Vor allem in Zeiten großer Personal-Not ist für die Mannschaft von Trainer David Wagner kein Bundesliga-Spiel ein Selbstläufer. Auch „Kellerkinder“ proben in dieser Saison den Aufstand.

von Norbert Neubaum

Gelsenkirchen

, 09.02.2020, 17:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ahmed Kutucu hätte der strahlende Held sein können, nun glich Schalkes 1:0-Torschütze eher dem oft zitierten „begossenen Pudel“. Freuen könne er sich nach dem 1:1 gegen Paderborn über sein Tor nicht, so Kutucu. Denn die Erwartung sei doch „eigentlich ein Pflichtsieg“ gewesen.

Wagner warnte aus gutem Grund

In der Tat war die Kalkulation ja ganz einfach: Schalke hatte das Tabellen-Schlusslicht zu Gast, das spannende 3:2-Pokal-Achtelfinale gegen Hertha BSC Berlin im Rücken und den 5:1-Hinspielsieg in Paderborn noch in bester Erinnerung. Was, bitteschön, sollte da noch schiefgehen? Und dass Trainer David Wagner vor dem Spiel gegen den Aufsteiger noch in höchsten Tönen von Paderborn geschwärmt hatte? Geschenkt. Komplimente für den kommenden Gegner gehören heutzutage fast schon zum festen Ritual von Bundesliga-Trainern.

Aber Wagner wusste schon ganz genau, warum er vor den furchtlosen Ostwestfalen gewarnt hatte. Für einen „Underdog“ wie Paderborn ist jedes Erstliga-Spiel ein großes Abenteuer, in das sich die Spieler mit Feuereifer stürzen. Jeder Punktgewinn wird beinahe wie der Klassenerhalt gefeiert, den der Mannschaft von Trainer Steffen Baumgart vor der Saison ohnehin kaum jemand zugetraut hat. Aber der SC Paderborn, der in den vergangenen Jahren eine beeindruckende Entwicklung vom Fast-Absteiger aus Liga 3 zum Bundesligisten genommen hat, lässt sich nicht so einfach abschreiben. Und macht es mit dieser Mentalität jedem Gegner schwer. Auch Schalke.

Gegner schenken nichts ab

Die Königsblauen mussten am Samstag nicht zum ersten Mal in dieser Saison die Erfahrung machen, dass die Erwartung eines „Pflichtsieges“ zu einem großen Irrtum werden kann. 1:1 gegen Köln, 3:3 gegen Düsseldorf, nun 1:1 gegen Paderborn, jeweils zuhause und jeweils nach Schalker Führungen: Die „Kellerkinder“ proben in dieser Saison den Aufstand. Es gibt in der Liga keine Mannschaft, die ein Spiel einfach so abschenkt.

Für Schalke, in der vergangenen Saison selbst lange gegen den Abstieg kämpfend, ist also kein Spiel ein Selbstläufer. Vor allem dann nicht, wenn die Königsblauen genug eigene Probleme haben außer denen mit dem Gegner. Sané, Stambouli, Caligiuri, Kenny, Serdar, Schubert und während des Spiels dann auch noch Kabak - den Köngisblauen fehlte auch gegen Paderborn eine halbe Mannschaft verletzungsbedingt, bestückt mit zum Teil absoluten Leistungsträgern.

Personal-Not als Erklärung

Das ist schon eher eine Erklärung für die dann insgesamt doch etwas dünne Vorstellung gegen Paderborn als der Verweis auf die 120 Pokal-Minuten gegen Berlin. Auf Schalke spielen allesamt Profis, die einer solchen Belastung standhalten sollten. Zumal dieser Rhythmus für die Königsblauen ja auch kein Dauerzustand, sondern aktuell die Ausnahme ist.

Sollen Spiele unter der Woche wieder zum regelmäßigen Programm gehören - sprich: Europapokal-Teilnahme - muss sich die Erkenntnis durchsetzen, dass es für eine Mannschaft wie Schalke in dieser Saison keinen Anspruch auf Pflichtsiege und keine „einfachen“ Spiele in der Bundesliga gibt. Nicht gegen Köln, nicht gegen Düsseldorf, nicht gegen Paderborn. Und schon gar nicht am Sonntag in Mainz.

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