Innerhalb von fast genau vier Monaten ist Schalke 04 von einem Champions-League-Kandidaten zu einer Mittelmaß-Elf mutiert. Die Gründe und was Sportvorstand Jochen Schneider jetzt erwartet.

Gelsenkirchen

, 18.05.2020, 18:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als die Königsblauen am 17. Januar 2020 mit einer begeisternden Leistung Borussia Mönchengladbach mit 2:0 bezwangen, hing der Himmel voller Geigen. Punktgleich mit Borussia Dortmund belegten die Königsblauen Platz fünf mit 33 Zählern.

Am 16. Mai beträgt der Abstand zwischen beiden Mannschaften sage und schreibe 17 Punkte. Der BVB kann noch vom Gewinn der Meisterschaft träumen, während Schalke auf Rang acht zurückgefallen ist. Sportvorstand Jochen Schneider beurteilt im Gespräch mit dieser Zeitung die Schalker Situation so: „Die Leistung im Derby war extrem enttäuschend. Jetzt zählt es einzig und allein, dass die Mannschaft im Heimspiel gegen den FC Augsburg eine Reaktion zeigt“.


Kommt bald eine Trainerdiskussion?



Befürchtet Schneider bald eine Trainerdiskussion? Seine Antwort: „Die wird es mit mir nicht geben, denn ich bin von der Arbeit von David Wagner vollkommen überzeugt“.

Doch warum kommt Schalke in der Rückrunde bisher nicht mehr in Tritt? Die 04 wichtigsten Ursachen für diese Entwicklung sind:


Die Torarmut: Schalke sind in 26 Spielen erst 33 Tore gelungen. Nur vier Mannschaften haben noch weniger Treffer erzielt. Vor allem in der Rückrunde ist die offensive Harmlosigkeit geradezu dramatisch. Seit Januar haben die Königsblauen ganze vier Treffer zustande gebracht. Gar zehnmal blieb Schalke ohne eigenen Torerfolg, so oft wie kein anderes Team.

Dass mit Suat Serdar ein Mittelfeldspieler mit sieben Treffern bisher Schalkes erfolgreichster Torschütze ist, sagt viel über die Qualität der Angreifer aus, von denen Guido Burgstaller seit dem 11. Mai 2019 auf ein Bundesligator wartet.

Das Torhüter-Problem: Weder Alexander Nübel noch Markus Schubert strahlten die Ruhe und Stabilität aus, die eine Bundesliga-Spitzenmannschaft auf der Position des Torhüters braucht. Trainer David Wagner hatte sich zuletzt eindeutig für Schubert ausgesprochen, doch nach dessen schwacher Leistung in Dortmund könnte der 48-Jährige ins Grübeln geraten. Denn Nübel braucht keine Missfallenskundgebungen der eigenen Fans zu fürchten, sollte er ins Tor zurückkehren, weil wegen der Corona-Krise bis zum Saisonende nur Geisterspiele durchgeführt werden. Andererseits stellt sich die Frage, ob eine mehrmalige Wechselei zwischen den Schalker Pfosten der Stabilität der gesamten Abwehr guttun würde.


Die Verletztenliste: Ab Oktober 2019 begann die Verletzungsmisere, die Trainer Wagner das Arbeiten gewiss nicht einfacher machte. Zahlreiche Leistungsträger fielen bzw. fallen immer noch aus, sodass sich der Schalker Coach auch berechtigterweise zu einer veränderten, mehr defensiv orientierten Spielweise gezwungen sah.

Das veränderte Spielkonzept war jedoch auch ein Beleg dafür, dass der Kader in der Breite nicht jeden Ausfall kompensieren kann. Nun hat sich die Personallage zwar entspannt, aber lange verletzte Spieler können noch nicht ihr altes Leistungsniveau haben.


Fehlende Professionalität: Dass Schalkes Spieler in dieser Saison verstärkt verhaltensauffällig neben dem Platz geworden sind, lässt sich nicht behaupten. Dennoch stellt sich die Frage nach der Professionalität. Zum Beispiel bei Amine Harit, der erst in einer Videobotschaft die Fans dazu aufgerufen hatte, sich an die Corona-Vorgaben zu halten, ehe er wenig später in einer Essener Shisha-Bar an einer Party teilnahm.

Auch das Verhalten von Weston McKennie ist zu hinterfragen. Der US-Boy verriet kürzlich in einem Interview bei DAZN, wie sein Tagesablauf in Corona-Zeiten oft aussah. McKennie: „Ich trainiere ungefähr um 0 Uhr oder manchmal auch um 1 Uhr morgens. Erst um 5 Uhr gehe ich ins Bett“. Nur zur Erinnerung: Weston McKennie gilt als Profi-Sportler.

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