Ist der Schalker Kader ein Sanierungsfall?

Pro und Kontra

Der FC Schalke 04 kommt nicht in Schwung – fünf Pflichtspiele in Serie ist die Breitenreiter-Elf nun ohne Sieg. Beim Kellerkind Frankfurt zitterte sich Schalke am Sonntag zu einem 0:0. Keine Frage, auf den künftigen Manager Christian Heidel wartet bei Amtsantritt viel Arbeit. Wir diskutieren: Ist der Schalker Kader ein Sanierungsfall?

GELSNKIRCHEN

, 29.02.2016, 16:12 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bilder des Spiels FC Schalke 04 gegen VfB Stuttgart.

Bilder des Spiels FC Schalke 04 gegen VfB Stuttgart.

Ja, Heidel muss sanieren - Angst und bange

Christian Heidel hatte am Sonntag nach dem 3:1-Erfolg von Mainz gegen Leverkusen wohl nicht die Zeit, sich das Spiel seines zukünftigen Arbeitgebers in Frankfurt in voller Länge anzusehen. Und das war gut so, denn ansonsten wäre dem 52-Jährigen noch einmal deutlich vor Augen geführt worden, welche Herkulesaufgabe ihn spätestens im Sommer erwartet.

Denn Anspruch und Wirklichkeit klaffen bei Königsblau mittlerweile so weit auseinander, dass es den meisten Schalke-Fans angst und bange wird. Struktur und Balance innerhalb der Mannschaft stimmen längst nicht mehr. Eine Sanierung ist zwingend notwendig, denn Leistungsträger wie Huntelaar haben ihren Zenit überschritten, Führungspersönlichkeiten wie Höwedes sind sehr verletzungsanfällig, Hochbegabten wie Sané fehlt noch die Konstanz und eine Top-Kraft wie Matip hat ihren Abschied nach dem Ende der Saison verkündet.

Und dann ist da auch noch ein junger und reichlich unerfahrener Trainer, dessen Handschrift bei der Weiterentwicklung seiner Mannschaft allenfalls in Ansätzen zu erkennen ist. Das sind immens viele Baustellen für einen Verein, dessen Anspruchshaltung Jahr für Jahr die Champions-League-Teilnahme ist. Dass der Zusammenhalt zwischen Mannschaft und Fans auch schon wieder brüchig geworden ist, macht die Aufgabe für den Mainzer Macher nicht leichter. Doch mittlerweile geht der Schalker Trend in eine so bedenkliche Richtung, dass man sagen kann: Unter Heidel kann es nur besser werden.

Von Frank Leszinski

Nein, kein Sanierungsfall - Schalker sind Malocher

Der FC Schalke 04 sieht im Frühjahr 2016 doch sehr nach Baustelle aus. Defensiv brüchig, offensiv farblos. Als wären die Handwerker zur Mittagspause raus und hätten Spachtel und Farbeimer im Wohnzimmer stehen lassen. Alles halb angefangen. Doch nicht jede unvollendete Baustelle ist gleich ein Sanierungsfall. Christian Heidel muss im Sommer nicht gleich den Kammerjäger durch die Arena jagen, aber durchlüften sollte er trotzdem mal ordentlich.

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Es gibt da durchaus einiges Altes, was mal raus müsste, was beim Renovieren auch nicht mehr helfen kann: So ist Klaas-Jan Huntelaar seit einiger Zeit nur noch ein stumpfes Teppichmesser. Es fehlt ein Leader im Zentrum. Einer, der Johannes Geis (noch) gar nicht sein kann. Aber Jürgen Klopp hat den BVB auch nicht in einer Saison erbaut. Vor allem das Schalker Mittelfeld, das wichtigste Zahnrad im Angriffsspiel, braucht Zeit. Und die Spieler, im Durchschnitt nicht mal 22 Jahre alt, haben sie verdient. Der Trainer auch.

Vor der Saison hatte Andre Breitenreiter sich zur Aufgabe gemacht, „eine Mannschaft zu formen“. Die Formulierung des Saisonziels war äußerst defensiv: Niemand hat einen Champions-League-Platz gefordert. Im Sommer alles umzuwerfen, würde bedeuten, nicht mehr wie zuletzt auf die Knappenschmiede zu setzen, die so zuverlässig freche Talente und neues Werkzeug für die Schalker Baustelle produziert. Also: Ruhe bewahren. Einen Malocher-Klub sollte man auch einfach mal arbeiten lassen. 

Von Thimo Mallon

 

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