Schalke 04: Fußball tritt in den Hintergrund

Schalke 04

Vor dem Schalker Saisonfinale in Freiburg geht es weniger um Fußball, als um die zeitgleiche Demonstration der Fans gegen Vorstand und Aufsichtsrat. Die Kritik an Clemens Tönnies wächst.

Gelsenkirchen

, 26.06.2020, 17:28 Uhr / Lesedauer: 2 min
Letztes Spiel für Schalke 04: Michael Gregoritsch kehrt zum FC Augsburg zurück.

Letztes Spiel für Schalke 04: Michael Gregoritsch kehrt zum FC Augsburg zurück. © dpa

Es ist ein bisschen paradox, doch kennzeichnet es den Ernst der Lage: Fußball spielt beim FC Schalke 04 vor dem letzten Saisonspiel beim SC Freiburg am Samstag (15.30 Uhr, Sky) nur eine Nebenrolle. Viel mehr interessieren sich die Schalker Anhänger, welche Wirkung die zum gleichen Zeitpunkt geplante Fan-Demonstration gegen die Vorstandspolitik im allgemeinen und Aufsichtsratschef Clemens Tönnies im besonderen haben wird.

Der Rassismus-Skandal rund um Tönnies, der „Härtefallantrag“ für die Erstattung der Ticket-Preise, die Diskussion um die Ausgliederung der Profi-Abteilung, die Kündigungen von Fahrern der Knappenschmiede und das völlig überraschende Aus von Finanzvorstand Peter Peters haben viele Anhänger alarmiert und bestürzt.

Auch Trainer David Wagner ist bewusst, dass die Terminierung der Demo ganz bewusst gewählt wurde. „Das ist natürlich auch ein Zeichen“, sagte der 48-Jährige, der mit Tönnies zuletzt nur SMS-Kontakt hatte.

Wagner plädiert für Dialog

Längst wird darüber diskutiert, unter welchen Bedingungen der Unternehmer abberufen werden könnte. Dies scheint jedoch zum aktuellen Zeitpunkt wenig realistisch, einerseits wäre satzungsmäßig eine Zweidrittel-Mehrheit des Aufsichtsrates nötig, um Tönnies zu stürzen; andererseits gilt die Mehrheit der Gremiumsmitglieder bis jetzt eher als Sympathisanten denn als Kritiker des Unternehmers. Enge Weggefährten von Tönnies können sich zudem nicht vorstellen, dass der 64-Jährige von sich aus zurücktritt.

Trainer David Wagner plädierte dafür, schnellstmöglich mit den Anhängern in den Dialog zu treten. Wagner weiß genau, welchen Stellenwert die Fans auf Schalke haben. Der aktuelle Zustand von Resignation und Gleichgültigkeit an der Basis ist für die Königsblauen höchst gefährlich.

Streich hat Mitleid

Sogar der kommende Gegner hat schon Mitleid mit den Blau-Weißen. Freiburgs Trainer Christian Streich hat die schwere Schalker Krise als „extreme Situation“ bezeichnet. „Das wünscht man niemandem, wie es jetzt in Schalke ist – schon gar keinem Trainer, Verantwortlichen oder Spieler dort. Da geht man echt durch ganz finstere Zeiten und das ist kompliziert“, sagte der 55-Jährige.

Kompliziert wird auch die Schalker Kaderplanung für die nächste Saison. Fünf Abgänge sind bereits fix: Der in Freiburg gesperrte Jonjoe Kenny kehrt zum FC Everton zurück. Außerdem werden die Leihspieler Michael Gregoritsch (FC Augsburg) und Jean-Clair Todibo (FC Barcelona) zu ihren Vereinen zurückkehren. Torwart Alexander Nübel wechselt zum FC Bayern München, Daniel Caligiuri zum FC Augsburg.

Saisonende wird herbeigesehnt

Dass für dieses Quintett keine würdige Verabschiedung stattfindet, passt ins triste Bild, dass die Königsblauen seit Monaten abgeben. Die meisten Spieler dürften das Saisonende regelrecht herbeisehnen. Montag und Dienstag finden noch Tests statt, ehe der Urlaub beginnt.

Wagner ist der festen Überzeugung, „dass wir das Ganze in der nächsten Saison drehen können“. Welche Konsequenzen die sportliche Leitung aus der miserablen Saison zieht, wird am Montag präsentiert. Es sollten überzeugende Antworten sein.

Schlagworte: