Daher war die Trennung vom Schalker Trainer folgerichtig - aber es wäre zu billig, ihm alles, was zuletzt schiefging, in die Schuhe zu schieben. Nachfolge-Suche zwischen Traum und Baum.

Gelsenkirchen

, 28.09.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Den Mechanismen der Branche hatte er den Kampf angesagt und auch damit seine Treue zu David Wagner begründet, obwohl der die Rückrunde mit Schalke fast komplett in den Sand gesetzt hatte. Schnelle Trainerwechsel? „Das bin nicht ich“, so Jochen Schneider. Aber am späten Samstagabend blieb auch Schalkes Sportvorstand nach Rücksprache mit dem Aufsichtsrat nichts anderes übrig, als die Reißleine zu ziehen.

Vorhang war gefallen

Es war nicht mehr zielführend, auf die Wende unter Wagners Regie zu hoffen. So groß die Sehnsucht nach einem Comeback der so starken Hinrunde in der Vorsaison war, so tief war nun die Erkenntnis, dass der Vorhang zu den Wagner-Festspielen auf Schalke nach einer Saison plus zwei Spieltagen endgültig gefallen war.

Wagner nun komplett in die Schuhe zu schieben, was in der letzten Zeit schief ging – so ziemlich alles – wäre zu billig. Diese Mannschaft scheint ein Sammelsurium an diffizilen Charakteren zu sein, die die schützenden Hände, die vor allem Wagner viel zu lange über sie hielt, gar nicht verdient hat.

Rangnicks Pläne kosten Geld

Bei der Nachfolge-Diskussion bewegt sich Schalke in einer Spannbreite zwischen Traum und Baum. Für viele S04-Fans wäre die Rückkehr von Ralf Rangnick ein Traum. Er genießt seit seiner ersten Amtszeit, als Schalke erfolgreichen und attraktiven Fußball spielte, einen ausgezeichneten Ruf in der Vereinsfamilie. Und er macht immer noch irgendwie den Eindruck, als sei er mit Schalke noch nicht fertig. 2005 stolperte er über S04-Manager Rudi Assauer, 2011 stoppte ihn seine Burnout-Krankheit.

Rangnick hätte am Sonntag eine Rückkehr bequem dementieren können, niemand hätte es ihm übel genommen. Stattdessen kokettierte er auf „Sky“ mit den Gerüchten um seine Person. Aber: Wäre eine Rückkehr Rangnicks realistisch? Spöttisch könnte man sagen, dass Jochen Schneider sich als Sportvorstand auf Schalke dann ja quasi überflüssig machen würde.

Baum als realistischere Lösung?

Rangnicks Lust aufs Machen übertrifft seine Lust darauf, „nur“ Trainer zu sein, um Längen. Über Rangnicks Omnipräsenz stöhnte einst schon Assauer: „Der würde am liebsten noch den Mannschaftsbus selbst fahren.“ Außerdem: Rangnicks Entwicklungs-Ehrgeiz kostet Geld, das Schalke derzeit nicht hat.

Realistischer scheint da schon eine Lösung wie Manuel Baum zu sein. Der hat beim FC Augsburg zuletzt zwar auch – pardon – keine Bäume mehr ausgerissen, aber wo steht geschrieben, dass zu Schalke nur die großen Namen passen? Auch die haben sich an der harten Schalker Trainerbank schließlich schon mehrmals die Zähne ausgebissen. Fragen Sie mal nach bei Jupp Heynckes.

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