Horst Heldt: „Habe sechs Jahre mit viel Freude auf Schalke gearbeitet“

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Die Karnevalstage hat Horst Heldt ohne Schäden überstanden. Der Geschäftsführer Sport des 1. FC Köln verrät, was ihm die Arbeit in Köln bedeutet und wie er die sportliche Lage bei S04 sieht.

Gelsenkirchen

, 28.02.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Arbeiten Sie jetzt bei Ihrem Traumverein?

Beim 1. FC Köln hat meine Profikarriere begonnen. Hier habe ich fast zehn Jahre verbracht. Insofern ist dieser Verein natürlich etwas Besonderes für mich und hat einen festen Platz in meinem Herzen. Andererseits habe ich auch zu den anderen Vereinen, wo ich gespielt oder später als Manager gearbeitet habe, eine Beziehung und dort besondere Momente erlebt, die ich nicht missen möchte.

Auf was haben Sie besonders Wert gelegt, nachdem Sie am 19. November 2019 zum neuen Geschäftsführer Sport des 1. FC Köln ernannt wurden?

Zunächst ging es darum, sich schnellstmöglich ein Bild über den gesamten Klub zu machen. Ganz wichtig war es außerdem, nach innen und außen zu einer Geschlossenheit zu gelangen. Nicht nur, was die Mannschaft betrifft, sondern den gesamten Klub, die Fans und die Stadt. Wenn man das schafft, hat man eine gute Grundlage für sportlichen Erfolg. Dieser Schulterschluss ist hier momentan jeden Tag zu spüren.

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Ist der „Eff-Zeh“ so, wie Sie ihn sich vorgestellt haben?

Teil, teils. Einerseits ist der Verein, seit ich weg war, in allen Bereichen enorm gewachsen. Es gibt viel mehr Mitarbeiter, mehr Fans und auch das Medienaufkommen hat sich gewaltig verändert. Andererseits sind auch einige Dinge gleich geblieben. Das Trainingsgelände ist dasselbe wie früher – da habe ich auch schon trainiert. Insgesamt hat es aber nichts gegeben, was mich jetzt überrascht hätte.

Ist es ein Vorteil für Sie gewesen, dass Sie mit einem Trainer in Köln zusammenarbeiten, dessen Arbeitsweise Sie auf Schalke schon kannten?

Auf jeden Fall. Ich musste Markus Gisdol nicht erst kennenlernen und wusste, für welchen Fußball er steht, welche Schwerpunkte er im Training setzt, auf was er besonders Wert legt. Das hat die Zusammenarbeit enorm erleichtert.

Hat es Sie geärgert, dass Schalkes Jahrhunderttrainer Huub Stevens Skepsis geäußert hat, ob Gisdol der Aufgabe in Köln gewachsen ist?

Das war weder für mich noch für Markus ein Thema.

„Ein fester Platz in meinem Herzen“: Horst Heldt bei seiner Verabschiedung auf Schalke mit Clemens Tönnies.

„Ein fester Platz in meinem Herzen“: Horst Heldt bei seiner Verabschiedung auf Schalke mit Clemens Tönnies. © dpa

Apropos Schalke: Wo sehen sie Unterschiede und Parallelen zwischen beiden Vereinen?

Beide Klubs haben ein großes Fanpotenzial. Ich erlebe bei jedem Bundesligaspiel, wie die Menschen mit dem 1. FC Köln mitfiebern. Das ist auf Schalke nicht anders. Der gravierendste Unterschied in den vergangenen Jahren war die sportliche Entwicklung. Schalke hat den Anspruch, jedes Jahr international zu spielen. Wir sind Aufsteiger mit dem Ziel, zu Stabilität zu finden.

Wie eng ist noch Ihr Kontakt zum FC Schalke 04?

Regelmäßig tausche ich mich mit Clemens Tönnies aus. Aber auch zu vielen Mitarbeitern der Geschäftsstelle gibt es noch Kontakt. Schließlich habe ich sechs Jahre mit viel Freude auf Schalke gearbeitet.

