Schalkes Sturm-Idol Klaus Fischer (70) nimmt den FC Schalke 04 vor dem Saison-Start unter die Lupe. Und verrät, warum er für die Königsblauen gar nicht mal so schwarz sieht.

von Klaus Fischer

Gelsenkirchen

, 17.09.2020, 12:32 Uhr / Lesedauer: 2 min

Natürlich haben wir alle noch diese fürchterliche Rückrunde im Kopf, natürlich hätten wir uns zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich alle noch den einen oder anderen Neuzugang erhofft, und natürlich ist das Schalker Auftaktspiel direkt bei den Bayern nicht unbedingt ein Punkte-Garant. Und trotzdem: Ich sehe die kommende Saison betreffend gar nicht mal so schwarz für die Königsblauen.

„Bisschen Spielen reicht nicht“

Das hat auch etwas mit dem letzten Testspiel gegen den VfL Bochum zu tun, das ich mir live im Parkstadion angeschaut habe. Von der ersten Halbzeit war ich recht angetan – die Mannschaft ist die ganze Sache für ein Testspiel positiv aggressiv angegangen, hat relativ schnell klargemacht, wer Herr im Hause ist. Eine Eigenschaft, von der wir in der letzten Rückrunde ja kaum noch etwas gesehen haben. Wer heute im Fußball auf Profi-Niveau nicht gallig, nicht aggressiv ist, wird nichts gewinnen. Nur mal einfach so ein bisschen Fußballspielen – das reicht nicht mehr.

Womit wir auch schon bei Nabil Bentaleb wären. Auch er hat mich gegen Bochum überzeugt, dabei galt er ja zumindest auf Schalke eigentlich schon als abgeschrieben. Schade, wenn man bedenkt, welche Fähigkeiten er hat. Wenn er so weitermacht wie er sich gegen Bochum gezeigt hat, dann bin ich zuversichtlich, dass das mit Schalke und Bentaleb doch noch funktionieren kann. Aber auch nur dann – das gilt übrigens auch für Mark Uth, der ja angeblich wieder zurück zum 1. FC Köln möchte. Selbst wenn das stimmt, würde ich Schalke dazu raten, den Spieler zu halten. Einen wie Uth kann Schalke richtig gut gebrauchen, das hat er gegen Bochum bewiesen. Und ja auch in Köln, wo er während seiner halbjährigen Ausleihe als Torschütze und Vorbereiter erfolgreich war.

„Keine schlechte Mannschaft“

Wie wird die Saison für Schalke also verlaufen? Das ist in jedem Jahr schwer zu sagen, diesmal ist eine Prognose unmöglich. Präsentiert sich die Mannschaft so wie in der letzten Rückrunde, hat Peter Neururer wahrscheinlich recht – dann kämpft Schalke gegen den Abstieg. So weit würde ich aber nicht gehen. Denn bei Licht betrachtet hat Schalke ja gar keine schlechte Mannschaft beisammen. Die meisten Spieler haben ja in den ersten sieben Monaten der letzten Saison gezeigt, dass sie wissen, wie es geht. Hoffen wir mal, dass sie sich daran schnell wieder erinnern können.

Viel diskutiert wird – na klar – über Vedad Ibisevic. Kann ein 36-Jähriger Schalke helfen? Ich glaube schon. Das ist ein ganz ausgebuffter Profi, ein Schlitzohr. Und er scheint es auf Schalke nochmal wissen zu wollen. Am wichtigsten aber: Er weiß, wo das Tor steht. Darauf kommt es für einen Stürmer an, nicht aufs Alter. Ibisevic hat überall, wo er gespielt hat, seine Tore gemacht. Warum nicht auch für ein Jahr auf Schalke? Lässt die Mannschaft ihre Stürmer allerdings durch einen zu passiven Spiel-Stil verhungern, kann vorne auch ein Lewandowski drinstehen – der reißt dann auch nichts.

„Sofort treffen. Dann ist Ruhe“

Ich bin 1984 mit Mitte 34 vom 1. FC Köln zum VfL Bochum gewechselt, habe dort in der ersten Saison alle Bundesliga-Spiele mitgemacht und 16 Tore erzielt. Es wird damals auch kritische Stimmen wegen meines Transfers gegeben haben. Aber ich habe gleich im ersten Spiel getroffen. Dann war Ruhe. Das vielleicht als kleiner Tipp für Ibisevic...

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