Schalke-Trainer Wagner und das Laktat in den Augen seiner Spieler

Schalke 04

Seit über acht Jahren hatte der FC Schalke 04 nicht mehr gegen einen aktuellen Spitzenreiter der Bundesliga gewonnen. Dann kam Leipzig...

Gelsenkirchen

, 29.09.2019, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schalke-Trainer Wagner und das Laktat in den Augen seiner Spieler

So jubelten Harit und Co. nach dem Sieg in Leipzig. © dpa

Und eine Leistung, wie man sie beim 3:1 (2:0)-Erfolg schon lange nicht mehr von den Königsblauen gesehen hatte. War das wirklich dieselbe Mannschaft, die an gleicher Stätte vor rund zehn Monaten ein 0:0 „ermauert“ hatte? Man mochte es kaum glauben. Denn es standen neun Spieler in der Startelf, die der viel kritisierte frühere Manager Christian Heidel verpflichtet hatte.



Wer den guten Saisonstart und die zuletzt drei Siege in Folge eher auf das vermeintlich schwächere Leistungsniveau der Gegner zurückgeführt hatte, wurde in Leipzig eines Besseren belehrt. Schalke 04 bestand die Reifeprüfung auf so eindrucksvolle Art und Weise, dass selbst der zurückhaltende Sportvorstand Jochen Schneider erfreut feststellte: „Die Mannschaft hat alles rausgehauen, was im Tank ist. Das war eine Leistung, auf die man stolz sein kann“.


124,5 Kilometer gelaufen

124,5 Kilometer liefen Omar Mascarell und Co. in diesen 90 Minuten, das ist der zweithöchste S04-Wert seit der Datenerfassung. Nur im Dezember 2016 beim 1:1 gegen den SC Freiburg waren es mit 124,7 mehr Kilometer. Dieser Saisonrekord deutete sich schon während der Partie an. Omar Mascarell sank zu Boden, ein Krampf machte ihm zu schaffen. Suat Serdar und Salif Sané erging es ähnlich. „In den letzten fünf Minuten hatten meine Spieler Laktat in den Augen. Sie sind Laktat-Junkies“, freute sich Trainer David Wagner.



Zur Erklärung: Verausgabt sich ein Sportler, kann er Krämpfe bekommen, weil der über die Atmung aufgenommene Sauerstoff nicht ganz ausreicht, um den im Muskel benötigten Energiebedarf zu decken. Dann entsteht das saure Stoffwechselprodukt Laktat. „Wir verteidigen wie die Tiere“, griff Omar Mascarell zu einem Vergleich, der Schalkes Engagement auf dem Platz auf den Punkt brachte.


Schalke spielt wieder Fußball


Diese Qualen nahmen Schalkes Spieler jedoch gern in Kauf, denn nach dem vierten Bundesligasieg in Folge hat sich der letztjährige Tabellenvierzehnte erst einmal in der Bundesliga-Spitzengruppe festgesetzt. Damit war nicht unbedingt zu rechnen, weil die Königsblauen nicht nur auf einen neuen Trainer setzten, sondern auch rund um die Mannschaft viele Veränderungen vornahmen.



Die Erfolge allein auf eine starke Mentalität und hohe Einsatzbereitschaft zurückzuführen, wäre jedoch auch zu kurz gegriffen. Schalke spielt endlich wieder Fußball. Das 1:0 nach einer Ecke von Bastian Oczipka und Kopfballverlängerung von Omar Mascarell durch Salif Sané war sogar unübersehbar einstudiert.

„Das erste Tor war genauso gewollt und hat super geklappt“, bestätigte Wagner, dessen veränderte Taktik mit einer Raute die Leipziger vor große Probleme stellte. Der zweifache Torschütze Amine Harit auf der Zehn sowie Bundesliga-Debütant Rabbi Matondo, dem das vorentscheidende 3:0 gelang, waren die Eckpfeiler, die dieses Konzept umsetzten.


Wieder eine Spitzenmannschaft?


Uneinigkeit bestand hinterher nur in der Bewertung, ob Schalke nun eine Spitzenmannschaft sei. Während Harit Schalke als „Topteam“ bezeichnete, plädierte Schneider wie erwartet dafür, mit beiden Füßen auf dem Boden zu bleiben: „Wir sind auf dem richtigen Weg. Aber es sind erst sechs Spieltage vorbei. Wir können das richtig einordnen“.



Zumal Schalke in der Anfangsphase auch das nötige Spielglück hatte. Zwei „Monsterparaden“ (O-Ton-Schneider) von Torwart Alexander Nübel bewahrten die Königsblauen vor einem Rückstand. Wohl auch deshalb sagte Wagner mit einem Schmunzeln: „Alle, die nach sechs Spieltagen und einem Auswärtssieg in Leipzig in Euphorie verfallen, sage ich: Bitte gebt denen Tabletten!“

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