Kein anderer Schalker Trainer hat so viele Derbys in verantwortlicher Position verfolgt wie Huub Stevens. Trotzdem ist die Anspannung beim ihm vor dem Spiel in Dortmund groß. Die Gründe.

Gelsenkirchen

, 25.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Frage ist kaum ausgesprochen, da hat sie Huub Stevens auch schon beantwortet: „Ich denke, dass ist mein letztes Derby, ja“, sagte der 65-Jährige vor dem Spiel in Dortmund, dass für beide Mannschaften einen unglaublich großen Stellenwert besitzt. Während der BVB von der Meisterschaft träumt, entwickelt die Saison 2018/2019 für die Königsblauen geradezu albtraumhafte Züge. Zwar beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz vier Spieltage vor dem Ende der Saison satte sechs Punkte und das wesentlich bessere Torverhältnis gegenüber dem VfB Stuttgart. Aber angesichts der desolaten Schalker Leistungen der letzten Wochen, ist das beileibe kein Ruhekissen.

Das weiß natürlich auch Huub Stevens, der bemüht darum ist, Gelassenheit zu demonstrieren. Doch das gelingt dem 65-Jährigen nicht immer. Ab und zu wird bei manchen Fragen dann doch deutlich, wie sehr Stevens leidet. Über die fehlende Konstanz seiner Mannschaft spricht der Schalker Trainer in Andeutungen, die viel Raum für Spekulationen lassen.

Bilanz fast ausgeglichen

„Das hinzukriegen, ist nicht einfach. Ich kann und darf nicht alles ehrlich sagen. Das kommt vielleicht mal noch, dass ich das sage. Vielleicht intern, vielleicht auch öffentlich. Ich weiß es noch nicht,“ so Stevens. Solche Sätze offenbaren, wie schwer und vielfältig die Schalker Probleme sein müssen.

Insofern dürfte Stevens froh sein, wenn er seine Mission als Schalker Trainer nach 34 Spieltagen mit dem Klassenerhalt beenden kann. Zumindest eine ordentliche Leistung in Dortmund wäre hilfreich, dass Schalker Umfeld nicht noch unruhiger werden zu lassen.

Abwechslung im Training

Derby-Erfahrung hat Stevens genug. Kein Schalker Trainer traf in der Bundesliga bisher öfter auf Borussia Dortmund. Bei 15 Duellen mit dem BVB stand Stevens in der Verantwortung als Schalker Trainer. Seine Bilanz ist fast ausgeglichen (vier Siege, sechs Unentschieden, fünf Niederlagen).

„Das Derby ist immer wichtig und das muss deutlich werden für unsere Fans. Sie spielen um den Titel, wir um etwas anderes. Aber das Derby bleibt wichtig.“ Ein Derby sei „immer etwas Besonderes, unabhängig von der Tabelle,“ so der Schalker Jahrhunderttrainer. „Es gab gute und weniger gute Derbys, aber es bleibt besonders“.

Als Torwart Lehmann trifft

Wie zum Beispiel jenes am 19. Dezember 1997 in Dortmund, wo Stevens in der Nachspielzeit das Schalker 2:2 bejubeln durfte. Das war deshalb etwas ganz Spektakuläres, weil erstmals in der Bundesliga-Geschichte mit Jens Lehmann ein Torwart aus dem Spiel heraus einen Treffer erzielte.

Oder jenes Derby am 23. September 2000 in Dortmund, wo die Königsblauen den BVB regelrecht an die Wand spielten und mit 4:0 gewannen. Doch von so einem klaren Erfolg wird auf Schalke in diesen Tagen nicht einmal mehr geträumt. Zu krass waren in den vergangenen Wochen und Monaten die Unterschiede zwischen Dortmund und Schalke.

Bekommt Kutucu eine Chance?

Viele Fans zweifeln sogar mehr denn je daran, ob sich jeder Schalker Spieler des Stellenwerts dieser Partie bewusst ist. Bei Ahmed Kutucu gibt es in dieser Hinsicht keine Zweifel. Der gebürtige Gelsenkirchener würde zu gern im Derby auflaufen, doch in den letzten Wochen saß er meistens nur auf der Ersatzbank. Stevens führte die Doppelbelastung des Jung-Profis mit Abitur und Profi-Fußball an. Doch mit seinen Toren in der Schalker U 19 und U 23 hat Kutucu bewiesen, dass er das wegstecken kann.

Stevens hat in dieser Woche versucht, die Anspannung durch abwechslungsreiches Training zu vertreiben. Etwas Mut macht Schalke die Tatsache, dass die Mannschaft unter Stevens auswärts immerhin vier Punkte (1:0-Erfolg in Hannover und 1:1 in Nürnberg) geholt hat. Doch solche Leistungen werden nicht reichen, um in Dortmund zu bestehen. Im letzten Derby von Huub Stevens.

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