Nico, Beatrix und Martin Stroetzel freuten sich am Donnerstag über die Denkmalplakette für ihr umgebautes Haus. © Berthold Fehmer
Denkmalschutz

Aus denkmalgeschützter „Ruine“ wurde „ein geiles Haus“

„Bist du wahnsinnig?“ So hätten viele auf seine Umbaupläne einer unter Denkmalschutz stehenden „Ruine“ reagiert, sagt Martin Stroetzel. Das Ergebnis nennt der Bürgermeister „ein geiles Haus“.

Schermbecker kennen Martin Stroetzel als langjährigen SV Schermbeck-Trainer. Mit seiner Frau Beatrix (55) und seinem Sohn Nico (27) lebt der 56-Jährige an der Dorstener Straße auf einem ehemaligen landwirtschaftlichen Betrieb. Ende der 1990er-Jahre kamen Vertreter der Denkmalbehörde auf den Hof und interessierten sich für das ehemalige Elternhaus von Beatrix Stroetzel.

Martin Stroetzel zeigt, wie das Haus vor dem Umbau aussah.
Martin Stroetzel zeigt, wie das Haus vor dem Umbau aussah. © Berthold Fehmer © Berthold Fehmer

„Da müssen wir gegen angehen“, sagt Beatrix Stroetzel. Das sei ihre erste Reaktion gewesen. Denn wenn das Haus unter Denkmalschutz gestellt würde, befürchtete sie: „Dann darfst du nichts mehr machen, nichts mehr selbst entscheiden.“

Das Haus aus der ersten Hälfte des 18 Jahrhunderts – die früheste Eintragung stammt von 1833 – wurde dennoch als „bedeutend für die Geschichte des Menschen“ und als „erhaltenswert aus wissenschaftlichen, besonders architekturgeschichtlichen, volks- und hauskundlichen Gründen“ eingestuft und unter Denkmalschutz gestellt. Ein Fachwerkgebäude mit Krüppelwalmdach, das früher als Wohnstallhaus und Ende der 1990er-Jahre nur als Stall genutzt wurde.

„Ich habe richtig Angst gehabt“

Als „Ruine“ hätten hingegen viele das Haus gesehen, als er zum ersten Mal über Umbaupläne gesprochen habe, sagt Martin Stroetzel heute. Eine Wand war komplett schief. Heike Szczepaniak von der Schermbecker Bauverwaltung gibt zu, dass sie beim ersten Besuch im Haus „richtig Angst gehabt“ habe, dass das Gebäude einstürzen könnte. Stroetzel lobt die Zusammenarbeit mit der Bauverwaltung und der Denkmalschutzbehörde. Beim ersten Termin sei ihm bereits nach einer halben Stunde eine Förderung zugesagt worden.

Das Fachwerkhaus erstrahlt in neuer Pracht.
Das Fachwerkhaus erstrahlt in neuer Pracht. © Berthold Fehmer © Berthold Fehmer

Mit viel Eigenarbeit, der finanziellen Unterstützung der Niederrheinischen Sparkasse RheinLippe (NISPA) sowie dem Rat und der Hilfe von Nachbar Johannes Bartelt, Architekt und Holzhändler, nahm Stroetzel das Haus auseinander. Schaffte sich ein Sandstrahlgerät an und säuberte damit das Haus von innen und außen. Steine und Eichenbalken wurden wiederverwendet.

Haus auf Stelzen gestellt

Zwischendurch habe das Haus komplett auf Stelzen gestanden, so Stroetzel, der über sich als ehemaligen Beschäftigten im Bergbau sagt und dabei lächelt: „Wer im Bergbau gearbeitet hat, der kann alles und hat vor nichts Angst.“

Das Wohnzimmer mit Ofen
Das Wohnzimmer mit Ofen © Berthold Fehmer © Berthold Fehmer

Doch der Teufel liegt wie so oft im Detail: Vor vier Jahren hatte Stroetzel die ersten Anträge gestellt. 2018 wurde ihm für neun Monate ein Archäologe zur Seite gestellt, da eine Feuerstelle im jetzigen Wohnzimmer vermutet wurde, die angeblich noch von den alten Römern stammen sollte. „Das war sehr aufreibend“, sagt Stroetzel, der letztlich aber den Archäologen für seine Kooperationsbereitschaft lobt. Eine Feuerstelle der Römer fand der Archäologe nicht, dafür steht jetzt ein Ofen im Wohnzimmer.

