Bauhof muss mehr als 120 Bäume fällen - Pilzsporen könnten Lungen schädigen

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Mehr als 120 Bäume müssen auf Gemeindegebiet gefällt werden, 60 davon innerorts. Die Gründe? Vielfältig! Teilweise können Pilzsporen beim Einatmen schwerste Entzündungen auslösen.

Schermbeck

, 18.11.2019, 16:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mehrere Bakterien machen den Bäumen in der Gemeinde Schermbeck derzeit das Leben schwer. Gibbsiella quercinecans, Brenneria goodwinii und Rahnella victoriana könnten für dunkle Ausblutungen an Stämmen verantwortlich sein. Der Befall ist örtlich konzentriert, teilweise sind laut Andreas Eißing vom Bauamt ganze Straßenzüge betroffen.

Tätig werden muss die Gemeinde, da sich in den vergangenen Jahren mehr Totholz in den Baumkronen festgestellt wird. „Wenn es einen Sturm gibt, stehen wir in der Verantwortung“, sagt Bauamtsleiter Rainer Eickelschulte, der betont: „Es macht uns keinen Spaß, Bäume zu fällen.“

Baumarten reagieren unterschiedlich

Zunächst wurde und wird versucht, durch das Zurückschneiden und die Entfernung von Totholz den Baum zu retten. Doch der Zustand befallener Bäume habe sich anschließend verschlechtert, so Andreas Eißing. Die Baumarten reagieren dabei unterschiedlich auf die Bakterien. Eichen bleiben zunächst standfest, Buchen und Birken müssen wesentlich schneller gefällt werden.

60 Bäume innerorts werden insgesamt der Säge zum Opfer fallen. An der Freudenbergstraße wurde bereits einer gefällt, weitere kommen hinzu. „Da tut es richtig weh“, sagt Andreas Eißing, „weil es schöne Bäume sind.“

Außerorts kommen laut Andreas Eißing mindestens genauso viele hinzu, wobei die Kontrollen noch nicht beendet sind. Fällarbeiten werden extern vergeben, wenn mehr als das Werkzeug des Bauhofs benötigt wird. Und wenn die Bäume an der „Rußrindenkrankheit“ leiden. Eine Pilzerkrankung, die ebenfalls zum Absterben der Bäume führt, wenn auch langsamer als bei den genannten Bakterien. Gefährlich sind die Pilzsporen auch für den Menschen.

Gesundheitsgefährdung

Laut Eißing können die Sporen beim Einatmen schwerste Entzündungen sowie die Zerstörung von Lungenbläschen auslösen. Deshalb gebe es bei befallenen Bäumen in der Nähe von öffentlichen Wegen „dringenden Handlungsbedarf“. Etwa zehn Bäume, schätzt Eißing, leiden unter der Rußrindenkrankheit.

Was den Bäumen außerdem zugesetzt habe, sei laut Rainer Eickelschulte die Trockenheit und Hitze der vergangenen Jahre. Dass in diesem Jahr besonders viele Bäume gefährdet seien, sei keine Schermbecker Besonderheit. „Wenn Sie mit offenen Augen durch die Gegend fahren, sehen sie, dass viele Bäume markiert sind“, sagt Eißing. Das liege zum Teil aber auch daran, dass Bäume besser kontrolliert würden und viele Erkrankungen erst jetzt bekannt seien.

Haushaltsansatz verdoppelt

Fällarbeiten und Neuanpflanzungen kosten Geld. Dies wird durch einen höheren Haushaltsansatz (geplant ist einer Verdoppelung von 20.000 auf 40.000 Euro) berücksichtigt. 2020 ist Geld für die Anpflanzung von 140 neuen Bäumen eingeplant. Derzeit werden etwa 70 neue Bäume gepflanzt. Neue Bäume kosten laut Eißing zwischen 100 und 150 Euro, die allermeisten versuche man, mit eigenem Personal zu pflanzen.

Die Zahl der Neuanpflanzungen richte sich nach dem ökologischen Wert der gefällten Bäume, so Eickelschulte. Bei einer großen Eiche sei dieser höher als bei einer jungen Birke.

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