Anwohner fürchten Wechselwirkung zwischen Strom- und Gasleitung

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Sorgen bereitet Anwohnern die Nähe von Hochspannungsleitungen und der im Bau befindlichen Zeelink-Gasleitung. Dass es Wechselwirkungen geben kann, bestätigt auch die ausführende Firma.

Schermbeck

, 08.10.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Ausbau der Ferngasleitung Zeelink zwischen Lichtenbusch und Legden schreitet zügig voran. „Wir liegen absolut im Zeitplan“, sagt Helmut Roloff, Sprecher der ausführenden Firma Open Grid Europe (OGE). Inzwischen wurden Rohre für die Leitung auch im Schermbecker Ortsteil Dämmerwald verlegt - über weite Strecken in Nähe und parallel zur 380 kV-Windstromleitung Meppen-Niederrhein.

So verläuft die Zeelink-Erdgasleitung durch Schermbeck und Raesfeld.

So verläuft die Zeelink-Erdgasleitung durch Schermbeck und Raesfeld. © Zeelink

Einige Dämmerwalder befürchten nun Wechselwirkungen zwischen Strom- und Gasleitung, die 2021 in Betrieb gehen soll. Konkret geht es um Erdungsanlagen, die das Misstrauen von einigen Bürgern erregen, die ihre Namen nicht öffentlich machen wollen. „Im Rahmen des Neubaus der Gasversorgungsleitung der Zeelink GmbH & Co KG ist es zum Schutz der Gasversorgungsleitung erforderlich, im Parallelführungsbereich vorhandener Stromleitungen horizontale Abgrenzeinheiten einzubauen“, teilte die Firma OGE Ende Juli 2020 schriftlich mit: „Gemäß dem DVGW Regelwerk (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches) ist die Zeelink GmbH & Co. KG verpflichtet, den Berührungsschutz an ihrer Gasversorgungsleitung durch den Einbau von Erdungsanlagen sicherzustellen.“

In derselben Mitteilung erfuhren die Anlieger: „Wir machen darauf aufmerksam, dass die Abgrenzeinheit technischer Bestandteil der Ferngasleitung ist. Da die Anlage im Schutzstreifenbereich der Gasversorgungsleitung installiert wird, bedarf es keiner erneuten Eintragung eines Rechts.“

„Relevante elektrische Energie“

Erst nachdem eine Dämmerwalder Familie schriftlich nachgehakt und um eine Verlegung weiter vom Haus gebeten hatte, wurde seitens der OGE eine Begründung für die geplante Messstelleneinheit gegeben: „Es ist uns leider nicht möglich, den Standort der Abgrenzeinheit zu verändern, da ein enger Parallelverlauf zu der 380 kV-Windstromleitung Meppen-Niederrhein besteht. Durch den Parallelverlauf der Zeelink-Rohrleitungstrasse zu der Hochspannungsleitung wird nach dem Transformatorprinzip durch das elektromagnetische Feld der Hochspannungsleitung eine relevante elektrische Energie in die längsleitfähig verschweißte Rohrleitung übertragen. Zur Sicherstellung des Berührungsschutzes der Zeelink-Rohrleitung muss die Abgrenzeinheit an der von uns geplanten Stele installiert werden.“

Bei einem Landwirt wecken dies Sätze Erinnerungen an Vorgänge in früheren Jahren. „Bei nebligem Wetter konnte die Stromzuführung zum Weidezaun ausgeschaltet werden, weil die Hochspannungsleitung für ausreichenden Kriechstrom sorgte“, berichtet er von Erfahrungen, die man mit einer damals noch viel schwächeren Hochspannungsleitung sammeln konnte. Ein anderer Landwirt hatte Kriechströme im Melkstand bei ähnlichen Wetterlagen. An solchen Tagen sei das Vieh immer unruhig geworden.

„Wir werden hier einfach vor Tatsachen gestellt“

„Wir werden hier einfach vor Tatsachen gestellt“, bedauert ein Landwirt fehlende Informationen über das für Menschen existierende Gefährdungspotenzial. Sie verweisen auf die Auswirkungsprognose der Umweltverträglichkeitsanalyse, die im Planfeststellungsverfahren zur Auffassung gelangte, dass die Gasleitung das Schutzgut Menschen nicht betreffe und deshalb Vermeidungsmaßnahmen nicht erforderlich seien.

„Das kann hier keiner verstehen“, gibt ein Landwirt zu bedenken und verweist auf einen Forschungsbericht des Bundesamtes. In diesem Bericht wird für einen Havariefall mit erheblichen Zerstörungen in einem Abstand von etwa 350 Metern beiderseits der Gastrasse gerechnet. „Das sind schlechte Aussichten für uns“, stellt ein Dämmerwalder Bürger fest und zeigt auf sein Wohnhaus, das kaum 50 Meter von der Erdgasleitung entfernt steht und sich genau zwischen Gasleitung und Hochspannungsleitung befindet. „Gas und Strom gehören einfach nicht so nahe zusammen.“

Helmut Roloff, Sprecher des Unternehmens Open Grid Europe

Helmut Roloff, Sprecher des Unternehmens Open Grid Europe © Open Grid Europe

Was es mit den Wechselwirkungen der Strom- auf die Gasleitung auf sich hat, kann OGE-Sprecher Helmut Roloff erklären, dem, auf den befürchteten Havariefall angesprochen, zunächst die Erklärung wichtig ist: „Die Leute brauchen sich keine Sorgen zu machen. Da wird nie etwas passieren.“

Richtig sei, dass es Wechselwirkungen zwischen Hochspannungs- und Stahlleitung gebe, so Roloff. „Deshalb müssen Gas- und Stromleitung in einem gewissen Abstand errichtet werden, der von Fachleuten berechnet wurde.“ Wenn die Gasleitung fertig sei und in Betrieb genommen werde, werde ein schwacher Strom auf die Gasleitung gegeben, um einen „kathodischen Korrosionsschutz“ herzustellen.

„Opfer-Anode“ schützt das Gasrohr

Das Stahlrohr sei beschichtet, so Roloff - dadurch wird das Rohr passiv vor Korrosion geschützt. Falls diese Schicht beschädigt werde und Wasser an das Stahlrohr gelange, wird das Rohr mit sogenannten „Opfer-Anoden“ geschützt. Diese Anoden werden in Nähe des Rohrs angebracht und elektrisch leitend damit verbunden. Der schwache Strom sorgt dafür, dass nur die Anode aufgebraucht wird, das Rohr hingegen vor Korrosion geschützt wird.

Die „Abgrenzeinheiten“ leiten Fremdspannung ab. Es gehe darum, „den kathodischen Korrosionsschutz genau berechnen zu können“, so Roloff. „Damit keine Überspannung entsteht.“ Die Standorte in Nähe der Hochspannungsleitung könne man deshalb auch nicht verschieben. Dies diene vor allem dem Schutz der Mitarbeiter, falls diese bei Inspektionen mal an die 1,20 Meter tief im Boden liegende Gasleitung müssten.

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