Darum erhielten die Politiker zu den Grundschulen andere Zahlen als die Öffentlichkeit

Grundschulen

„Die Sanierungskosten der Grundschulen werden weiter nach oben gerechnet, ein Neubau Richtung Null.“ So kritisiert Klaus Roth die unterschiedlichen Zahlen für den Rat und die Öffentlichkeit.

Schermbeck

, 01.07.2019 / Lesedauer: 3 min
Darum erhielten die Politiker zu den Grundschulen andere Zahlen als die Öffentlichkeit

Diese möglichen Grundschulstandorte wurden in der Machbarkeitsstudie vorgestellt. © Rathke Architekten BDA

Schon während der Präsentation des Architekten Markus Rathke am 26. Juni im Ramirez hatte Klaus Roth (BfB) auf einen Widerspruch hingewiesen. Am 17. Juni hatte Rathke dem Rat die Machbarkeitsstudie vorgestellt und erklärt, dass die Sanierung beider Grundschulen rund 4,7 Millionen Euro koste. Bei der zweiten Präsentation bezifferte Rathke dies mit rund 5,3 Millionen Euro.

Auf die Frage Roths, woher die Differenz komme, geriet Rathke ins Stocken, vermutete zunächst Kosten für die Anmietung von Containern als Ursache. Roth sagte, die Container-Kosten seien von Rathke aber mit 390.000 Euro benannt worden.

Laut Roth nicht der einzige Fall, dass die Politiker wenige Tage vorher andere Zahlen bekamen. Bei den Neubau-Kosten je nach Variante mit oder ohne Bildungszentrum und abhängig von Grundstückskosten seien am 17. Juni noch 16-21 Millionen Euro genannt worden, bei der öffentlichen Veranstaltung 11-17,6 Millionen Euro.

„Bis zuletzt an Präsentation gearbeitet“

Alexander Thomann von der Verwaltung kann zur Klärung beitragen: „Es wurde bis zuletzt an der Präsentation gearbeitet.“ Im Zuge der Präsentation für die Politiker sei Rathke darauf hingewiesen worden, dass die geschätzten Kosten für die Digitalisierung beider Grundschulen mit 227.500 Euro für beide Schulen wohl zu niedrig seien. Bei der Schermbecker Gesamtschule werden etwa 600.000 Euro dafür investiert.

Thomann: „Ich habe ihn gebeten, Kontakt zu einer Schule in Wesel aufzunehmen, die gerade digitalisiert wurde, um aktuelle Zahlen zu bekommen.“ Im Anschluss an diese Gespräche habe Rathke die geschätzten Kosten von 227.500 auf 870.000 Euro erhöht.

Zu hohe Grundstückskosten angesetzt

Ähnlich sei es bei den Gesamtkosten für Schulneubauten gewesen. Beim Standort an der Weseler Straße habe Rathke beispielsweise Erwerbskosten für das Grundstück mit 240 Euro pro Quadratmeter gerechnet. Dadurch kletterte der Spitzenwert auf 21 Millionen Euro. Der Hinweis der Verwaltung, dass es sich bei der Fläche aber nicht um ein erschlossenes Wohngebiet, sondern Ackerland handele, habe eine Neuberechnung ausgelöst.

Zum Vorwurf Roths, dass Neubau-Kosten klein- und Sanierungskosten hochgerechnet seien worden, sagt Thomann, dass noch mehr Einsparungspotenzial vorhanden sei. Beispielsweise beim Thema Dreifachsporthalle, deren Neubau als Mehrzweckhalle und Versammlungsstätte Rathke mit 6,5 Millionen angesetzt hatte. Diese könne man aber auch als reine Dreifachsporthalle bauen, was Rathke mit 3 bis 3,5 Millionen Euro beziffert hatte.

Redaktionelle Fehler

Thomann sagt, dass Rathke die Zahlen in der Präsentation für die Öffentlichkeit zudem gerundet habe. Außerdem seien bei der Aktualisierung der Zahlen auch redaktionelle Fehler in der Präsentation entstanden. Die Verwaltung habe die Präsentation im Vorfeld nicht zur Verfügung gestellt bekommen und deshalb auch keine Hinweise auf die Fehler geben können.

„Inhaltlich kann festgestellt werden, dass die Kosten insgesamt recht hoch erscheinen“, so Thomanns Bewertung. Sowohl bei Neubau als auch Sanierung seien die Kosten verhältnismäßig hoch angesetzt. „Da dies sowohl die Sanierungs- als auch die Neubauvarianten betrifft, geht von hier allerdings keine entscheidungssteuernde Wirkung für die eine oder andere Variante aus.“

„Je mehr Zahlen auf den Tisch kommen, umso verwirrender wird die Sache.“

Roth hat allerdings das Gefühl: „Je mehr Zahlen auf den Tisch kommen, umso verwirrender wird die Sache.“ Es stelle sich die Frage, warum Schermbeck ein zusätzliches Bildungszentrum benötige, angesichts des Dorfgemeinschaftshauses oder Abrahamhauses. Und er erinnert an den Schulentwicklungsplan von 2015, als die Projektgruppe biregio zum Schluss kam, dass es für künftige Herausforderungen (Inklusion, Differenzierung, Ganztag) genügend Räumlichkeiten an den Standorten gebe.

Sanierungskosten für beide Standorte seien damals noch mit 325.000 Euro beziffert worden, so Roth. Thomann hingegen sagt, dass da aber keine konkreten Maßnahmen benannt worden seien. „Barrierefreiheit, Digitalisierung und Inklusion wurden hier nicht berücksichtigt.“

Laut Roth habe ein Schermbecker Architekt noch 2017 für Sanierung und Erhalt beider Grundschulen 975.000 Euro angesetzt. Diese Zahl enthalte beispielsweise noch keine Digitalisierungskosten, so Thomann.