Kommt Schalke für Köln sportlich gesehen genau zum richtigen Zeitpunkt?

Auf keinen Fall. Schalke hat die Qualität, jederzeit den Schalter in eine positive Richtung umzulegen. Man sollte das 0:5 gegen Leipzig nicht überbewerten. Wir haben in dieser Saison ja auch schon ähnliches erlebt. Denken Sie an das Heimspiel gegen den FC Bayern. In Berlin hat unsere Mannschaft dann die richtige Reaktion gezeigt und auch in der Höhe verdient mit 5:0 gewonnen.

Der „Kicker“ urteilte am vergangenen Montag: Rückschläge können den 1. FC Köln nicht mehr umwerfen. Stimmen Sie zu?

Das Gute an der aktuellen Situation ist, dass wir aus eigener Kraft den Klassenerhalt schaffen können. Diese Ausgangslage hat sich die Mannschaft mit starken Leistungen erarbeitet. Das heißt aber auch, dass wir jetzt nicht nachlassen dürfen. Es gilt, in jeder Partie unser Leistungsvermögen abzurufen. Aber ich denke, dass haben unsere Spieler verinnerlicht.

Meister mit dem VfB Stuttgart

Der aus Königswinter wurde 1987 vom 1. FC Köln für dessen Jugendabteilung verpflichtet. Ab 1988 gehörte Heldt der Reserve der Kölner an, 1990 absolvierte er sein erstes Spiel für die Profimannschaft, für die er in 144 Spielen 13 Treffer erzielte. Anschließend spielte er vier Jahre für den TSV 1860 München. 1999 wechselte er zu Eintracht Frankfurt und 2001 zu Sturm Graz. Im Januar 2003 wurde er von Felix Magath zum VfB Stuttgart geholt, wo er 2006 seine Karriere beendete und bis 2010 Sportdirektor war. Mit dem Meistertitel für den VfB gelang ihm 2007 ein großer Erfolg. Im Juli 2010 wechselte er zum FC Schalke 04, mit dem er dreimal die Champions League erreichte und 2011 den DFB-Pokal gewann. Am 5. März 2017 wurde Heldt Manager von Hannover 96, wo er am 9. April 2019 entlassen wurde. Am 19. November 2019 wurde Heldt neuer Sport-Geschäftsführer des 1. FC Köln.

Zu Platz zehn sind es nur noch drei Punkte, während der Vorsprung auf den Relegationsplatz sechs Zähler beträgt. Schauen Sie eher nach oben oder nach unten?

Weder noch. Wir schauen nur auf die Leistungen unserer Mannschaft auf dem Platz. Alles andere, wie zum Beispiel unsere Konkurrenten spielen, können wir sowieso nicht beeinflussen.

Wie schwer wiegt die Tatsache, dass der von Schalke ausgeliehene Mark Uth am Samstag nicht spielen darf?

Das ist einerseits schade, weil Mark in sehr guter Form ist. Andererseits haben wir personelle Ausfälle zuletzt gut kompensiert – so wie zuletzt den von unserem Kapitän Jonas Hector in Berlin.

Dies gelang auch, weil Köln verstärkt auf junge Spieler aus den eigenen Reihen setzt. Ist das ein Muster für die Zukunft?

Das ist ein ganz wichtiger Baustein. Die Nachwuchsförderung wollen wir weiter ausbauen.

Uth blüht auf: Bei Köln spielt die Leihgabe von Schalke bislang eine richtig gute Rückrunde.

Uth blüht auf: Bei Köln spielt die Leihgabe von Schalke bislang eine richtig gute Rückrunde. © dpa

Wie groß sind die Chancen, Mark Uth über den Sommer zu halten?

Damit beschäftige ich mich jetzt noch nicht. Zunächst einmal gilt es, sich ganz auf den Klassenerhalt zu konzentrieren. Alles andere kommt später.

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