Keine Frage: Schalkes Ruf hat zuletzt arg gelitten. Auch die Gründung einer Frauenfußball-Abteilung soll für positive Schlagzeilen sorgen. Die Charme-Offensive betrifft aber auch die Profis.

von Norbert Neubaum

Gelsenkirchen

, 08.07.2020, 17:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als nach dem Rücktritt von Clemens Tönnies in der bundesweiten Wahrnehmung fast der Eindruck entstand, der FC Schalke 04 sei nun nicht mehr handlungsfähig, kam schon einen Tag später der Gegenbeweis in Form einer offiziellen Vereinsmitteilung: Schalke, so hieß es, stehe kurz vor der Gründung einer Frauenfußball-Abteilung.

„Resonanz ist überwältigend“

Ein direkter Zusammenhang zwischen dem geworfenen Handtuch des genauso mächtigen wie umstrittenen Aufsichtsrats-Chefs und der Geburtsstunde der blau-weißen Fußballerinnen lässt sich zwar nicht herstellen, aber nach längerer Zeit sorgte Schalke dadurch zumindest mal wieder für positive Schlagzeilen. Die waren indirekt auch durchaus geplant: Denn auch durch den Frauenfußball will Schalke sein Image wieder aufpolieren. Das hat in den letzten Monaten bekanntlich gelitten.

„Die Resonanz war und ist überwältigend“, freut sich Bodo Menze, der als Abteilungsleiter Frauenfußball fungieren wird. Menze ist seit 30 Jahren auf Schalke tätig, gilt als „Vater“ der Knappenschmiede und war jahrelang im Dienst für die internationalen Schalker Beziehungen. Der „Außenminister“ kennt aber auch das Innenleben des Klubs wie kaum ein anderer und weiß, wie die Vereinsfamilie derzeit unter dem arg ramponierten Ruf leidet.

„Gesellschaftlich relevant“

Menze hatte dem Schalker Vorstand schon vor einiger Zeit den Vorschlag unterbreitet, dass Schalke sich auch im Frauenfußball engagieren solle: „Weil es aus meiner Sicht gesellschaftlich absolut relevant ist. Und natürlich auch, um noch mehr Menschen an unseren Verein zu binden.“ Als er seine Initiative startete, konnte Bodo Menze noch nicht ahnen, dass der Traditionsverein Monate später dringend Mittel zur Imagepflege brauchen würde. Menze: „Ganz klar: Wir hoffen auch, dass die Gründung der Frauenfußball-Abteilung unserem angekratzten Ruf gut tut.“

„Gesellschaftlich absolut relevant“: Bodo Menze wird Abteilungsleiter Frauenfußball beim FC Schalke 04.

„Gesellschaftlich absolut relevant“: Bodo Menze wird Abteilungsleiter Frauenfußball beim FC Schalke 04. © dpa

Der Frauenfußball soll auf Schalke nicht streng leistungsorientiert sein, sondern ist Bestandteil der Abteilungen Breitensport und Soziales – schließlich wäre es nicht logisch, bei den vereinseigenen Basketballern die Pro-A-Lizenz einzusparen und gleichzeitig eine neue große Kostenstelle zu installieren. Bodo Menze: „Wir wollen keine Knappenschmiede der femininen Art werden. Es wird eine Frauenmannschaft und ein U17-Team geben, beide sollen auf Kreisebene aktiv sein. Mein Wunsch wäre es, dass diese Mannschaften dann in der Glückauf-Kampfbahn spielen. Zurück zu den Wurzeln.“

Auch Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider heißt die Fußballerinnen auf Schalke willkommen: „Mit der Gründung einer Frauen- und Mädchenfußballabteilung wollen wir unser Angebot im Bereich des Breitensports erweitern. Wir freuen uns sehr, dass nunmehr endlich auch Frauen und Mädchen aktiv Fußball beim und für den FC Schalke 04 spielen können. Unser Fokus wird dabei klar auf dem Amateursport liegen – hier wollen wir mittel- und langfristig einen neuen, ideellen Nachwuchsbereich entwickeln, der für Hobby-Fußballerinnen jeden Alters eine sportliche Heimat auf Schalke bietet.“ In den nächsten Jahren sollen zu den dann bestehenden Teams regelmäßig weitere Jugendmannschaften dazu kommen.





Hochzeitsgesellschaft geht vor

Mit den Frauen startet Schalke seine Charme-Offensive, die auch vor den Profis nicht halt macht: Auf ihr Stamm-Trainingslager im österreichischen Mittersill werden die Königsblauen in diesem Jahr verzichten, weil das Hotel von einer Hochzeitsgesellschaft gebucht wurde. Schalke pfiff auf eventuelle vertragliche Vereinbarungen – und sagte ab. Man will dem jungen Glück schließlich nicht im Wege stehen.

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