Er spielt und spielt und spielt. Vedad Ibisevic absolviert auf Schalke seine 15. Bundesligasaison. Und sprüht auch mit 36 Jahren noch vor Ehrgeiz.

Gelsenkirchen

, 17.11.2020, 17:35 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Bosnier hat auf Schalke ein stark leistungsbezogenes Arbeitspapier erhalten, sein Grundgehalt will er spenden. Im Schalke-Kader ist der Stürmer der mit Abstand älteste Feldspieler – viereinhalb Jahre älter als Bastian Oczipka – mit der größten Bundesliga-Erfahrung (347 Spiele).

Im Interview spricht der Torjäger über seine Familie, seinen Ehrgeiz und verrät, dass ihn Schalke schon vor einigen Jahren verpflichten wollte.

War der Familienfriede gefährdet, als Sie die Entscheidung trafen, Ihre Karriere zu verlängern?

Ibisevic (lacht). Nein, nein. Meine Frau und meine Kinder wissen doch seit vielen Jahren, wie gerne ich Fußball spiele. Ich bin zwar der Kapitän der Familie, aber wir haben diese Entscheidung gemeinsam getroffen. Meine Frau hat mich während meiner gesamten Karriere immer hervorragend unterstützt.

Ihr Sohn Ismail ist neun Jahre alt. Hat er Ihr Talent geerbt?

Talent hat er auf jeden Fall. Und er ist nicht auf eine Position im Angriff - wie sein Vater - festgelegt, sondern treibt sich überall auf dem Platz herum.

Wie haben Sie sich auf Schalke eingelebt?

Ich bin zufrieden und glücklich, was sich natürlich auf die Mannschaft und die Rahmenbedingungen angeht. Was die sportliche Situation betrifft, können wir natürlich nicht zufrieden sein. Doch ich bin motiviert, diese Aufgabe hier mit aller Kraft und Leidenschaft anzupacken. Ich liebe Herausforderungen.

Hat bei Ihrer Entscheidung pro Schalke auch eine Rolle gespielt, dass Sie noch auf Platz drei der besten ausländischen Torjäger in der Bundesliga vorstoßen können? Nur sieben Tore fehlen Ihnen noch.

Ich habe das auch gelesen, aber glauben Sie mir, das war nicht entscheidend. Mich hat Schalke 04 als Club gereizt. Sollte das mit den Toren klappen, würde ich mich freuen, aber das ist nicht so wichtig.

Haben Sie ihre Fitnessrückstände aufgeholt?

Ich gehe davon aus. Das werden wir endgültig beurteilen können, wenn ich noch einige Spiele absolviert habe. Aber ich habe alles getan, um Schalke sportlich helfen zu können.

Hatten Sie im Sommer auch andere Angebote als die Schalker Offerte?

Ja. Es gab einige Anfragen aus dem Ausland. Aber das kam aus familiären Gründen für mich nicht in Frage. Ich wollte meine Kinder nicht aus ihrem gewohnten Umfeld in Berlin reißen.

Gab es während ihrer Karriere schon mal ein Angebot aus Schalke?

In der Tat, als Felix Magath hier Trainer war (in den Jahren 2009-2011, die Red.) gab es Kontakt. Damals spielte ich für 1899 Hoffenheim. Doch beide Vereine konnten sich nicht auf einen Transfer einigen.

Jetzt haben Sie sogar auf viel Geld verzichtet, um auf Schalke spielen zu können. Das kommt in der heutigen Profi-Welt nicht sehr oft mehr vor. Sind Sie ein Fußball-Romantiker?

Wenn Sie darunter verstehen, dass ich mit Herz und Leidenschaft Fußball spiele, dann würde ich zustimmen. Es macht mir eben noch immer viel Spaß zu spielen. Und zu gewinnen.

Das hat Schalke in der Bundesliga schon lange nicht mehr geschafft. Haben Sie eine gewisse Verunsicherung innerhalb der Mannschaft sofort gespürt?

Ja, dafür bin schon zu lange dabei, um dies nicht zu merken. Nach meiner Erfahrung ist es ganz wichtig, Ruhe auszustrahlen und die Probleme mit dem nötigen Engagement anzugehen. Und das tun wir.

Wie ernst ist die Lage?

Abstiegskampf habe ich in meiner Laufbahn zwar auch schon mitgemacht, aber hier ist es eine andere Situation, weil Schalke seit Beginn der neuen Saison unten drinsteht. Was mir Hoffnung macht, ist die Tatsache, dass wir in den letzten Spielen Schritte nach vorn gemacht haben. Diese müssen sich nun auch so schnell wie möglich in Ergebnissen ausdrücken.

Die nächsten Gegner heißen jedoch Wolfsburg, Mönchengladbach und Leverkusen.

Ich weiß, das sind alle drei starke Mannschaften. Aber warum sollen wir nicht die eine oder andere Überraschung schaffen? Die Mannschaft hat das Potenzial. Und Überraschungen sind in der Bundesliga ja keine Seltenheit. Das sollte uns ebenso Mut machen wie das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Haben Sie keinen Bammel davor, dass am Ende Ihrer Karriere ein Abstieg stehen könnte?

Das wäre in der Tat nicht schön, aber so denke ich nicht. Außerdem ist ja noch gar nicht klar, ob diese Saison meine letzte ist und schon gar nicht, auf welchem Tabellenplatz wir sie beenden werden.

Seit 2006 spielen Sie im deutschen Profifußball. Was hat sich am meisten verändert?

Das Spiel ist noch schneller und härter geworden. Details spielen eine immer größere Rolle. Auch in der Sommer- oder Winterpause kommt man als Profi nicht darum herum, auf seine Fitness und Ernährung zu achten. Ohne Sonderschichten ist es mittlerweile kaum möglich, im Fußball große Erfolge zu feiern.

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