Die kurzfristige Absage des Pokalspiels zwischen Schalke 04 und Schweinfurt 05 hinterlässt einen faden Beigeschmack. Denn es gibt nach dieser Entscheidung viele Verlierer.

Gelsenkirchen

, 12.09.2020, 16:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor allem die Fußball-Funktionäre sind jetzt gefordert, den Schaden, den sie größtenteils selbst angerichtet haben, schnellstmöglich mit einer für alle Seiten befriedigenden Lösung zu beheben. Doch dies scheint fast ausgeschlossen, weil Schalke logischerweise nicht gegen zwei Mannschaften - Türkgücü und Schweinfurt - im Pokal um das Weiterkommen spielen kann.

Denn sollte das vorläufige Urteil des Münchner Landgerichts auch vom Oberlandesgericht bestätigt werden, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass dann Schweinfurt juristische Wege bestreiten wird. Der Grund liegt auf der Hand und ist völlig legitim: Für beide Vereine, ob neuer Drittligist (Türkgücü) oder Regionalligist (Schweinfurt) geht es als Erstrunden-Teilnehmer um 180.000 Euro. Eine große Summe im arg gebeutelten Amateurbereich, zumal in Corona-Zeiten jeder Euro zweimal umgedreht werden muss.

In Bayern gegen die Uhren anders

Der bayerische „Komödienstadl“ droht sich deshalb länger hinzuziehen, dabei war es viele Jahren gelebte Praxis, dass die beste Amateur-Mannschaft aus Bayern am DFB-Pokal teilnehmen darf. Dies war bis zur Unterbrechung der Saison eindeutig Türkgücü München.

Den klaren Spitzenreiter dann vorzeitig zum Aufsteiger für die 3. Liga zu erklären, war angesichts der ungewissen Corona-Situation noch nachvollziehbar. Ihm dann aber durch eine kurzfristige Satzungsänderung das Recht zu nehmen, am lukrativen DFB-Pokal teilzunehmen, wirft kein gutes Licht auf den Bayerischen Fußball-Verband und seinen Präsidenten Rainer Koch, der sein Herz für die Amateurfußballer doch bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit betont.

Protest ist keine Überraschung

Türkgücu ist sozusagen für eine sportlich erfolgreiche, wenn auch nicht abgeschlossene Saison, bestraft worden, indem der Verein aus der Tabellenwertung der Regionalliga genommen und damit um die Teilnahme am DFB-Pokal gebracht wurde. Dass der Klub dies nicht unwidersprochen hinnimmt, kann niemand überraschen.

Jetzt ist guter Rat teuer. Dass auch der FC Schalke 04 sauer ist, war zu erwarten. Denn eine Woche vor dem Bundesliga-Auftakt beim FC Bayern wäre ein Erfolgserlebnis im Pokal für die in den vergangenen Monaten so arg gebeutelten Königsblauen enorm wichtig gewesen. Vor allem für die Köpfe der Spieler, die sich am Wochenende eher an ein geflügeltes Wort von CSU-Übervater Franz-Josef Strauß erinnert fühlen dürften: „In Bayern gehen die Uhren anders“.

Schlagworte: