Mit seinen Eigengewächsen nähert sich Schalke 04 in den vergangenen zehn Jahren dem 200-Millionen-Euro-Ablöse-Umsatz. Der erste große Transfer, der viel Geld brachte, war Manuel Neuer.

Gelsenkirchen

, 11.10.2020, 17:26 Uhr / Lesedauer: 3 min

Joel Matip, Sead Kolasinac und Max Meyer haben eine Menge gemeinsam. Sie wurden in der Schalker Jugend ausgebildet und schafften den Sprung zu den S04-Profis. Und eines Tages fühlte sich das Trio reif für die Insel. Matip wechselte 2016 zum FC Liverpool, Kolasinac 2017 zu Arsenal London und Meyer 2018 zu Crystal Palace. Noch eine Gemeinsamkeit gibt es, aus Schalker Sicht eine bittere: Alle drei Spieler verließen den FC Schalke 04 ablösefrei.

Der Transfermarkt ist halt kein Wunschkonzert – trotzdem dürfen sich die Königsblauen nicht beklagen, was die Rendite der eigenen Nachwuchsabteilung betrifft. Die Schalker Knappenschmiede ist eine Goldgrube – weil viele Spieler die Königsblauen nicht als letzte bzw. oberste Stufe auf ihrer persönlichen Karriereleiter sehen, ist Schalke mittlerweile auch zu einer Art Ausbildungsverein geworden. Was sich zumindest finanziell durchaus lohnt: Denn geht der Plan mit Weston McKennie, ausgeliehen an Juventus Turin, auf, hat Schalke in den vergangenen zehn Jahren mit seinen Eigengewächsen einen Ablöse-Umsatz in Höhe von knapp 200 Millionen Euro erzielt.

Neuer der erste Fischzug

Manuel Neuer war der erste große finanzielle Fischzug. Der Ur-Schalker wechselte 2011, begleitet von vielen Schmähungen auf Schalker und übrigens auch auf Bayern-Seite, nach München. Er verabschiedete sich mit dem Pokalsieg aus Schalke, bekam beim Auto-Korso trotzdem eine Ohrfeige eines enttäuschten Fans verpasst. Man kann nicht unbedingt sagen, dass Neuer mit dem Wechsel einen Fehler gemacht hat. Er stieg auf zum weltbesten Torhüter, sammelt mit den Bayern Titel um Titel, zuletzt die Champions League. Neuer, 2014 auch Weltmeister geworden, brachte Schalke zunächst die Ablösesumme von 20 Millionen Euro ein. An den Titeln, die Neuer mit den Bayern gewann, partizipierte eine Zeit lang auch Schalke, so dass Neuer inklusive der Bonuszahlungen insgesamt 30 Millionen Euro einbrachte.

Fast ein kleiner Fisch gegen die Summe, die Schalke für Julian Draxler kassierte. Draxler, einer der Hochbegabten des deutschen Fußballs, war 2001 nach Schalke gekommen, wo er bis 2015 spielte. Nach eigener Aussage war ihm die Erwartungshaltung in seine Person auf Schalke dann wohl zu groß geworden. Da schien der VfL Wolfsburg genau das richtige Terrain zu sein für den Mittelfeldspieler – 43 Millionen Euro sollen die „Wölfe“ für Draxler hingeblättert haben. Richtig glücklich wurde Draxler in Wolfsburg allerdings nicht. 2017 wechselte er für die Ablösesumme von 36 Millionen Euro zu Paris St. Germain.

Mega-Angebot für Thilo Kehrer

Dort spielt seit 2018 auch Thilo Kehrer. Der Verteidiger war mit Schalke gerade Vize-Meister geworden, flog in der öffentlichen Wahrnehmung dennoch immer so ein bisschen unter dem Radar. Daher gab es auch größtenteils Zustimmung, als Schalkes damaliger Manager Christian Heidel verkündete, er habe bei diesem Angebot einfach nicht „Nein“ sagen können. „Dieses Angebot“ kam von Paris St. Germain und lag bei 37 Millionen Euro – Kehrer wechselte und schaffte es sogar, sich im Star-Ensemble der Franzosen zu etablieren. Auch im Champions-League-Endspiel gegen die Bayern stand er in der Start-Elf.

Schalkes Königstransfer ist nach wie vor der von Leroy Sané. Der hatte als S04-Stürmer rasch das Interesse von Pep Guardiola auf sich gezogen. Wenn Schalke gegen die Bayern spielte, redete der Trainer des Rekordmeisters meistens nur über Sané, wenn er über den Gegner sprach. Dass die Begeisterung Guardiolas irgendwann auch in einen Transfer münden würde, war da nur logisch. Wäre der Katalane bei den Bayern geblieben, hätte er Sané wohl irgendwann auch dorthin geholt. Aber Guardiola wechselte zu Manchester City und 2016 ging dann auch Sané zu Guardiola und City – für eine Ablösesumme von 50 Millionen Euro. Seit dieser Saison stürmt Sané für die Bayern, Schalke kassierte im Zuge der Transfermodalitäten auch noch ca. zwei Millionen Euro zusätzlich.

Bonus bei McKennie

Weston McKennie (22) kam 2016 vom FC Dallas zum FC Schalke 04, wo ihn Trainer Norbert Elgert bei den A-Junioren zum Profi formte. Der Mittelfeldspieler wurde nun für ein Jahr und eine Leihgebühr in Höhe von 4,5 Millionen Euro zu Juventus Turin ausgeliehen, allerdings mit einem ganz klaren Kauf-Plan dahinter. Denn wenn Juve – wie üblicherweise – in der kommenden Saison die Champions League erreicht, wird Juventus Turin die Kaufoption in Höhe von 18,5 Millionen Euro ziehen. Auch an eventuellen Titelgewinnen des italienischen Spitzen-Klubs wäre Schalke beteiligt. Inklusive dieser Bonuszahlungen kann der McKennie-Deal Schalke 30 Millionen Euro einbringen.

Die Knappenschmiede hätte sich wieder einmal als Goldgrube entpuppt.

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