Ab Sonntag dürfte Ramirez-Chef Dirk Zerressen seinen Biergarten öffnen, aber das Wetter und die kurze Vorlaufzeit sprechen dagegen. „Donnerstag, eher Freitag nächster Woche" will Zerressen öffnen. © Tim Vinnbruch (A)
Coronavirus

Außengastronomie erlaubt: „Ich habe keinen Bock auf einen Polizeijob“

Die „Notbremse“ gilt ab Sonntag nicht mehr in Schermbeck und Raesfeld. Außengastronomie ist dann wieder erlaubt. Doch im Ramirez, bei Brömmel-Wilms und anderen ist das nicht so einfach.

In den Kreisen Wesel und Borken lag am Freitag den fünften Werktag in Folge die Wocheninzidenz unter 100. Damit werden am Sonntag wieder Lockerungen, wie das Wegfallen der nächtlichen Ausgangssperre oder auch Konzerte unter freiem Himmel mit bis zu 500 getesteten, geimpften oder genesenen Besuchern wieder möglich. Überraschend wurde am Mittwoch auch Außengastronomie in diesem Fall wieder erlaubt.

Eine solche Entscheidung „von einem auf den anderen Tag ist ein Unding“, findet Ramirez-Chef Dirk Zerressen. Er dürfte am Sonntag seinen großen Biergarten öffnen, wird es aber nicht tun. „Donnerstag, eher Freitag nächster Woche“ peilt er als Starttermin an. Der Landgasthof Triptrap in Schermbeck will ebenfalls erst am Freitag aufmachen, abhängig vom Wetter. Arno Brömmel vom Erler Gasthof Brömmel-Wilms will Ende kommender Woche seinen Biergarten reaktivieren: „Vollbremsung geht schnell“, aber wieder hochzufahren, dauere seine Zeit, sagt Brömmel, der schon erste Anfragen von Kunden verzeichnete.

Viele Probleme müssen gelöst werden

Neben der schlechten Wetterprognose haben Zerressen und Brömmel nun viele Probleme zu lösen. Zerresen: „Angefangen beim Personal: Die sind bei Rewe, beim Arzt, beim Spargelhof. Die haben alle andere Jobs. Ich konnte denen auch schlecht sagen: Bleib mal auf Stand-by und guck, dass du vom Ersparten lebst!“ Zerressen sorgt auch, dass die Gäste die Erwartungshaltung mitbringen könnten, dass alles vom ersten Tag wieder so gut laufen solle, wie vor dem langen Lockdown.

Zudem muss die Technik wieder in Gang gesetzt werden. Nur eines von vier Kühlhäusern ist beispielsweise derzeit im Ramirez in Betrieb. Zerressen will diese in den kommenden Tagen wieder hochfahren. „Wir gucken, ob alles direkt läuft. Aber wenn du was dran hast, ist die Frage, ob du einen Techniker kriegst. Denn andere Kollegen werden auch solche Probleme haben.“ Brömmel sagt: „Eins meiner Kühlhäuser hat sich im Lockdown verabschiedet.“

Weitere Arbeit kommt hinzu. Brömmel: „Wir haben die Leitungen vor sieben Monaten gereinigt. Das müssen wir jetzt noch mal machen.“ Er müsse auch wieder Bier einkaufen: „Ich habe zwar noch Bier im Keller, aber das kann man wegschütten.“ Eine Explosion von Anfragen und eventuell damit verbundene Wartezeiten erwartet Brömmel nun bei den Zulieferern.

Praktikable Regelung

Vom Land erwartet Zerressen eine praktikable Regelung, wie er Genesene, Geimpfte und Getestete kontrollieren soll. „Muss ich einen dafür abstellen?“ Statt Listen an den Tischen für die Nachverfolgung plädiert Zerressen für eine einfache, digitale Lösung – etwas, das aus seiner Sicht „verschlafen“ worden sei.

Arno Brömmel sagt: „So gerne wir hier Bier verkaufen möchten: Ich habe keinen Bock auf einen Polizeijob.“ Bei jedem Gast zu kontrollieren, ob er geimpft, genesen oder getestet ist, bringe viele Probleme mit sich. „Kommt beispielsweise eine größere Gruppe, bei der die Hälfte die Voraussetzungen nicht mitbringt, soll ich denen sagen, dass die sich nicht hinsetzen dürfen? Dann heißt es doch schnell: Arno, stell dich nicht so an!“

„Dann wollen die rein“

Ähnliche Diskussionen erwartet Arno Brömmel, wenn die Gäste im Biergarten sitzen und es anfängt zu regnen. „Dann wollen die rein.“ Auch wenn derzeit nur Außengastronomie erlaubt ist.

Viele seiner Kollegen, so Brömmel, seien der Meinung, dass die Gastronomie erst beim Inzidenzwert von 50, dann aber mit weniger Beschränkungen, geöffnet hätte werden sollen. Und er befürchtet, das die Inzidenzwerte vielleicht doch noch die 100 überschreiten könnten und dann die Außengastronomie wieder geschlossen werden müsste.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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