Dass Schalke 04 sportlich so schlecht dasteht, hat auch mit der Arbeit von Kaderplaner Michael Reschke zu tun. Er hat die hohen Erwartungen des Vereins bisher nicht erfüllt.

Gelsenkirchen

, 06.10.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seine Vorstellung als neuer Schalker Kaderplaner geriet etwas skurril. Kaum hatte sich Michael Reschke im Sommer 2019 vorgestellt, so beschied er den Journalisten im Presseraum der Veltins-Arena, dass er sich von nun an nicht mehr öffentlich äußern werde.

Seine Botschaft war klar und unmissverständlich: Nach einem missglückten Intermezzo als Sportvorstand in Stuttgart wolle er lieber wieder in der zweiten Reihe agieren, wie er es jahrelang mit großem Erfolg bei Bayer Leverkusen getan hatte. Dort hatte sich Reschke als einer der größten Talententdecker der Bundesliga einen herausragenden Namen gemacht.

„Komplette Fehldiagnose“

Dieses „Schweigegelübde“ hat der 63-Jährige bis auf eine kleine Ausnahme durchgehalten. Es bestand aus wenigen Sätzen in der „Süddeutschen Zeitung“ vor dem Saisonstart, wo Reschke die Einschätzung besorgter Schalke-Beobachter, die Königsblauen könnten in den Abstiegskampf verwickelt werden, barsch zurückwies. Deren Urteile seien eine „komplette Fehldiagnose. Wir haben ein spannendes Team aus gestandenen Bundesligacracks und hochinteressanten jungen Spielern. Wir können definitiv eine sehr vernünftige Rolle in der Bundesliga spielen.“

Nun ja, die Realität sieht bisher ganz anders aus. Die nicht nur von Reschke seit drei Transferperioden verantwortete Kaderplanung hat mit dazu geführt, dass die Blau-Weißen den schlechtesten Saisonstart ihrer Bundesligageschichte hingelegt haben. Der „Kicker“ listete in seiner Montagsausgabe nicht weniger als sechs Negativrekorde auf, die Abwehr und Angriff gleichermaßen betrafen.

Schwierige Rahmenbedingungen

Dies fällt auch in den Verantwortungsbereich von Reschke, der durch die Corona-Krise zwar mit schwierigeren Rahmenbedingungen bei seiner Arbeit zu kämpfen hat, aber dies gilt ja auch für seine Kollegen in anderen Klubs. Auch mit wenig Geld gute Spieler zu verpflichten, gehört zu den Kernkompetenzen eines Kaderplaners.

Dass Schalke erst am letzten Tag vor der Schließung des Transferfensters mit Kilian Ludewig den einzigen gelernten Rechtsverteidiger für seinen Kader verpflichten konnte, spricht jedoch nicht für eine nachhaltige und perspektivisch angelegte Transferpolitik. Nach den starken Leistungen von Jonjoe Kenny, einem der bisher wenigen Reschke-Transfers, die Schalke halfen, war schon lange absehbar, dass der ausgeliehene Verteidiger wohl nicht zu halten sein dürfte. Hier nicht frühzeitig für Ersatz gesorgt zu haben, muss sich nicht nur Reschke, sondern auch Sportvorstand Jochen Schneider vorhalten lassen.

Riskante Personalpolitik

Schalkes ehemaliger Trainer David Wagner hatte mehrfach angemahnt, dass sein Kader nicht ausbalanciert sei. Dies gilt weiterhin. Denn ob der bundesligaunerfahrene Ludewig das Potenzial hat, sofort auf der rechten Abwehrseite zu helfen, muss man abwarten. Wenn nicht, muss wieder improvisiert werden.

Genauso riskant erscheint die Personalpolitik auf der linken Abwehrseite, wo Bastian Oczipka Spiel für Spiel bestreitet. Das tut der Routinier mit einer tadellosen Arbeitseinstellung, aber er stößt mehr und mehr an seine Grenzen. Und was passiert eigentlich, sollte Oczipka mal ausfallen? Das Vertrauen in die Fähigkeiten von Hamza Mendyl ist überschaubar.

Demgegenüber steht das Überangebot an Mittelfeld- und Angriffsspielern. Dies schürt zwar den Konkurrenzkampf, beinhaltet aber auch die Gefahr der schlechten Stimmung in der Kabine bei den nicht zum Einsatz kommenden Spielern. Somit bleibt als Fazit: Die großen Schalker Hoffnungen, die mit der Verpflichtung von Reschke verbunden waren, haben sich bisher nicht erfüllt.

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