure Missverständnisse

Aufwand und Ertrag standen nie in irgendeinem Verhältnis. Ausgeliehen an Hoffenheim, dort Stammspieler. Auf Schalke keine nachhaltige Verstärkung. Vertrag soll auch für Zweite Liga gelten.

In Gewissenskonflikte wird Sebastian Rudy am Samstag wohl eher nicht mehr gestürzt: Schalke ist bereits abgestiegen, da braucht sich der immer noch bei den Königsblauen unter Vertrag stehende Mittelfeldspieler nicht zurückhalten – Rudy steht nach einer Oberschenkelverletzung wieder im Kader der TSG Hoffenheim, und es könnte aufgrund der bereits geklärten Schalker Situation ein entspanntes Wiedersehen geben.

Ein Wiedersehen mit dem Verein, dessen Trikot Rudy zu Beginn der Saison selbst noch trug: Bei der 0:8-Niederlage gegen die Bayern und dem 1:3 gegen Werder Bremen war Rudy noch dabei, bis er – wenn man so will – noch rechtzeitig die Kurve kriegte. Und zwar wieder Richtung Hoffenheim, wohin Schalke ihn schon einmal ausgeliehen hatte.

Sebastian Rudy – ein Paradebeispiel für teure Schalker Missverständnisse der jüngeren Vergangenheit mit finanziellen Größenordnungen, die verdeutlichen, wie die Königsblauen in eine solche Schieflage geraten konnten. Aber der Reihe nach…

2018, Schalke war gerade Vizemeister geworden, holte Schalke Rudy und zahlte dafür ca. 13 Millionen Euro an den FC Bayern München. Ob es nun Manager Christian Heidel war, der besonders „scharf“ auf Rudy war, oder Trainer Domenico Tedesco, gilt auf Schalke weiterhin als umstritten. Für die Tedesco-Theorie spricht, dass der Trainer extra nach München flog, um Nationalspieler Rudy von einem Wechsel nach Schalke zu überzeugen.

Es blieb immer kompliziert

Die Absicht, die dahinter steckte, war ja auch durchaus nachvollziehbar: Schalke war zwar Vizemeister geworden, musste sich wegen des ausbaufähigen Spiel-Stils aber auch viel Kritik gefallen lassen. Also sollte das kampfstarke Mittelfeld um spielerische Elemente ergänzt werden, und dafür sollte halt Rudy sorgen. Doch irgendwie konnte Sebastian Rudy nicht richtig Fuß fassen. Negativer Höhepunkt war eine Auswechslung ausgerechnet im Spiel bei seinem Ex-Klub Bayern München schon nach ungefähr einer halben Stunde. Es blieb kompliziert zwischen Tedesco und Rudy: Zu einer nachhaltigen Verstärkung wurde der Neuzugang nie.

Eine teure Fehleinschätzung, die sich Schalkes sportliche Leitung da geleistet hatte. Denn das Jahresgehalt von Rudy, der auf Schalke einen Vierjahres-Vertrag unterschrieben hatte, soll ca. sechs Millionen Euro betragen. Und der Vertrag soll – zu gleichen Konditionen – auch für die Zweite Liga gültig sein. Eine Vereinbarung, die Schalke heute ordentlich in die Bredouille bringt.

Die Idee mit dem Rechtsverteidiger

Nach einer enttäuschenden Saison auf Schalke wurde Rudy zur TSG Hoffenheim ausgeliehen, wo er vor seiner Bayern-Zeit sieben Jahre lang gespielt hatte und heute Bundesliga-Rekordspieler ist. In Hoffenheim blühte Rudy wieder auf, wurde direkt Stammspieler und half bei der Europapokal-Qualifikation des Klubs mit. Parallel dazu spielte Schalke unter Trainer David Wagner eine starke Hinrunde, schmierte dann in der Rückrunde aber ab. Nur die gute erste Saisonhälfte, in der reichlich Punkte gesammelt wurden, bewahrte die Königsblauen vor dem direkten Abstiegskampf.

Rudys Leihe nach Hoffenheim war beendet, er kehrte wieder nach Schalke zurück. Weil dort irgendwie kein Rechtsverteidiger mehr im Kader war, kam David Wagner auf die Idee, Rudy für diese Position zu begeistern. Eigentlich keine schlechte Idee, schließlich kann auch auf der rechten Defensiv-Seite spielerische Qualität nicht schaden. Rudy nahm die Rolle zunächst an, ging aber mit Schalke zu Saisonbeginn unter. Für Wagner kam Manuel Baum, kurz vor dem Schließen des lange geöffneten Transferfensters ergab sich für Rudy die Möglichkeit, noch einmal nach Hoffenheim zurückzukehren – erneut auf Leihbasis.

Weiter auf der Gehaltsliste

Das bedeutete nun aber nicht, dass Schalke Rudy von der Gehaltsliste hatte. Die Ausleihe war nur möglich, weil die Königsblauen nach wie vor einen Teil des Gehaltes von Sebastian Rudy bezahlten. Die Rede war von 2,5 Millionen Euro – genauso viel soll Rudy auch von Hoffenheim bekommen haben, auf ca. eine Million soll er demnach verzichtet haben, nur um wieder bei seinem Ex-Klub spielen zu können. Schalke sparte zwar Geld, zahlte aber gleichzeitig auch Gehalt für einen Spieler, der für einen anderen Verein aktiv war – und suchte natürlich weiter verzweifelt nach einem Rechtsverteidiger.

Hoffenheim und Rudy spielten in dieser Saison zwar auch nicht die Sterne vom Himmel, aber es lief zumindest nicht so desaströs wie auf Schalke. Nun neigt sich die Spielzeit dem Ende entgegen, und wieder stellt sich die Frage: Wohin mit Sebastian Rudy? Sein Vertrag läuft schließlich noch bis 2022. Theoretisch könnte er sich stur stellen, nach Schalke zurückkehren – und dort mit einem Jahresgehalt von sechs Millionen Euro ungefähr ein Fünftel des für die Zweite Liga zur Verfügung stehenden Gesamt-Etats verschlingen.

Herausforderung für Schröder

Für Schalke wäre das wohl die denkbar ungünstigste Lösung. Sportdirektor Rouven Schröder steht hier direkt vor einer enormen Herausforderung. Möglich ist eine erneute Ausleihe, nur um zumindest einen Teil von Rudys Gehalt einzusparen. Ob Rudy noch ins Hoffenheimer Konzept passt, ist dort offenbar auch noch nicht ganz geklärt. Für Schalke geht es im „Fall Rudy“ mittlerweile nur noch darum, irgendwie von den hohen Kosten runterzukommen. Das investierte Geld noch irgendwie herauszubekommen scheint unmöglich zu sein. Denn wer auch immer an einem Kauf von Rudy interessiert sein soll: Jeder Verein weiß, in welcher Druck-Situation Schalke in dieser Personalie steckt.

Übrigens: Rudy ist vielleicht der prominenteste Fall solcher Schalker Missverständnisse. Aber nicht der einzige…

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