Auf dem Schalker FanFeld findet Meisterspieler Ernst Poertgen am Samstag seine allerletzte Ruhestätte. © dpa

„Zauberer am Ball“ erhält auf dem Schalker FanFeld neue Ruhestätte

Der Familienrat hat entschieden: Der 1986 in Bonn verstorbene Ernst Poertgen erhält auf dem Schalker FanFeld in Gelsenkirchen-Beckhausen eine neue Ruhestätte.

Schalkes früherer Meisterspieler wird wegen der Corona-Pandemie in kleinem Kreis neben seinem ehemaligen Mitspieler „Ala“ Urban seine allerletzte Ruhestätte finden. Bei der Umbettung am Samstag werden auch die Schalke-Repräsentanten Klaus Fischer und Olaf Thon dabei sein.

Die Familie von Ernst Poertgen ist sehr dankbar für die Unterstützung unter anderem des Vereins FC Schalke 04 sowie von Ender Ulupinar, dem Geschäftsführer des Schalker FanFeldes, dass dieses Vorhaben realisiert werden konnte.

Karrierestart in Essen

Der am 25. Januar 1912 geborene Ernst Poertgen hatte einen sehr interessanten Lebensweg. Mit Fußball begann er beim BV Altenessen, ehe er mit 18 Jahren zu SW Essen wechselte. Zwei Jahre später zog es ihn zum 1. FC Nürnberg in die fränkische Metropole, der damals eine herausragende Rolle im deutschen Fußball zu spielen begann.

Ernst Poertgen, Maler von Beruf und Fußballer aus Leidenschaft, wurde im Frankenland allerdings nicht heimisch. Zwei Jahre später zog es ihn zurück in den Westen, wobei er seinen künftigen Trainer mit „Bumbas“ Schmidt gleich mitbrachte. Beide bereuten es nie, den Wechsel zum FC Schalke 04 vollzogen zu haben.

Zweimal Meister mit Schalke 04

Ernst Poertgen bildete schon bald zusammen mit Fritz Szepan und Ernst Kuzorra ein Innentrio der Sonderklasse. Poertgen erhielt schon bald das Attribut eines „Zauberers am Ball“. Zwischen 1935 und 1938 stand der schnelle Kicker mit den Königsblauen dreimal in einem deutschen Endspiel – zweimal wurde er Meister.

Unvergesslich war dabei sicherlich für ihn das Kölner Finale 1935, als er beim 6:4-Erfolg gegen den VfB Stuttgart drei Tore beisteuerte. Und auch 1937, als es im Endspiel ein Wiedersehen gegen den früheren Kameraden vom 1. FC Nürnberg gab, trug sich der Schalker beim 2:0-Erfolg in die Torschützenliste ein.

Drei Einsätze in der Nationalelf

Dreimal trug Ernst Poertgen das Trikot der deutschen Nationalmannschaft. Gegen Bulgarien und zweimal gegen Luxemburg schoss er insgesamt fünf Tore. Wahrscheinlich hätte der Schalker noch weitere Berufungen erhalten, doch die Konkurrenz um das Trio mit der Nummer neun war in den 1930er Jahren groß.

Bis 1939 blieb Poertgen in Gelsenkirchen, um sich dann beim Bonner FV neu zu orientieren. Schon zwei Jahre zuvor hatte er sich mit seiner Familie am Rhein niedergelassen. In den Kriegsjahren war er, wie so viele gute Fußballer in der damaligen Zeit, Gastspieler bei Wacker München und beim 1. Fc Nürnberg.

Fußball in Colorado

Schließlich geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft und blieb bis 1946 in einem Lager in Colorado, wo er im Camp Carson eine Fußballmannschaft aufbaute, die sich das „Poertgen-Team“ nannte und einen ausgezeichneten Ruf genoss.

1946 kehrte er zu seiner Familie nach Bonn zurück, spielte noch ein paar Jahre beim Bonner FV Fußball, ehe er 1952 seine Karriere beendete. Später leitete Poertgen mit seiner Frau Maria in Beuel eine Gaststätte.

Schicksalsschlag

Kurz vor seinem 70. Geburtstag traf ihn ein Schicksalsschlag: Er wurde vom Wagen eines Diplomaten angefahren und verlor ein Bein. Der Rollstuhl war sein Begleiter in den letzten Lebensjahren. Am 3. Oktober 1986 ist Ernst Poertgen gestorben. Nun kehrt er am Samstag von Bonn nach Gelsenkirchen auf das Schalker FanFeld zurück, zu dem Verein, den er immer im Herzen trug.

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