Cannabis-Plantage: Der Tipp kam von den Nachbarn

hzCannabis-Anbau

Ein alter Hof und jede Menge Profi-Equipment: In Schermbeck-Dämmerwald soll heimlich Cannabis angebaut worden sein. Welche Rolle die Angeklagten dabei spielten, ist noch unklar.

Schermbeck/Duisburg

, 13.01.2020, 17:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der erste Tipp kam von Nachbarn: Im Sommer 2019 fiel einem Ehepaar aus Schermbeck-Dämmerwald auf, dass auf einem eigentlich unbewohnten Hof plötzlich Ungewöhnliches vor sich ging. Sie informierten die Polizei. Nun beschäftigt der Fall das Duisburger Landgericht.

Holländisches Paar ist angeklagt

Angeklagt ist ein holländisches Paar, das an der Dämmerwalder Straße eine große Cannabis-Plantage betrieben haben soll. Sie selbst wollen sich dazu allerdings noch nicht äußern. Der 43-Jährige will nach Angaben seines Verteidigers zwar „die Verantwortung“ übernehmen – vor allem in Bezug auf seine fünf Jahre jüngere Partnerin. Wofür genau, ist allerdings noch nicht klar.

Zwölf Kilo Pflanzenreste

Als die Polizei den Gebäudekomplex (Wohnhaus und Scheune) im vergangenen Sommer durchsucht hat, staunten die Beamten nicht schlecht. Vom Dach bis ins Erdgeschoss: Überall befand sich Equipment für den Betrieb einer professionellen Cannabisplantage. Lampen, Lüfter, Trockenräume, dazu rund zwölf Kilo Pflanzenreste, aus denen offenbar Marihuana gewonnen worden ist.

Was den Nachbarn nach Angaben eines Kommissars zuerst aufgefallen ist, war ein lautes Radio, das offenbar nonstop lief. Außerdem kamen immer wieder Personen vorbei, zum Teil mit teuren Sportwagen. Sie blieben aber meist nur kurz. Darunter auch der nun Angeklagte.

Als die Polizei davon erfuhr, liefen im Hintergrund erste Nachforschungen an. Dabei wurde auch ein immenser Stromverbrauch bekannt. Rund 50.000 Kilowattstunden sollen es in einem Jahr gewesen sein, ein Vielfaches dessen, was normalerweise anfallen würde.

Rolle der Angeklagten noch unklar

Bei der Durchsuchung fielen den Beamten außerdem 100 Einweghandschuhe auf, die in einer Tonne gelagert waren. Sie sollten eigentlich alle vom Bundeskriminalamt auf DNA-Spuren untersucht werden. Doch das waren dann wohl doch zu viele. Die Anzahl solle doch bitte auf ein „sinnvolles Maß“ reduziert werden, hieß es.

Dass der 43-jährige Niederländer und dessen Partnerin auf dem Hof waren, lässt sich nicht bestreiten. Die Frage ist nur, was sie dort gemacht haben. Die Frage des Verteidigers, ob es Anhaltspunkte dafür gibt, wer die Pflanzen abgeerntet hat, musste ein als Zeuge geladene Polizist am Montag mit „Nein“ beantworten.

In der Anklage ist noch von einer zweiten Plantage die Rede

Außerdem scheint unklar zu sein, welche anderen Personen sich auf dem Hof an der Dämmerwalder Straße aufgehalten haben. Die Angeklagten selbst haben sich noch nicht zu den Vorwürfen geäußert. In der Anklage der Staatsanwaltschaft ist auch noch von einer zweiten Plantage die Rede – im Wohnhaus der Angeklagten, in Hamminkeln. Der Prozess wird fortgesetzt.

Lesen Sie jetzt