Das neue Schlafzimmer im Untergeschoss
Das neue Schlafzimmer im Untergeschoss © Berthold Fehmer © Berthold Fehmer

Eine Denkmalplakette und eine Urkunde erhielt die Familie nun von Bürgermeister Mike Rexforth, der das Projekt als „ein geiles Haus“ bezeichnet. Nicht selbstverständlich sei der Einsatz der Familie für das Haus, in dem künftig Nico Stroetzel wohnen wird.

Durch die geräumige Küche wurden früher noch die Pferde getrieben.
Durch die geräumige Küche wurden früher noch die Pferde getrieben. © Berthold Fehmer © Berthold Fehmer

Schon beim Betreten des Hauses, bei dem man in der Küche landet, kann Stroetzel alte Geschichten erzählen: Früher seien die Pferde beim Heuabladen vom Stall durch die Küche wieder herausgeführt worden. „Die hatten ja keinen Rückwärtsgang.“

Eine schmale Treppe führt zur ehemaligen
Eine schmale Treppe führt zur ehemaligen „Upkammer“. © Berthold Fehmer © Berthold Fehmer

Eine Treppe führt von der Küche nach unten, wo sich früher die „Upkammer“ befand. Der Lagerraum sei nur 1,35 Meter hoch gewesen und habe immer unter Wasser gestanden. Um Gemüse dort herauszuholen, habe seine Frau als Kind immer eine Badehose angezogen, sagt Stroetzel und schmunzelt. Der Raum, der mittlerweile trockengelegt ist und um 65 Zentimeter tiefer gelegt wurde, also nun zwei Meter hoch ist, ist mit seinem Sofa ein gemütliches Refugium geworden.

Ein gemütliches Refugium ist die ehemalige Upkammer geworden.
Ein gemütliches Refugium ist die ehemalige Upkammer geworden. © Berthold Fehmer © Berthold Fehmer

Eine Treppe, die noch nicht ganz fertig ist, führt ins Obergeschoss, dessen Ausbau ebenfalls noch viel Arbeit erfordert. Dafür ist das Badezimmer im Untergeschoss bereits ein echter Hingucker – wo sich früher das Fernsehzimmer befand. Heinz Düpmann, der Onkel von Beatrix Stroetzel, sei in diesem Raum geboren worden, berichtet Martin Stroetzel.

Das Badezimmer ist ein echter Blickfang.
Das Badezimmer ist ein echter Blickfang. © Berthold Fehmer © Berthold Fehmer

Die ans Wohnhaus angrenzenden Stallungen werden weiterhin benutzt für fünf Pferde. Ansonsten leben noch Hühner, Ziegen und Hunde auf dem Hof.

Im Obergeschoss wartet noch viel Arbeit auf die Familie.
Im Obergeschoss wartet noch viel Arbeit auf die Familie. © Berthold Fehmer © Berthold Fehmer

Über die Investitionssumme, die für den Umbau des Hauses gebraucht wurde, möchte Stroetzel nicht reden. Dass diese beträchtlich gewesen sein dürfte, wird etwa daran deutlich, dass die Fenster beispielsweise nicht „von der Stange“ gekauft werden konnten, sondern alle mit unterschiedlichen Maßen angefertigt wurden von einem Betrieb im Sauerland.

„Etwas, wo unser Herz aufgeht“

Beim Thema Fördergelder hatte Stroetzel mit den Behörden vereinbaren können, dass bei den für die Denkmalbehörde relevanten Gewerken zwei Drittel der Kosten von den Eigentümern stammt und Drittel als Zuschuss gezahlt wurde. Julia Kollosche-Baumann, wissenschaftliche Referentin beim LVR-Amt für Denkmalpflege, lobt, dass viel Herzblut der Eigentümer im Haus stecke: „Das ist etwas Besonderes, wo unser Herz aufgeht.“

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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