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Torwart-Ikone Oliver Reck hat in seiner Karriere bei Werder Bremen und Schalke 04 große Erfolge gefeiert. Wem er am Mittwoch im Pokal-Viertelfinale den Sieg zutraut, verrät er im Interview.

Gelsenkirchen

, 02.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Mit Werder Bremen triumphierte er 1992 im Europapokal der Pokalsieger und gewann mit dem norddeutschen Traditionsklub jeweils zwei Deutsche Meisterschaften (1988 und 1993) und den DFB-Pokal (1991 und 1994). Beim FC Schalke 04 feierte Oliver Reck ebenfalls zwei DFB-Pokalerfolge (2001 und 2002). Der 54-Jährige hat bis heute einen engen Kontakt zu beiden Vereinen. Vor dem DFB-Pokal-Viertelfinale zwischen Schalke und Bremen (20.45 Uhr/ARD und Sky) verrät der gebürtige Frankfurter im Interview, wem er am Mittwochabend das Weiterkommen eher zutraut.

Wie beurteilen Sie den bisherigen Schalker Saisonverlauf?

Ich habe einige Heimspiele vor Ort gesehen. Da waren einige darunter, die waren richtig schlecht. Woran das gelegen hat, kann ich als Betrachter von außen nicht genau sagen. Nun hoffe ich, dass Schalke die Kurve bekommt.

Und was sagen Sie zu Werder Bremen?

Sie haben sich gefestigt und spielen einen erfrischenden Fußball. Die Eggestein-Brüder haben frischen Wind in die Mannschaft gebracht. Nuri Sahin, auch wenn er nicht bei jedem Spiel auf dem Platz steht, ist mit seiner Erfahrung ein wichtiger Faktor. Hinzu kommen die Führungsspieler Max Kruse und Danny Klaassen, die Spiele allein entscheiden können.

Trauen Sie Werder die Qualifikation für Europa zu?

Die Chance besteht. Aber bei aller Freude sollte man nicht vergessen, wo Bremen sportlich herkommt. In den vergangenen Jahren ging es meistens nur um den Klassenerhalt. Insofern sollte in Bremen die Enttäuschung nicht so groß sein, falls es mit dem internationalen Wettbewerb nicht klappt. Wichtiger erscheint mir für die weitere Entwicklung, dass die Leistungsträger gehalten werden können und man bei Transfers weiterhin ein gutes Händchen hat.

Vom „Pannen-Olli“ zum Schalker Pokalhelden

Oliver Reck, 1965 in Frankfurt am Main geboren, sammelte seine ersten Bundesligaerfahrungen als Torwart bei Kickers Offenbach, bevor er 1985 zu Werder Bremen wechselte. Im Jahr 1987 löste er Dieter Burdenski als Stammtorwart ab und erlebte bei Bremen unter Trainer Otto Rehhagel eine überaus erfolgreiche Zeit, wurde zweimal Meister, zweimal Pokalsieger und gewann 1992 den Europapokal der Pokalsieger. Trotz seiner Erfolge haftete ihm der Spitzname „Pannen-Olli“ an - zu Beginn seiner Bremer Zeit hatte sich Reck einige spektakuläre Schnitzer geliefert. Als er 1998 zu Schalke wechselte, musste er bei Teilen der Fanszene gegen Vorurteile ankämpfen, konnte die aber durch gute Leistungen schnell widerlegen. Mit Schalke wurde Reck 2001 Vizemeister und gewann zweimal den DFB-Pokal (2001 und 2002).

Gehen die Bremer als Favorit in das Spiel?

Nein, für mich nicht. Ich weiß aus eigener Anschauung, wie Huub Stevens arbeitet. Seine Erfahrung ist in dieser schwierigen Situation für Schalke ganz wichtig. Huub macht seinen Spielern nichts vor und redet in der Kabine immer Klartext. Bei den taktischen Vorgaben weiß dann jeder ganz genau, was von ihm erwartet wird. Ich lasse mich hinterher gern eines Besseren belehren, aber ich glaube an einen knappen Schalker Erfolg.

Als ehemaliger Torhüter schauen Sie bestimmt besonders genau auf die jeweilige Nummer eins in beiden Mannschaften. Wie gefällt Ihnen Bremens Jiri Pavlenka?

Sehr gut. Er macht einen ruhigen und selbstbewussten Eindruck. Werder kann sich auf ihn verlassen. Er hat der Mannschaft durch herausragende Paraden schon einige Punkte gerettet.

Oliver Reck glaubt an knappen Schalker Sieg gegen Werder Bremen

„Das hätte man anders lösen können“: Reck kritisiert die Art und Weise, wie Ralf Fährmann (l.) durch Alexander Nübel ersetzt wurde. © imago

Bei Schalke gab es mitten in der Saison einen Torwartwechsel. Alexander Nübel hat Ralf Fährmann verdrängt. Was halten Sie von Nübel?

Bisher hat er gute Leistungen gebracht. Doch ich bin mit einer abschließenden Beurteilung etwas vorsichtig. Denn noch hat Nübel keine schwierigen Situationen kennengelernt, wenn es für ihn mal nicht so läuft. Erst in solchen Lagen erweist sich, wie stark und stabil ein Torhüter ist.

Haben Sie den Torwartwechsel zu Beginn der Rückrunde verstanden?

Ich fand die Art und Weise, wie das abgelaufen ist, nicht in Ordnung. Schließlich war Ralf Fährmann nicht irgendein Spieler, sondern Kapitän der Schalker Mannschaft und wurde dann plötzlich rasiert. Das hätte man auch anders lösen können.

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Wird Fährmann Schalke am Saisonende verlassen?

Das kann ich nicht beurteilen. Ich weiß jedoch, weil ich ihn ja selbst mitausgebildet habe, wie ehrgeizig Ralle ist. Er lebt für seinen Beruf und ist erst 30 Jahre alt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er in diesem Alter ständig auf der Bank sitzen will.

Sie saßen zuletzt als Trainer auf der Bank von Kickers Offenbach. Nach zweieinhalb Jahren wurde im Frühjahr 2018 die Zusammenarbeit beendet. Wie groß war Ihre Enttäuschung?

Zweieinhalb Jahre als Trainer bei einem Verein zu arbeiten, ist mittlerweile eine sehr lange Zeit geworden. Offenbach hat sich eben anders entschieden. Dass ein Coach wie Otto Rehhagel in Bremen 14 Jahre arbeiten kann, diese Zeiten sind vorbei.

Also ist nichts negativ hängengeblieben?

Überhaupt nicht. Die Offenbacher Kickers waren der Verein, der mir den Weg in den Profifußball geebnet hat. Ich war erst 18 Jahre alt, als ich gegen den 1. FC Köln mein Bundesligadebüt geben durfte. So etwas vergesse ich nicht.

Oliver Reck glaubt an knappen Schalker Sieg gegen Werder Bremen

Erfolgreich auch auf Schalke: Oliver Reck nach dem Pokalfinale 2002. © dpa

Spielen Sie eigentlich noch ein bisschen Fußball?

Ab und zu in der Schalker Traditionself. Olaf Thon lässt da nicht locker. Mit Mike Büskens telefoniere ich regelmäßig. Seit er auf Schalke wieder zum Trainerteam gehört, ist unser Kontakt noch enger geworden.

Sind Sie am Mittwoch in der Veltins-Arena?

Das wird wahrscheinlich nicht klappen. Aber vor dem Fernsehschirm werde ich mir diese Partie bestimmt nicht entgehen lassen.

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