Wohin führt der Weg des FC Schalke 04? Nach einer sehr enttäuschenden Saison kann es eigentlich nur besser werden.

Gelsenkirchen

, 15.09.2020, 18:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Doch das sagt sich so leicht nach 16 Bundesliga-Partien in Folge ohne Sieg, die den Kultklub sogar kurzfristig in gefährliche Nähe zu den Abstiegsregionen brachte. Am Ende stand ein zwölfter Tabellenplatz und die Erkenntnis, dass nach einer starken Hinrunde im Jahr 2020 sehr viel schief gelaufen ist.

Wie lange die Reparaturarbeiten dauern werden, hängt wesentlich von den Leistungen der Spieler ab. Bei den meisten klafften Anspruch und Realität so weit auseinander, dass viele Entscheidungsträger im Verein insgeheim froh waren, dass ab März wegen der Corona-Pandemie die Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfanden.

Denn solche Leistungen, wie sie die Königsblauen größtenteils in der zweiten Saisonhälfte boten, spotteten jeglicher Beschreibung und hätten bei den Fans ohne Zweifel die entsprechenden Reaktionen herbeigeführt.

Schneider stützt Wagner

Nun will Schalke alles auf Null stellen, die Erwartungen zurückschrauben und den Fußball spielen, der in den ersten sechs Monaten der Saison 2019/2020 das Publikum zufrieden stellte. Dass Trainer David Wagner weiter arbeiten darf, gehört zu den größten Überraschungen auf Schalke, wo es seit vielen Jahren nicht gelungen ist, auf dieser wichtigen Position für Kontinuität zu sorgen.

„David Wagner ist der beste Trainer für Schalke“, hat Sportvorstand Jochen Schneider bei jeder Gelegenheit betont. Aber der 50-Jährige weiß natürlich: Gelingt keine Trendwende in der Spielweise und vor allem bei den Ergebnissen, dann wird die Trainerdiskussion schneller wieder aufflammen, als es Vorstand und Aufsichtsrat lieb ist.

Paciencia wird ausgeliehen

Schalke lebt vom Prinzip Hoffnung, denn angesichts der prekären Finanzlage, die durch Corona noch verschärft wurde, ist der finanzielle Spielraum für Verstärkungen erheblich eingeschränkt. Wie stark, zeigten zwei Entwicklungen. Schalke gelang es nicht, Daniel Caligiuri zu halten, der dem FC Augsburg den Vorzug gab. Und im Werben um Torwart Alexander Schwolow hatten die Königsblauen letztlich gegen Hertha BSC keine Chance.

Immerhin ist es Schalke gelungen, nach dem bereits 36-Jährigen Vedad Ibisevic noch einen zweiten Angreifer mit Goncalo Paciencia zu verpflichten. Der Angreifer wird für ein Jahr von Eintracht Frankfurt für zwei Millionen Euro ausgeliehen, die Vereinbarung zwischen beiden Klubs beinhaltet eine Kaufoption. Bei den Königsblauen erhält der Portugiese die Rückennummer 18.

Kutucu soll ausgeliehen werden

„Wir sind sehr glücklich darüber, dass wir den Wechsel von Goncalo Paciencia realisieren konnten. Es ist die Kombination aus Körperlichkeit und Technik, die sein Spiel auszeichnet“, sagte Sportvorstand Jochen Schneider. „Vor allem wird uns Goncalo noch torgefährlicher und unberechenbarer machen.“

Dieser Transfer könnte Konsequenzen für andere Schalker Stürmer haben. Nach Sky-Informationen soll Ahmed Kutucu ausgeliehen werden. Auch Guido Burgstaller ist ein heißer Wechselkandidat.

Sorgen auf der rechten und linken Abwehrseite

Andere Baustellen im „nicht ausbalancierten Kader“ (O-Ton-Wagner) wird Schalke wohl erst einmal aus finanziellen Gründen nicht schließen können. Dabei ist auf den rechten und linken Außenbahnen der Bedarf eigentlich groß. Doch auch hier regiert das Prinzip Hoffnung, denn auf der rechten Seite soll der eigentliche Mittelfeldspieler Sebastian Rudy für Stabilität sorgen, während links der „ewige“ Bastian Oczipka gesetzt scheint.

Dass ausgerechnet die zurückgekehrten Leihspieler wie Nabil Bentaleb oder Mark Uth jetzt zu Hoffnungsträgern für eine bessere Zukunft mutieren, gehört zu den Kuriositäten der Schalker Transferpolitik, die durch das neue Personal des vergangenen Jahres (ein neuer Sportvorstand und ein Kaderplaner) noch zu wenig Nachhaltigkeit entwickelt hat.

Schalke steht vor einer richtungweisenden Saison. Sportlich und finanziell steht sehr viel auf dem Spiel. Dass die Saison ausgerechnet bei den Bayern beginnt, macht die Aufgabe noch schwerer.

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