Darum durchwühlen Wildschweine derzeit Wiesen

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Wie frisch gepflügt sieht die Wiese am Hof Itjeshorst derzeit aus. Wildschweine haben sie umgegraben - und kommen immer wieder. Was sie dort suchen, weiß Förster Christoph Beemelmans.

Schermbeck

, 21.08.2019, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Immer wieder bekommt die Familie Itjeshorst an der Malberger Straße derzeit ungebetenen Besuch. Die Wiese vor dem landwirtschaftlichen Hof sieht mittlerweile aus, als wäre sie von schwerem Gerät umgegraben worden. Von letzterem hätte der Lohnunternehmer und Landwirt Arnd Itjeshorst auch einiges anzubieten, doch gegen die nächtlichen Gäste ist auch er derzeit machtlos.

Sein Vater Kurt Itjeshorst erzählt, dass sein Sohn schon versucht habe, die Wiese wieder in einen ordentlichen Stand zu versetzen, doch die Wildschweine kommen immer wieder. Auch im Maisfeld direkt neben der Wiese haben sie schon Schäden angerichtet.

Verrückt auf Engerlinge

Arnd Itjeshorst ahnt, was die Wildschweine in genau dieser Wiese suchen: „Engerlinge“. Das sind Käferlarven. Warum sind die Wildschweine darauf so verrückt, dass sie den nahegelegenen Staatsforst Dämmerwald dafür verlassen? „Die Wildschweine suchen generell tierisches Eiweiß“, sagt Revierförster Christoph Beemelmans, der ein ähnliches Verhalten in seinem Gebiet, der Uefter Mark, beobachtet.

Die Trockenheit habe dazu geführt, dass das Nahrungsangebot im Wald für die Wildschweine einseitig geworden sei, sagt Beemelmans - sie versuchten, den Speiseplan zu „komplettieren“. Einen Mausbau könne das Schwarzwild mit feiner Nase noch in einem Meter Tiefe im Boden riechen. Und habe auch kein Problem, diesen auszugraben. „Da sind Sie von den Socken, wenn Sie sehen, wie viel Kraft die haben“, sagt Beemelmans über die Krater in seinem Revier.

Alte Wiesen können helfen

Beemelmans hat beobachtet, dass die Neigung des Schwarzwilds, den Wald zu verlassen, geringer werde, wenn es im Wald „alte Wiesen“ gebe. Beemelmans erklärt das so: In den ersten zwei, drei Jahren nach dem Einsäen finde man im Boden noch keine Engerlinge, erst wenn die Grasnarbe verfilzt sei.

Für die Jäger sei es derzeit schwer, Landwirten zu helfen, sagt Beemelmans. Im Moment stehe der Mais so hoch, dass das Schwarzwild, ohne gesehen zu werden, von der Uefter Mark zum Dämmerwald laufen könne. Für Jäger sei es schwierig, da zum Schuss zu kommen. Eine Möglichkeit seien „Schuss-Schneisen“ im Mais, aber damit täten sich einige Landwirte schwer, da sie dadurch Produktionsfläche verlieren.

Schweres Jahr für die Landwirte

Insgesamt sei es ein schweres Jahr für die Landwirte, sagt Beemelmans. Die Trockenheit habe dem Mais zugesetzt. Die Schäden dort richte das Schwarzwild vor allem an, wenn Kolben „noch ganz milchig“ seien - dann böten sie den Wildschweinen frische Energie, so Beemelmans. Zusätzlich hat Arnd Itjeshorst noch mit dem „Maisbeulenbrand“ zu kämpfen, ein parasitischer Pilz.

Die Schäden, die Wildschweine verursachen, werden von den Jagdpächtern kompensiert, so Arnd Itjeshorst, der die gute Zusammenarbeit mit diesen betont. Wie hoch die Schäden wirklich sind, werde man erst nach der Ernte sehen - in den vergangenen Jahren hätten die Summen im niedrigen dreistelligen Bereich gelegen.

„Es ist richtig aufgeräumt worden.“

In den vergangenen Jahren war oft von zu hohen Wildschweinbeständen in der Region die Rede. Ist das immer noch so? „Nein“, sagt Beemelmans mit Blick auf sein Revier. „Es ist richtig aufgeräumt worden.“ Derzeit sei die Zahl des Schwarzwild in seinem Bereich in einem normalen Maß.

Ab Ende Oktober, wenn der Mais abgemäht sei, würden die Jäger in den Mondphasen bis Februar Wildschweine schießen. Außerhalb des Waldes, „damit im Wald mehr Ruhe ist“. Schließlich wolle man nicht begünstigen, dass das Wild den Wald verlasse“, so Beemelmans.

Dass die Wildschweine ab Oktober noch die Wiese am Hof Itjeshorst besuchen, ist eher unwahrscheinlich: Dann werde das Schwarzwild sich laut Beemelmans wieder in den Staatsforst zurückziehen, wenn Eicheln und Bucheckern für einen gut gedeckten Tisch sorgen.

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