Schalkes Sturm-Idol Klaus Fischer hat das 0:8 in München wie einen Schlag mit dem Vorschlaghammer empfunden: „Am Ende tat‘s nur noch weh“. Warum er noch hofft, dass Wagner die Kurve kriegt.

von Klaus Fischer

Gelsenkirchen

, 26.09.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dieser Saison-Auftakt war aus Schalker Sicht ein echter Hammer. Besser gesagt: Ein Vorschlaghammer. Mit dem bekam es Schalke knüppeldick, voll auf die Zwölf sozusagen. 0:8. Meine Güte. Es war erschreckend, das am Fernseher mit anzusehen. Am Ende tat es nur noch weh.

Ob ich Mitleid mit der Mannschaft gehabt hätte, bin ich hinterher gefragt worden. Da muss ich aber ganz ehrlich sagen: Nein. Mit der Mannschaft nicht, wohl aber mit dem Verein. Ich bin dem FC Schalke 04 seit 50 Jahren verbunden, fühle mich trotz meiner bayerischen Wurzeln als echter Schalker. Und so einen Auftritt hat dieser Verein einfach nicht verdient. Da fühle ich mit den Fans, denen dieser Horror-Start in München wohl wechselweise die Zornes- und Schamesröte ins Gesicht getrieben haben wird.

„Wehren muss man sich“

Die Mannschaft bekommt mein Mitleid nicht. Sie hat sich das ja selbst eingebrockt, was da passiert ist. Sie hat sich, und das ist das Schlimmste, nicht einmal gewehrt, als sie verprügelt wurde. Und wer sich nicht wehrt, hat keine Chance, in keiner Liga der Welt, und gegen eine Mannschaft wie die Bayern schon mal gar nicht. Selbstverständlich sind die Bayern kein Maßstab, sie spielen in einer anderen Liga als Schalke und auch noch einige andere Klubs in der Ersten Liga. Aber wir reden immer noch über Profi-Fußball – und als Profi-Fußballer darf man sich nicht so abschlachten lassen, das muss man ganz deutlich so sagen. Auch intern muss das angesprochen werden.

Und das ist dann schon eine Geschichte, die mich auch perspektivisch für die Zukunft interessiert: Wie geht die Mannschaft mit diesem Fiasko um? Aus meiner Sicht muss da jetzt ein Prozess stattfinden, in dem die Führungsspieler – dazu zähle ich Kapitän und Mannschaftsrat – die gesamte Truppe in die Pflicht nehmen. Tacheles reden. Vor allem mit den Spielern, die glauben, es würde ausreichen, den Ball ein paar Mal von links nach rechts und wieder zurück zu schieben. Das reicht längst nicht mehr aus in der Bundesliga.

„Keinen Charakter gezeigt“

Mein Gefühl: In dieser Mannschaft sind zu viele Spieler, die auf diesem Niveau erforderliche Attribute wie Aggressivität, Galligkeit, Beharrlichkeit, nicht erfüllen. Und von ihrer Persönlichkeitsstruktur her auch nicht erfüllen können. Nach einem Spiel wie in München muss es erlaubt sein, die Charakterfrage zu stellen. Bei den Bayern selbst hat die Mannschaft jedenfalls keinen Charakter gezeigt.

Dass Trainer David Wagner kaum noch Argumente auf seiner Seite hat, wenn auch gegen Bremen nicht gewonnen wird, liegt ja auf der Hand. Mir persönlich stößt dabei sauer auf, dass es dann schon wieder ein Trainer nicht viel länger als eine Saison auf Schalke geschafft hätte. Und die ganzen raschen Wechsel auf dieser so wichtigen Position haben ja so viel auch nicht gebracht, im Gegenteil sogar richtig Geld gekostet, denn da hängt ja auch immer ein ganzer Apparat an Leuten dran.

„Kleiner Funken Hoffnung“

Insofern habe ich doch noch einen kleinen Funken Hoffnung, dass Wag­ner die Kurve mit dieser Mannschaft doch noch kriegt. Aber sie hat jetzt seit 17 Bundesliga-Spielen nicht mehr gewonnen. Das ist kein Zufall. Und gerade auch in München war klar zu erkennen, dass auch die gewählte Taktik nicht unbedingt ein Volltreffer war.

Übrigens – ein Schalker Spieler hat sich in München dann aber doch mein vollstes Mitgefühl verdient: Torhüter Ralf Fährmann.

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