Rudelbildung im Schalker Test gegen Bologna wird zum unfreiwilligen „Teambuildung“

Schalke 04

Im Testspiel gegen FC Bologna ging es hoch her: Nach einem Foul an Jonas Carls kam es zur Rudelbildung. Dem Trainer gefiel das - nicht allerdings die Diagnose für den Gefoulten.

Mittersill

, 30.07.2019 / Lesedauer: 3 min
Rudelbildung im Schalker Test gegen Bologna wird zum unfreiwilligen „Teambuildung“

Jonas Carls am Boden: Der Linksverteidiger wird behandelt, Verursacher Musa Juwara entschudigt sich. © imago

Auf einmal war das Ergebnis nebensächlich. Es waren regelrechte Jagdszenen, die sich da im Kitzbüheler Stadion vor der imposanten Kulisse des Kaisergebirges abspielten – und kaum einen der Schalker Verantwortlichen hielt es auf seinem Sitz, fast alle stürmten auf den Platz.

Was war passiert? Kurz vor Ende des Testspiels der Schalker gegen den italienischen Verein FC Bologna (Schalke verlor mit 2:3) hatte Bolognas Spieler Musa Juwara in Höhe der Mittellinie, ziemlich genau vor der Schalker Trainerbank, die Sense ausgepackt und Nachwuchsspieler Jonas Carls wuchtig umgegrätscht.

McKennie versucht zu schlichten

Sämtliche Schalker, allen voran Suat Serdar, gingen auf den Bologneser los - Athletiktrainer Klaus Luisser musste all seine Kraft einsetzen, um Serdar davon abzuhalten, eine Dummheit zu begehen. Weston McKennie, der ja als Kandidat für das Amt des Vizekapitäns gilt, demonstrierte schon einmal, dass er dieser Aufgabe durchaus gewachsen ist und versuchte zu schlichten.

Über das Foul (für das Juwara übrigens lediglich die gelbe Karte sah) regte sich Trainer David Wagner auch noch nach dem Spiel auf. „Die ganze Geschichte war zu hart, das hat jeder gesehen“, so Wagner. „Das muss ich als Schiedsrichter anders leiten, auch, wenn es ein Testspiel ist.“


Das ergab die Untersuchung für Jonas Carls

Zumal es ein Foul mit Folgen war: Ersten Untersuchungen zufolge zog sich Carls dabei einen Bänderriss zu und fällt vorerst aus. „Das ist extrem ärgerlich und geht mir auf den Keks – zumal wir ja auch nicht so viele Linksverteidiger haben“, beklagte Wagner.

Etwas Positives wollte er der ganzen Aktion aber dann doch noch abgewinnen. „Wie die Jungs sich gewehrt haben und dagegen gehalten haben, war klasse“, sagte der Trainer. Es gebe kaum ein besseres Teambuilding, als in solchen Spielen zusammenzustehen und zu sagen „mit uns nicht!“ „Das hat jeden Schalker glücklich gemacht. Egal, was über die Jungs in der letzten Saison gequatscht wurde, was Mentalität und Bereitschaftswillen betrifft: Die stehen zusammen, und das wurde heute deutlich.“

Auch sonst hatte Wagner im Test gegen den italienischen Erstligisten weitere Fortschritte gesehen – auch, wenn er über das Ergebnis nicht allzu glücklich war. „Es war ein guter Test für uns, wir haben einen weiteren Schritt gemacht“, analysierte er. „Die Tore sind etwas unglücklich gefallen, vor allem in der ersten Halbzeit“ - ansonsten hatte Wagner „ordentliche Offensivaktionen“ gesehen, und abgesehen von den Gegentoren auch ein gutes Defensivverhalten seiner Jungs.

Wagner: „Ich bin nicht bei „Wünsch-Dir-was“

Zumal konnte er sich über das Comeback einiger wichtiger Spieler freuen. Die zuletzt verletzten Daniel Caligiuri und Alessandro Schöpf teilten sich die erste Halbzeit (jeder spielte etwa 23 Minuten), in der zweiten Halbzeit wurde McKennie eingewechselt, der ja erst in Mittersill ins Training eingestiegen war.

Rudelbildung im Schalker Test gegen Bologna wird zum unfreiwilligen „Teambuildung“

Kurzes Debüt: Trainer David Wagner mit Daniel Caligiuri, der, wie vorher abgesprochen, eine halbe Halbzeit spielte. © imago

Und vielleicht kommt ja auch noch ein ganz neuer Spieler. Zwar hatte Sportvorstand Jochen Schneider angedeutet, dass man auch mit dem aktuellen Kader in die neue Saison gehen könne - „wenn ich das richtig gelesen habe, hat er auch gesagt, dass es möglich ist, dass noch etwas passiert“, sagte Wagner.

Mit Wünschen wolle er sich da zurückhalten. „Ich bin nicht bei Wünsch-Dir-was“, schüttelte er den Kopf. „Dann müsste ich Trainer bei ManCity oder Paris Saint-Germain sein.“

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