NRW plant 40-Millionen-Landesbürgschaft für den FC Schalke 04

Schalke 04

Schalke 04 geht finanziell am Stock. Nun soll es sogar Hilfe für den Bundesligisten vom Land Nordrhein-Westfalen geben. Eine Landesbürgschaft von 40 Millionen Euro ist im Gespräch.

Gelsenkirchen

, 29.06.2020, 21:22 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schalkes Vorstand und Aufsichtsrat haben sich offenbar erfolgreich um eine Landesbürgschaft bemüht.

Schalkes Vorstand und Aufsichtsrat haben sich offenbar erfolgreich um eine Landesbürgschaft bemüht. © dpa

Das berichtet das Handelsblatt. Was bedeutet das? Eine Landesbürgschaft ist kein Geld, was Schalke 04 vom Land bekommt, um finanziellen Handlungsspielraum zu gewinnen, sondern eine Sicherheit, um neu zu gewährende Kredite von Banken an Unternehmen – in diesem Fall den FC Schalke 04 – zu ermöglichen. Die Königsblauen haben in den vergangenen 20 Jahren öfter Landesbürgschaften in Anspruch genommen, zum Beispiel beim Bau der Veltins-Arena.

Laut Handelsblatt soll die geplante Schalke-Bürgschaft bei einigen NRW-Politikern für Ärger wegen Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies sorgen. Der Fleisch-Unternehmer steht seit Tagen wegen der großen Anzahl von Corona-Infektionen in seinen Betrieben und der Unterbringung und Bezahlung der Werksarbeiter in der Kritik. Erst letzten Samstag gab es eine Demonstration von Schalker Anhängern rund um das Vereinsgelände.

Gehaltsobergrenze geplant

Wie ernst zum Beispiel die finanzielle Situation des Kult-Klubs ist, wird durch die geplante Einführung einer Gehaltsobergrenze deutlich, über die zuerst die Süddeutsche Zeitung berichtete. Schalke mag das offiziell noch nicht bestätigen, aber es entspricht den Tatsachen. Die verbale Zurückhaltung hängt wohl mit einer bevorstehenden Sitzung des Aufsichtsrates zusammen, dessen Meinung auch noch gehört werden soll.

Der Plan sieht vor, dass es ab sofort keinen neuen Vertragsabschluss mehr geben soll, in dem die Grenze von 2,5 Millionen Euro Jahresgehalt überschritten wird. Spieler, die mehr Geld verlangen, sollen künftig nicht mehr verpflichtet werden.

2,5 Millionen Euro pro Jahr sind für Otto Normalverbraucher immer noch eine gigantische Summe, aber für Schalke bedeuten sie eine große Veränderung bei den Personalkosten. Denn es ist noch gar nicht so lange her, da gaben die Königsblauen ganz andere Gehälter für Top-Spieler aus. Man denke nur an Torjäger Klaas-Jan Huntelaar, dem bis zu sieben Millionen Euro pro Jahr überwiesen worden sein sollen. Aktuell gelten Amine Harit und Benjamin Stambouli, dessen Vertrag am Dienstag ausläuft, mit jeweils vier Millionen Euro als die Großverdiener im Kader.

Zu hohe Personalkosten

Generell waren die Schalker Personalkosten in den vergangenen Jahren im Vergleich zu anderen Bundesligisten trotz mäßigen sportlichen Erfolgs enorm hoch. In der Saison 2019/2020 lagen sie bei 123 Millionen Euro, was Platz fünf von allen Bundesligavereinen bedeutete.

Eine Konsequenz der neuen Schalker „Bescheidenheit“ dürfte sein, dass Top-Spieler erst einmal nicht mehr verpflichtet werden können, denn diese sind ganz andere Verdienstmöglichkeiten gewohnt. Positiv gewendet ist es aber auch eine Entscheidung für mehr Bodenhaftung. Gerade den Schalker Anhängern waren die Millionengehälter für Durchschnittsspieler kaum noch vermittelbar.

Sponsoren bleiben treu

Die hohen Schalker Verbindlichkeiten von ca. 200 Millionen Euro werden sich jedoch nicht über Nacht schnell senken lassen. Einerseits ist noch nicht absehbar, wann wegen der Corona-Pandemie wieder mit Zuschauern gespielt werden kann. Hier gehen Schalke pro Geisterspiel in der Veltins-Arena ca. zwei Millionen Euro verloren. Andererseits gibt es wegen der restlos enttäuschenden Bundesligasaison auf Platz zwölf auch einen Einbruch für die Königsblauen bei den TV-Geldern, der rund sechs Millionen Euro beträgt.

Trotz dieser schwierigen Gemengelage gibt es aber auch gute Nachrichten für Schalke. Eine stichprobenhafte Umfrage dieser Zeitung bei wichtigen Sponsoren ergab, dass diese ihr Engagement aufrechterhalten. Wie zum Beispiel die Brauerei Veltins, die seit vielen Jahrzehnten zu den Schalker Top-Sponsoren gehört und Namensgeber der Arena ist. Deren Pressesprecher Ulrich Biene teilte auf Anfrage mit: „Wir stehen an der Seite des FC Schalke 04. In die Belange des Vereins haben wir uns noch nie eingemischt. Im Sportsponsoring gibt es Höhen und Tiefen. Es wird für Schalke auch wieder bessere Zeiten geben.“

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