Ausgliederung wird unter Schalke-Fans intensiv diskutiert

Schalke 04

Die Diskussion über eine Ausgliederung der Profiabteilung des FC Schalke 04 nimmt Fahrt auf. „Das ist bei den Fans ein großes Thema“, sagt Thomas Kirschner im Gespräch mit dieser Redaktion.

Gelsenkirchen

, 13.10.2020, 17:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der nächsten Schalker Mitgliederversammlung kommt hohe Bedeutung zu.

Der nächsten Schalker Mitgliederversammlung kommt hohe Bedeutung zu. © dpa

Und er muss es wissen. Kirschner ist einer der Fanbeauftragten des FC Schalke 04. Ein Mann der Basis also, der Tag für Tag mit vielen Anhängern in Kontakt steht, Anliegen und Wünsche aufnimmt, um dort zu helfen, wo er kann.

Kirschner hat festgestellt, dass über die Ausgliederung unter den Anhängern viel gesprochen wird, aber die Diskussion noch keine feste Grundlage hat, weil detaillierte Informationen fehlen. Beim Schalke-Tag Anfang September waren die Vorstände Alexander Jobst und Jochen Schneider zwar beim Schalker Fanclub-Verband zu Gast, konnten aber noch kein detailliertes Konzept vorstellen.

Diskussionsrunden sind geplant

Immerhin bekräftigten beide zuletzt in einem Kicker-Interview, dass an einem Konzept gearbeitet werde. Ist es fertig, muss der Aufsichtsrat noch zustimmen, dass eine Ausgliederung angestrebt wird. Schneider erlebte die Vorzüge einer für Investoren geöffneten Rechtsform, als er noch in Leipzig arbeitete. Die Notwendigkeit einer Strukturveränderung angesichts der katastrophalen Finanzsituation beim FC Schalke 04 betonen Jobst und Schneider gleichermaßen, ebenso gab es das Versprechen, bei diesem wichtigen Thema den intensiven Austausch mit den eigenen Fans zu suchen. Deshalb sind nach Informationen dieser Zeitung auch mehrere Diskussionsrunden mit den Anhängern geplant.

Dies ist auch dringend notwendig, denn der geplante Abschied von der Rechtsform des eingetragenen Vereins ist für traditionsbewusste Fans des FC Schalke 04, von denen es sehr viele gibt, ein „Politikum“. Sie fürchten, wenn sich ihr Verein für fremde Investoren öffnet, drohen Werte und Identität des Klubs verloren zu gehen. Eine Ausgliederung sei längst kein Allheilmittel, um sportliche und finanzielle Probleme von Vereinen in den Griff zu bekommen.

Vorbild Mönchengladbach

Negativ-Beispiele in dieser Hinsicht gab es in der Vergangenheit einige. Besonders abschreckend ist die Entwicklung des Hamburger SV, der nach Umwandlung in eine Aktiengesellschaft auch durch viele Finanzspritzen des Unternehmers Klaus-Michael Kühne nur noch ein trauriges Dasein in der Zweiten Liga fristet.

Es kann aber auch anders gehen. Borussia Mönchengladbach strukturierte sich im Jahr 2003 um. Zwar wurde dadurch der Abstieg vier Jahre später nicht verhindert, aber mittlerweile gilt der fünffache Deutsche Meister längst als Vorzeigeklub in der Bundesliga und hat auch für Schalke 04 Vorbildcharakter gewonnen. Jochen Schneider führt immer wieder den Gladbacher Weg an, wie man gestärkt aus einer Krise kommt.

75 Prozent Zustimmung nötig

Befürworter einer Ausgliederung argumentieren, dass diese für Profivereine längst zwingend notwendig sei, um wettbewerbsfähig zu bleiben. In der Bundesliga sind neben Schalke nur noch Union Berlin, Fortuna Düsseldorf, der SC Freiburg und Mainz 05 eingetragene Vereine. Insbesondere das Freiburger Beispiel zeigt jedoch, dass auch ohne Ausgliederung erfolgreiches Arbeiten möglich ist.

Größte Hürde bei einer Änderung der Rechtsform ist für Schalkes Entscheidungsträger die eigene Satzung. Sie besagt, dass 75 Prozent der aktuell rund 160.000 Mitglieder für eine Ausgliederung votieren müssten, sonst wäre das Konzept gescheitert. Hier ist also sehr viel Überzeugungsarbeit gefragt. Aktuell gelten zehn bis fünfzehn Prozent der Schalker Mitglieder als absolute Ausgliederungsgegner, rund 50 Prozent sollen in dieser Frage noch unentschlossen sein.

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