26.000 Kühe im Kreis Wesel: „Sind Kühe Klimakiller?“

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Beim Klimawandel stehen Kühe oft als Sündenböcke da. 26.000 davon gibt es allein im Kreis Wesel. Doch sind Kühe wirklich Klimakiller?

Schermbeck

, 19.08.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Um diese Frage ging es Anfang der Woche beim Auftakt der vierteiligen Themenreihe „Landwirtschaft im Gespräch“ in der Drevenacker Dorfkirche. Veranstalter sind die Evangelische Kirchengemeinde Drevenack, zu der auch die evangelischen Christen des Schermbecker Ortsteils Damm gehören, der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt und die Kirchenkreise Dinslaken und Wesel.

Für die Auftaktveranstaltung konnten sie Dr. Franz-Josef Stork gewinnen, den Geschäftsführer der Kreisstelle Kleve/Wesel der Landwirtschaftskammer NRW in Kleve sowie Leiter des angegliederten Versuchs- und Bildungszentrums „Haus Riswick“. Zunächst präsentierte Stork Zahlen zu den Kreisen Wesel und Kleve.

8,5 Prozent aller 35.750 landwirtschaftlichen Betriebe in NRW befinden sich am Niederrhein. Von diesen 3033 Betrieben werden 65,6 % im Haupterwerb betrieben. „Die Milchviehhaltung trägt am Niederrhein wesentlich zum Einkommen der Landwirtschaft bei“, machte der Referent an statistischen Daten deutlich.

Durchschnittlich 93,8 Kühe pro Halter

192.982 Rinder stehen in niederrheinischen Betrieben, 71.472 Milchkühe. Von den 104.361 Milchkühen des Regierungsbezirks Düsseldorf leben 81.199 in den beiden Kreisen Wesel und Kleve. In den Ställen der 277 Halter des Kreises Wesel stehen durchschnittlich 93,8 Milchkühe.

Um die von den Veranstaltern für den ersten Abend gestellte Frage „Sind Kühe Klimakiller?“ zu beantworten, präsentierte der Referent eine von Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) erstellte Grafik. Danach erzeugt die Landwirtschaft nur 2 Prozent der Treibhausgase, während allein die Energiewirtschaft 53 Prozent ausstößt, die Industrie 18 Prozent, Haushalte 12 Prozent und der Verkehr 11 Prozent.

Versuche zur Reduzierung von Treibhausgasen

Wenn auch die Treibhauserzeugung seitens der Landwirtschaft relativ gering ist und somit ein Ja als Antwort auf die Frage „Sind Kühe Klimakiller?“ nicht gerechtfertigt ist, bemüht man sich um weitere Reduzierungen von Treibhausgasen. In Versuchsanstalten am Haus Riswick wird nicht nur der Einfluss einer proteinreduzierten Fütterung von Milchkühen beim Einsatz geschützter Aminosäuren auf die tierische Leistung untersucht, sondern auch der Ausstoß klima- und umweltrelevanter Gase. Derzeit wird außerdem ein Stallneubau konzipiert, bei dem Tierwohl und Umweltfaktoren optimiert werden sollen.

In einer Diskussionsrunde wurden Fragen der Zuhörer beantwortet. „Durch Bewegung steigt der Ausstoß von Treibhausgasen“, erklärte der Referent die Entwicklung hin zum dauerhaften Aufenthalt der Milchkühe in modernen licht- und luftdurchfluteten Ställen. Der in den letzten drei Jahren verstärkt wahrgenommene Klimawandel hat dazu geführt, dass Hitze und Trockenheit sich immer weiter von dem entfernen, was von Kühen als Wohlfühl-Klima empfunden wird.

„Keine echten Weiden mehr“

Kritik übte ein Zuhörer an der Veränderung des Grünlandes. „Echte Weiden gibt es nicht mehr“, bedauerte er die Entwicklung des Grünlandes hin zu strohharten Grasbeständen, die bis zu fünfmal im Jahr gemäht würden, um die Grassilos zu füllen. „In diesem Gras entwickelt sich gar nichts mehr“, verwies der Zuhörer auf den drastischen Rückgang des Niederwildes.

Am 26. August geht es ab 20 Uhr in der Drevenacker Dorfkirche um die Düngemittelverordnung und um das Wasserrecht im Kreis Wesel. Referent ist der Gahlener Michael Fastring, Leiter des Fachdienstes Umwelt beim Kreis Wesel.

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