Seit er für den FC Schalke 04 federführend den Marketing-Bereich verantwortet, ist Langeweile für Alexander Jobst ein Fremdwort. Energisch wirbt der 45-Jährige nun darum, mehr Mut zu zeigen.

Gelsenkirchen

, 04.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Großer Ehrgeiz ist eine wesentliche Charaktereigenschaft von Alexander Jobst. Das geht beim Marketing-Vorstand des FC Schalke 04 auch schon mal so weit, dass er Stress mit seiner Frau riskiert.

Seine bessere Hälfte war im vergangenen Jahr jedenfalls alles andere als begeistert, als ihr Mann entschied, die China-Reise des FC Schalke 04 mitzumachen. Denn der 45-Jährige, der ein begeisterter Triathlet ist, war erst 14 Tage zuvor mit seinem Rennrad schwer gestürzt und hatte sich den linken Oberschenkel und die linke Hüfte gebrochen.

Auf Krücken in China unterwegs

Doch Jobst wollte partout ins Reich der Mitte, weil er seine Kontakte mit chinesischen Sponsoren weiter pflegen und ausbauen wollte. Und so humpelte der Schalker Funktionär an Krücken zum Check-in am Frankfurter Flughafen.

Solche Malochermentalität wird auf Schalke geschätzt und honoriert. Schon mehrfach wurde der Vertrag des Hessen vorzeitig verlängert. Sein aktueller Kontrakt läuft bis zum 30. Juni 2024. Damit ist einerseits die große Wertschätzung verbunden, die Jobst bei seinen Vorstandskollegen und dem Aufsichtsrat genießt, andererseits die Sorge, dass Jobst abgeworben werden könnte.

Denn nach Informationen dieser Zeitung gab es in den vergangenen Jahren immer mal wieder Anfragen und Angebote. Jobst ist nicht nur national, sondern auch international glänzend vernetzt. Kein Wunder, denn wer als erster Ausländer im Marketing-Management von Real Madrid gearbeitet hat, der ist begehrt.

Auf Schalke hat Jobst nach Anfangsschwierigkeiten, der von ihm eingefädelte Sponsorenvertrag mit dem Ticketanbieter Viagogo brachte ihm viel Ärger ein, immer besser Fuß gefasst. Auch weil der 45-Jährige lernfähig ist, seine Vorstellungen nicht ohne Rücksicht auf Verluste durchsetzt und die Schalker Fans mit ihren Sorgen und Nöten ernst nimmt.

„Stillstand ist kein Erfolg“

Seit 2011 im Amt, hat Jobst jedes Jahr für seinen Bereich Rekordzahlen präsentiert. Dass dies ihm 2019 das erste Mal nicht gelingen wird, wurmt den Funktionär gewaltig. Deshalb hat er sich auf der Mitgliederversammlung so deutlich wie keiner seiner Vorstandskollegen positioniert.

Und wer wollte, konnte sogar einen Gegensatz zu Schalke-Boss Clemens Tönnies feststellen. Denn während Tönnies davon überzeugt ist, dass Schalke nur ein schlechtes Jahr hatte („Das wird schon wieder“), hörte sich der Status quo bei Jobst ganz anders an. Er warnte und mahnte in eindringlichen Worten. „Schalke 04 wird vielen Menschen immer egaler. Ich spüre, dass sich dieser Virus verbreitet. Wir kommen da heraus mit dem Mut, neue Wege zu gehen. Jetzt haben wir Stillstand, und Stillstand ist kein Erfolg. Stillstand ist Niederlage. Wir drohen den Anschluss zu verlieren. Diese Situation wird für Schalke gefährlich. Hauptursache ist natürlich der sportliche Misserfolg des letzten Jahres,“ sagte Jobst auf der Mitgliederversammlung.

Schlaflose Nächte

Wie sehr die schwache Saison an ihm nagte, hatte Jobst schon im Frühjahr 2019 im Interview mit dieser Zeitung verraten: „Die Lage in der unteren Tabellenregion hat mir schlaflose Nächte bereitet. Das ist die schwierigste Phase, seit ich hier auf Schalke arbeite“.

Der Schalke-Vorstand ist sich bewusst, dass erfolgreiche Marketing- und Sponsorenaktivitäten wesentlich von den Erfolgen auf dem grünen Rasen abhängen. Rund 60 Millionen Euro verlieren die Königsblauen in dieser Saison allein an TV Geldern, weil sie sich nicht für die Champions League qualifizieren konnten.

Nur fünf Prozent der Mitglieder verbinden Schalke mit Innovation

Deshalb forderte Jobst auf der Mitgliederversammlung auch den Mut, neue Ideen um zusetzen. Eine Mitgliederumfrage hat ihn regelrecht alarmiert. 92 Prozent der Schalker Fans verbinden ihren Verein mit Tradition, nur fünf mit Innovation. Doch um Schalke erfolgreich in die Zukunft zu führen, reiche der Blick zurück nicht mehr aus. Davon ist Jobst überzeugt und hat einen neuen Markenauftritt auf den Weg gebracht, der den FC Schalke 04 für die Fans noch greifbarer machen soll.

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