Für Torhüter Alexander Schwolow zahlt Schalke angeblich acht Millionen Euro Ablöse. Das sorgt für Diskussionen. Denn der Verein steht unter Beobachtung. Und muss nun die Balance halten.

von Norbert Neubaum

Gelsenkirchen

, 20.07.2020, 07:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Reflexe funktionieren. Und so konnte es niemanden überraschen, dass Volkes Stimme sich prompt die Frage stellte: „Acht Millionen Euro? Wo haben die denn jetzt schon wieder die ganze Kohle her? Ich denke, die sind pleite...“

Aufgeschnappt von einem treuen Schalker Fan, der sich über die gehandelten acht Millionen Euro Ablöse für den mutmaßlich neuen Torhüter Alexander Schwolow wunderte. Was mit Schwolow selbst und dessen unbestritten großer Qualität überhaupt gar nichts zu tun hatte. Und auch die Summe mag für Bundesliga-Verhältnisse noch bescheiden sein, für Otto Normalverbraucher ist das aber natürlich eine hübsche Stange Geld. Zumal Schalke mit Ralf Fährmann und Markus Schubert ja über mindestens zwei Torhüter verfügt, denen Bundesliga-Niveau zugetraut werden sollte. Also: Muss das sein, so viel Geld für einen Keeper auszugeben, wo der Verein doch andere Torhüter, aber angeblich kaum finanzielle Mittel zur Verfügung hat?

Wettbewerbsfähig bleiben

Zumal die Schalker Chefetage mit salbungsvollen Worten und jeder Menge Demut ja ganz bescheiden angekündigt hat, dass gespart werden müssen und große Transfers nicht mehr drin seien. Aber sparen und investieren sind nicht unbedingt immer ein Widerspruch, das gilt auch auf Schalke. Denn das geschnürte Schalker Sparpaket darf nicht dazu führen, dass der Verein seine Wettbewerbsfähigkeit verliert. Und die ist nur dann gewährleistet, wenn die Profi-Mannschaft auf das bestmögliche Niveau gebracht wird. Alles andere wäre kontraproduktiv. Denn wenn Schalke sportlich abschmiert, nutzt auch das größte Sparpaket nichts.

Offenbar hält die sportliche Schalker Leitung die Torhüter-Position für eine so große und wichtige Baustelle, dass sie eine Investition in dieser für Schalke derzeit ambitionierten Größenordnung rechtfertigt - diese Entscheidung gilt es zu respektieren, auch wenn man wegen der Frage nach Fährmann und auch Schubert natürlich anderer Meinung sein kann. Für Schalke kommt es jetzt darauf an, die Balance zu halten - denn wenn jetzt noch zwei, drei Transfers dieser Größenordnung folgen ohne eine entsprechende Gegenfinanzierung auf der Einnahmenseite, wird es erneut skeptische Stimmen über das Schalker Finanzgebaren geben.

Ganz sensibles Thema

Eines dürfen Sportvorstand Jochen Schneider und die anderen Entscheider nicht unterschätzen: Spätestens seit der Beantragung der 31-Millionen-Euro-Landesbürgschaft steht der FC Schalke 04 unter öffentlicher Beobachtung, was das Einnahmen-Ausgaben-Verhältnis betrifft. Da kann Marketing-Vorstand Alexander Jobst so oft betonen, dass von dem die Bürgschaft betreffenden Kredit keine Spielertransfers getätigt werden dürfen - das Misstrauen wird bleiben. Um noch einmal Volkes Stimme zu zitieren hier der Original-Ton eines Anrufers am Freitag in der Redaktion: „Jetzt holen die von meinen Steuern einen Torwart für acht Millionen...?

Das ist natürlich ein wenig zu kurz gedacht, zeugt aber von der Sensibilität dieses Themas. Gehen wir doch einfach mal vertrauensvoll davon aus, dass das Land NRW - wie ja bei anderen Corona-Hilfen auch - aufmerksam darüber wacht, dass Schalke sich für Transfers anderer Töpfe als den des Kredites bedient, für den das Land bürgt. Und gestehen wir auch finanziell klammen Schalkern zu, dass sie sich ja irgendwie für die neue Saison wappnen müssen. Dann lässt sich auch über die Ablösesumme für Alexander Schwolow vielleicht etwas objektiver urteilen.

Ein Kauf auf Pump

Soweit, die offensichtlich vereinbarte Ratenzahlung nun als großen Verhandlungserfolg zu feiern, sollte man allerdings nicht gehen. Das zu loben, gleichzeitig aber die hohen Schalker Verbindlichkeiten zu kritisieren, ist in der Tat ein Widerspruch. Denn - nur ein Beispiel - sollte Schalke für Schwolow zwei Millionen Euro anzahlen, erhöhen sich die Verbindlichkeiten bei einer Gesamt-Ablöse von acht Millionen Euro um weitere sechs Millionen Euro. Das ist kein mathematisches Hexenwerk, sondern das, was Schalke ja auch erst in diese knifflige finanzielle Lage brachte: Ein Kauf auf Pump.

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