Alarmstufe Königsrot

Schalke 04

Schalke 04 jagt einen Negativrekord nach dem anderen. So sind die Königsblauen nicht konkurrenzfähig. Sportvorstand Jochen Schneider ist geschockt nach dem 0:4 in Leipzig.

Gelsenkirchen

, 04.10.2020, 19:22 Uhr / Lesedauer: 3 min
Beim Elfmeter von Halstenberg chancenlos: Torwart Frederik Rönnow.

Beim Elfmeter von Halstenberg chancenlos: Torwart Frederik Rönnow. © dpa

Denn am frühen Montagabend (18 Uhr) das Transferfenster schließt, herrscht endlich Klarheit, wie der Kader des FC Schalke 04 bis zum Jahresende aussehen wird. Sollte es keine Veränderungen mehr geben, dann kann einem aus Schalker Sicht nur Angst und Bange werden.

Denn beim Debüt des neuen Trainers Manuel Baum knüpften die Spieler bei der 0:4-Schlappe in Leipzig nahtlos an die desolaten Leistungen der vergangenen Wochen und Monate an.

Angebot für Kabak?

Dies bescherte den Königsblauen neue traurige Bestmarken. Nur ein Beispiel: Nach drei Spieltagen null Punkte bei einem Torverhältnis von 1:15 – das hat noch keine Bundesligamannschaft „geschafft“. Schalke bleibt das Tabellenschlusslicht.

Sportvorstand Jochen Schneider muss Woche für Woche mit Leichenbittermiene zu den Gruselvorstellungen der eigenen Mannschaft Stellung beziehen. Dabei fühlt man sich schon an diverse Vorsitzende einer großen Volkspartei erinnert, die Jahr für Jahr ihre dramatischen Wahlschlappen erklären müssen und dabei nichts mehr schönreden können.

So ergeht es Schneider auf den Fußball übertragen mit der eigenen Mannschaft. Bei „Sky 90“ formulierte der 50-Jährige Sätze, die einen als Schalke-Fan frösteln ließen. Schalke müssen wieder „wettbewerbsfähig“ werden. Jetzt komme es darauf an, im nächsten Heimspiel Union Berlin „Paroli bieten zu können“. Der aktuelle Trend sei „alarmierend“.

Alle Mannschaftsteile desolat

Das Schlimme daran: Diese Sätze bilden die Realität ab. Schalke taumelt durch die Liga und keine Besserung ist in Sicht. Die Abwehr? Nach dem ersten Gegentor der Leipziger stellte sie weitgehend ihre Arbeit ein. Das Mittelfeld? Ein Sammelsurium von Kickern, die es kaum länger als zehn Sekunden schafften, den Ball in den eigenen Reihen zu halten. Der Angriff? Existierte nur auf dem Papier. Bezeichnend, dass die einzige Schalker Torchance auf das Konto eines Mittelfeldspielers ging. Can Bozdogan schaffte es tatsächlich nach 54 Minuten, das Leipziger Tor zum ersten und einzigen Mal halbwegs in Gefahr zu bringen.

Zu diesem Zeitpunkt war die Partie längst gelaufen, weil Bozdogan (31.) per Eigentor sowie die Leipziger Angelino (35.) und Willi Orban (45.) einen komfortablen 3:0-Vorsprung herausgespielt hatten, dem nur noch ein Handelfmetertor durch Marcel Halstenberg (80.) folgte. Zum Glück für die Blau-Weißen, die mit dem 0:4 noch gut bedient waren.

Debüt von Baum verpatzt

Manuel Baum musste bei seinem Debüt auf der Schalker Trainerbank schnell feststellen, wie groß die Defizite der eigenen Mannschaft sind. „Das war keine gute Leistung. Dieses Spiel müssen wir schnell hinten ablegen und nach vorn blicken. Alles andere bringt jetzt nichts,“ so der 41-Jährige. Zwei Wochen hat Baum nun Zeit, an Lösungen zu arbeiten, um die sportliche Krise zu stoppen.

Dass Suat Serdar nur zwei Wochen nach seiner Muskelverletzung schon wieder in der Startformation stand, überraschte. Dass er schon nach 20 Minuten verletzungsbedingt erneut ausgewechselt werden musste, wirft die Frage auf, ob diese Entscheidung so klug war. Dabei hat doch Schalke mittlerweile ein Heer von Experten um die Mannschaft versammelt, die über reichlich Fachkompetenz verfügen sollen.

„Alle haben zuvor grünes Licht gegeben“, sagte Baum, der damit rechnen muss, dass der ohnehin verletzungsanfällige Nationalspieler nun wieder länger ausfallen wird. Die anstehenden Länderspiele hat Serdar bereits abgesagt.

„Gewinner“ Rönnow

Torhüter Ralf Fährmann musste zur Halbzeit raus – nach Schalker Informationen wegen Adduktorenproblemen. So kam Fredrik Rönnow zu seiner Bundesliga-Premiere im Schalker Tor und wusste mit einigen guten Paraden zu überzeugen. Der einzige „Gewinner“ auf Schalker Seite.

Ob Rönnow der letzte Schalker Neuzugang bleibt, ist offen. Offenbar muss Schalke erst Spieler verkaufen, um andere zu verpflichten. Am Wochenende gab es Spekulationen um Ozan Kabak und Rabbi Matondo, die bei anderen Klubs im Gespräch sein sollen. Matondo stand nicht im Schalker Kader in Leipzig. Dies hatte laut Trainer Baum jedoch taktische Gründe. Bei Kabak hatte Schneider einen Transfer in diesem Transferfenster ausgeschlossen, doch womöglich findet ein Umdenken statt, sollte der AC Mailand noch mit einem lukrativen Angebot um die Ecke kommen.

Der heutige Montag wird also spannender, als es das Spiel in Leipzig war. Das war nämlich eine klare Sache.

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