Wer geglaubt hatte, ein Trainerwechsel würde bei Schalke 04 eine kurzfristige Verbesserung bewirken, sah sich in Leipzig bitter enttäuscht. Manuel Baum steht vor einer Herkulesaufgabe.

Leipzig

, 04.10.2020, 10:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Julian Nagelsmann strahlte nach dem 4:0-Erfolg seiner Mannschaft teilweise wie ein Honigkuchenpferd. So einfach hatte sich der Trainer von RB Leipzig den Erfolg gegen die Königsblauen wohl nicht vorgestellt. Nach dem ersten Gegentor brachen bei den Königsblauen, wie schon öfter in den vergangenen Monaten, alle Dämme.

Länderspielpause nutzen

Schalke-Trainer Baum muss nun die Länderspielpause - auch wenn in der natürlich einige Spieler fehlen werden - unbedingt nutzen, um sein Team wenigstens so zu stabilisieren, dass es im nächsten Heimspiel gegen Union Berlin nicht völlig chancenlos ist. Baum musste auf bittere Art und Weise feststellen, dass es mit Handauflagen alleine bei den Blau-Weißen - mehr war in seinen ersten drei Schalker Trainingstagen nicht möglich - nicht getan ist. Ein paar nette Worte, eine Stimmungskanone als Co-Trainer, ein paar Personalwechsel: Schalkes Probleme sind wesentlich fundierter, als sie durch solche Einstiegsmaßnahmen beheben zu können, und eine Spitzenmannschaft wie RB Leipzig deckt dies dann auch gnadenlos auf.

Vielleicht - auch wen es seltsam klingt - war es perspektivisch sogar ganz hilfreich, dass Schalke auch in Leipzig all das offenbart hat, was nun schon seit Monaten brach liegt. Ein wie auch immer ermauerter Punktgewinn hätte möglicherweise die Sinne vernebeln können für die Realität. So bekam Baum aber brutal vor Augen geführt, dass er mit dieser Mannschaft - und zwar in allen Bereichen - noch ganz viel Arbeit hat. Und die geht im Prinzip jetzt erst richtig los.

Körpersprache nach Gegentor miserabel

Neben Verbesserungen in allen Mannschaftsteilen muss Baum vor allem das regelmäßige Verhalten nach dem ersten Gegentor sozusagen revolutionieren: Denn das bedeutet für Schalke gleichzeitig, dass das Spiel bereits verloren ist. Sobald die Mannschaft ein Tor kassiert hat, wie in Leipzig, aber auch gegen Bundesliga-Durchschnitt, lassen Schalkes Profis Schultern und Köpfe nachhaltig hängen, ist die Körpersprache jenseits irgendeiner Hoffnung, das Spiel noch drehen zu können. Hier muss Baum ansetzen, denn so ein Verhalten ist das - man muss es so deutlich ansprechen - eines Absteigers.

Die Realität: Platz 18, 1:15 Tore




Apropos: Weil Baum vor der Saison Schalke als Sky-Experte in der Abschlusstabelle auf Platz 15 getippt hatte, gab es viel Häme und sogar Kritik, als Baum als neuer Schalker Trainer vorgestellt wurde. Schalke in unmittelbarer Nähe der Abstiegsränge? Wie konnte er nur? „Der Baum“, rechtfertigte er sich, „kann halt nicht tippen“. Die Realität: Schalke ist Tabellen-Schlusslicht, mit dem Zum-Wegschauen-Torverhältnis von 1:15. Richtig: Nach drei Spielen ist es für Panikmache noch viel zu früh. Aber in Wahrheit dauert die Krise ja schon viel länger an. Stand heute könnte man sich also fast wünschen, Baum würde mit seinem Tipp richtig liegen...

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt