Schalke-Reporter über ein Derby mit Biss, das Ende einer schwarzen Serie, eine meisterliche Vorstellung und an eine unfassbare Aufholjagd. Heute: Die Meister-Leistung mit einem Ex-Borussen.

Gelsenkirchen

, 24.10.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Luft brannte, keine Frage, schon vorher, noch mehr als sonst. Auf solche Spiele freuen sich nicht nur Fans und wahrscheinlich auch die Spieler, sondern auch Journalisten. Am 23. September 2000 war so ein ganz besonderer Tag mit ganz speziellen Derby-Vorzeichen. Es war zwar erst der sechste Spieltag, da fallen noch keine Entscheidungen. Aber wenn der Ex-Schalker Jens Lehmann im Dortmunder Tor steht und der Ex-Dortmunder Andi Möller bei Schalke Regie führt, dann kann das gar nicht langweilig werden.

Großes Theater um Möller

Was war das für ein Theater, als Schalke die Verpflichtung von Andreas Möller bekanntgab. Ausgerechnet Möller, für zahlreiche Schalke-Fans der Inbegriff des „Feindbildes“ - weil er die Schuhe eben für den Erzrivalen geschnürt hatte und viele S04-Anhänger seine Auftritte oft genug als Provokation empfanden. Ausgerechnet diesen Möller hatte Manager Rudi Assauer nun verpflichtet, weil er erkannt hatte, dass den Königsblauen im Mittelfeld Tempo fehlen würde.

Die Proteste der Fans? Assauer pfiff drauf, war von seiner Entscheidung absolut überzeugt. Vor der Geschäftsstelle gab es Demonstrationen, wütende Schalke-Mitglieder verbrannten öffentlich ihre Klub-Ausweise. Aber es half alles nichts. Ob sie wollten oder nicht: Möller war ab jetzt ein Schalker. Und Jens Lehmann war nach seinem Kurz-Abstecher zum AC Mailand mittlerweile ein Dortmunder geworden. Sehr gewöhnungsbedürftig, das Ganze. Die Luft brannte also im Westfalenstadion.

Schalke trumpfte groß auf

Was sich dann dort abspielte, war vielleicht eine der besten Schalker Auswärtsleistungen, die ich meinen nun über 30 Jahren als Schalke-Berichterstatter gesehen habe. Angeführt von einem überragenden Andi Möller spielte Schalke den BVB in dessen Stadion an die Wand. Jörg Böhme, Emile Mpenza, Jörg Heinrich (Eigentor) und Ebbe Sand sorgten für einen auch in der Höhe völlig verdienten Schalker 4:0-Sieg.

Spätestens jetzt war der Beweis erbracht, dass sein Fußball-Näschen Rudi Assauer nicht getäuscht hatte: Möller war genau das Element, das dieser Schalker Mannschaft noch gefehlt hatte. Trainer Huub Stevens, fälschlicherweise reduziert auf „Die Null muss stehen“, ließ seiner Abteilung Attacke mit Jörg Böhme, Emile Mpenza, Andreas Möller, Ebbe Sand und im Saisonverlauf auch Gerald Asamoah freien Lauf. Das sollte sich auszahlen.

Olaf Thons letztes großes Spiel

Denn das Husaren-Stück in Dortmund blieb keine Eintagsfliege. Schalke spielte eine tolle Saison, verhaspelte sich in der Schlussphase der Saison allerdings in Bochum und in Stuttgart und hätte am letzten Spieltag dann doch beinahe noch die Meister-Sensation geschafft, ehe die Bayern nach 94 Minuten und 38 Sekunden in Hamburg doch noch die Schale holten. Schalke versank in Tränen, wer diesen Tag und diesen Nachmittag erlebt hat, wird ihn nie vergessen. Im Rückblick bleibt es aber eine hervorragende Saison - mit einem meisterlichen Auftritt im Derby.

Der übrigens noch zwei bislang unerwähnte Protagonisten hatte: Schiedsrichter Dr. Markus Merk, der am letzten Spieltag in Hamburg noch eine ganz besondere Rolle einnehmen sollte. Und Olaf Thon: Er machte beim Revier-Derby sein wohl letztes ganz großes Spiel für Schalke. Kurz danach verletzte er sich schwer und kam nicht mehr richtig auf die Profi-Beine. Der 4:0-Sieg in Dortmund war im Prinzip das angemessene Ende einer ganz großen Karriere. Auch deswegen bleibt das Revier-Derby vom 23. September 2000 unvergessen.

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