Zwischen Party-Stimmung und kopfschüttelndem Schweigen: Spiele gegen den FC Bayern München zeigen, wie sich Zeit und Erwartungshaltung verändert haben.

von Norbert Neubaum

Gelsenkirchen

, 25.08.2019, 17:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die meisten Komplimente nach der 0:3-Niederlage gegen die Bayern bekamen auf Schalker Seite die Fans: Vor allem die Nordkurve feierte die eigene Mannschaft so, dass einem warm ums Herz wurde. Wer sich aber dieser wunderbaren Atmosphäre kurz entzog und sich in der Arena umschaute, sah auch in fassungslose Gesichter, deren „Besitzer“ ebenfalls Schalke-Fans sind. Sie schüttelten den Kopf und fragten sich: Was gibt es nach einem 0:3 noch zu feiern?

Niederlage als „Normalfall“?

Dieser Zwiespalt der Gefühle ist mittlerweile auch so etwas wie eine Generationen-Frage: Für die jüngeren Schalke-Fans sind Niederlagen gegen die Bayern im Prinzip schon der „Normalfall“, schließlich haben die Königsblauen seit 2010 kein Bundesliga-Spiel mehr gegen den Rekordmeister gewonnen.

Wer schon ein paar Jahre länger dabei ist, kann sich aber durchaus noch an Zeiten erinnern, in denen Schalke den von den Einzelspielern her ja fast immer überlegenen Bayern Paroli bot und ihnen regelmäßig auch wichtige Punkte abknöpfte.

Die Zeiten haben sich geändert.

Mittlerweile ist das Ziel in Spielen gegen die Bayern für Schalke offenbar schon gar nicht mehr in erster Linie zu punkten, sondern nur noch, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Der Gradmesser der Bewertung ist anscheinend der, wie stark sich Schalke gegen die jeweilige Niederlage gewehrt hat.

„Alles rausgeholt“. Reicht das?

Wenn Sportvorstand Jochen Schneider lobend erwähnt, die Mannschaft habe „alles herausgeholt, was im Tank war“, ist das sicherlich richtig, denn das hat sie zweifellos getan. Von ursprünglichen Schalker Ansprüchen ist das aber meilenweit entfernt.

Ist das zu streng? Mag sein. Aber es ist doch immer noch vom FC Schalke 04 die Rede – und nicht von einem Amateur-Verein, der im Pokal das große Los gegen die Bayern gezogen hat und dann stolz darauf ist, sich ordentlich aus der Affäre gezogen zu haben.

Fakt ist: Die Bayern wären am Samstag zu „knacken“ gewesen, das hat Schalke aber erst nach einer knappen Stunde begriffen, als es im Prinzip schon zu spät war – das darf auch angesichts des berechtigten Ärgers über zwei nicht gegebene Handelfmeter nicht ignoriert werden.

„Wir sind ja nicht doof“, zischte Trainer David Wagner als Antwort auf die Frage, ob die Feierlichkeiten nach einer 0:3-Heimniederlage nicht zu einer gewissen unbegründeten Selbstzufriedenheit führen könnten. Aber darum geht es ja nicht. Es geht darum, auch aus den Fan-Reaktionen die richtigen Schlüsse zu ziehen – auch von denjenigen, die die Feierlichkeiten schweigend und kopfschüttelnd beobachteten.

Fischer und die Ehrenrunde

Wie sagte Schalkes Rekord-Torjäger Klaus Fischer schon vor einem Jahr nach einem vergleichbaren Szenario: „Bei einer Ehrenrunde nach einer völlig verdienten Heim-Niederlage gegen die Bayern wäre ich nicht mitgelaufen. Da denkst du als Spieler ja am Ende noch, du hättest Großes geleistet.“

Die Zeiten haben sich tatsächlich geändert.

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