Drei Jahre stand Niko Bungert auf Schalke unter Vertrag. Obwohl es für den 33-Jährigen zu keinem Bundesligaeinsatz reichte, hatte diese Zeit für den Co-Trainer von Mainz 05 große Bedeutung.

Gelsenkirchen

, 13.02.2020, 20:56 Uhr / Lesedauer: 3 min

Vor dem Wiedersehen mit den Königsblauen spricht Bungert über wichtige Trainer in seiner Karriere, Veränderungen im Profifußball und den Fußballstandort Mainz 05.

Im Juni 2019 haben Sie ihre Fußballschuhe an den Nagel gehängt. Werden Sie manchmal wehmütig, wenn Sie auf dem Trainingsplatz stehen?

Nein. Es hatte sich zuletzt abgezeichnet, dass ich an mein Top-Niveau nicht mehr herankommen werde. Die Einsatzzeiten sind weniger geworden. Deshalb war meine Entscheidung die logische Konsequenz. Ich bin nicht melancholisch, weil meine aktive Karriere zu Ende gegangen ist.

Dabei hatten Sie gar nicht damit gerechnet, Fußball-Profi werden zu können...

Das stimmt. Ich habe bis zum ersten A-Jugendjahr in Wattenscheid gespielt. Da war es unglaublich schwer, sportlich auf sich aufmerksam zu machen, weil rundherum die Konkurrenz mit Schalke, Dortmund, Bochum etc. enorm groß war. Wenn du nicht bei diesen Vereinen gespielt hast, bist du meistens nur ein kleines Licht. Ich war zwar schon immer sehr ehrgeizig, dennoch war ich sehr überrascht, als sich Schalkes A-Jugendtrainer Norbert Elgert telefonisch bei mir meldete. Da musste ich erst einmal schlucken.

Elgert holte Sie für seine A-Jugend zum FC Schalke 04.

Und gab mir viele wichtige Dinge mit auf den Weg. Das war das Beste, was mir passieren konnte. Insofern war die Schalker Zeit für mich extrem prägend. Nicht nur wegen Elgert, sondern auch später das Training bei den Profis unter Ralf Rangnick und Mirko Slomka. In dieser Zeit habe ich unheimlich viel gelernt, nicht nur, was den Fußball betrifft, sondern auch fürs Leben.

In Mainz entwickelten Sie sich später zu einem gestandenen Bundesligaspieler mit rund 200 Pflichtspieleinsätzen. Was war dort ihr schönstes sportliches Erlebnis?

Die direkte Qualifikation für die Europa League mit

Mainz 05. Zweimal waren wir zuvor direkt gescheitert, doch im dritten Anlauf hatte es geglaubt. Das war für einen Klub wie Mainz 05 mit seinen Möglichkeiten ein ganz toller Erfolg.

Sie haben elf Jahre als Profi für Mainz gespielt. Welche Veränderungen hat der Bundesliga-Fußball durchgemacht?

Es ist viel mehr Geld im Umlauf. Das wird allein schon daran deutlich, wenn man sich die Vielzahl von neuen und modernen Stadien ansieht. Alles ist professioneller geworden. Gucken Sie sich nur die Zahl der Personen an, die sich um eine Bundesligamannschaft kümmert. Es ist noch nicht so lange her, da hatten wir in Mainz neben dem Cheftrainer noch einen Co-Trainer, einen Fitnesstrainer und einen Torwart-Trainer. Mittlerweile sind es drei Co-Trainer und drei Fitnesstrainer allein für die Bundesligamannschaft. In Mainz hat längst jede U-Mannschaft einen Torwarttrainer.

Seit November 2019 sind Sie einer von drei Co-Trainern für das Bundesligateam.

Das kam für mich ebenfalls sehr überraschend. Nach dem Karriereende bin ich erst einmal viel gereist und habe ausgespannt. Dann habe ich bei Mainz 05 ein Trainee-Programm begonnen und auf der Geschäftsstelle gearbeitet. Ich wollte mich erst einmal orientieren, was mir liegen könnte.

Bis 05-Manager Rouven Schröder mit dem Vorschlag kam, Sie in den Trainerstab zu holen.

Dabei hat wohl auch die Überlegung eine Rolle gespielt, dass ich viele Spieler noch sehr gut kenne. Die zusätzliche Sichtweise eines Ex-Spielers im Trainerteam kann sicher nicht schaden. Auch für mich ist es super, denn es ist eine abwechslungsreiche und spannende Aufgabe.

Sonntag kommt ihr früherer Verein Schalke 04 nach Mainz. Wie beurteilen Sie die Ausgangsposition?

Schalke ist der Favorit. Unter Trainer David Wagner ist die Mannschaft auf einem sehr guten Weg. Aber im Heimspiel rechnen wir uns natürlich auch etwas aus.


Überrascht Sie diese Entwicklung angesichts der schwachen Schalker Vorsaison?

Nein. Ich denke, dass Schalke immer das Potenzial hat, unter den ersten sechs Mannschaften in der Bundesliga zu landen. Warum es zuletzt nicht so gut lief, kann ich aus der Ferne nicht beurteilen.

Mainz 05 ist dagegen aktuell Tabellenfünfzehnter. Geht die Abstiegsangst um?

So ein Verein wie unserer muss immer damit rechnen, mal unten rein zu rutschen. Dass wir in den vergangenen zehn Jahren immer die Relegation vermeiden konnten, halte ich für eine großartige Leistung. Wichtig ist in der schwierigen sportlichen Situation, ruhig zu bleiben und die Nerven zu behalten. Das haben wir in Mainz in der Vergangenheit gut hinbekommen. Und ich bin sehr optimistisch, dass es auch diesmal klappen wird.

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