Das hat der Klimaschutzmanager in einem Jahr bewegt

Klimaschutz

Klima ist 2019 das Top-Thema. Thomas Heer ist seit einem Jahr Schermbecker Klimaschutzmanager, obwohl die Politik seine Stelle zunächst ablehnte. Im Interview sagt er, was seitdem passierte.

Schermbeck

, 15.08.2019, 17:15 Uhr / Lesedauer: 3 min
Das hat der Klimaschutzmanager in einem Jahr bewegt

Als begeisterter Radler möchte der Klimaschutzmanager Thomas Heer dazu beitragen, die Fahrradinfrastruktur in Schermbeck zu verbessern. © Helmut Scheffler

Lange taten sich die Ratsmitglieder schwer mit der Einstellung eines Klimaschutzmanagers. In der letzten Ratssitzung 2016 erhielt Bürgermeister Mike Rexforth mit seinem Votum für die Schaffung der Stelle eine fraktionsübergreifende Ablehnung. Erst zwei Jahre später stimmte die Ratsmehrheit für die Anstellung. Am 15. August 2018 begann der damals 28-jährige Thomas Heer seinen Dienst im Schermbecker Rathaus. Was seitdem passiert ist, erklärt er im Interview.

Schermbeck besaß bereits ein Klimaschutzkonzept. Warum benötigte man dann noch einen Klimaschutzmanager?

Das Klimaschutzkonzept war eine vom Frauenhofer-Umsicht-Institut durchgeführte Strukturanalyse über die regenerativen Energiepotenziale und die Emissionen in Schermbeck. Die vorgeschlagenen Maßnahmen sind wohl hilfreich, aber sie gehen nicht weit genug. Die gesamte Arbeit kann man nicht mal ebenso nebenbei zu seinen bisherigen Verwaltungsaufgaben erledigen. Dafür mussten Personalkapazitäten geschaffen werden.

Welche Aufgaben übernimmt ein Klimaschutzmanager in einer Kommune?

Zu den Aufgaben gehört die Koordination kommunaler Aktivitäten und Projekte zum Klimaschutz. Der Klimaschutzmanager soll dabei helfen, internationale Abkommen und Vereinbarungen rund um den Klimaschutz auf regionaler Ebene umzusetzen. In der Verwaltung ist der Klimaschutzmanager Ansprechpartner bei allen Themen, die das übergeordnete Thema Klimaschutz betreffen. In einer Kleinstadt wie Schermbeck ist die Themenvielfalt sehr groß, weil sich nicht mehrere Personen die Themen aufteilen können wie in größeren Städten.

Haben Sie schon Teile der Maßnahmen umsetzen können, die im Klimaschutzkonzept der Gemeinde vorgeschlagen wurden?

Ja. Dazu gehörte die Beteiligung am Klimaschutzbündnis der Kommunen im Kreis Wesel ebenso wie die Schaffung eines neutralen Energieberatungsangebotes für die Schermbecker Bürger in Kooperation mit der Verbraucherzentrale NRW und die Einführung des Elektroauto-Carsharing SCHERMYCAR. Verschiedene Bildungsangebote gab es. Das reichte vom Mobilitätstag und den Schermbecker Filmtagen über das STADTRADELN bis hin zur Stromfresserkampagne für effiziente Haushaltsgeräte. Derzeit läuft ein Antrag auf Fördermittel für neue witterungsgeschützte Fahrradabstellanlagen im Ortskern.

Der Trend zur E-Mobilität ist in der Gesellschaft deutlich zu spüren. Wie stehen Sie zu dieser Entwicklung?

Privatpersonen können ihre Elektroautos schon heute mit Ökostrom beladen, indem ein entsprechender Stromvertrag abgeschlossen wird oder der Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage genutzt wird. Ich bin mir sicher, dass wir in den nächsten 10 bis 15 Jahren ein sehr viel bunteres Spektrum der Antriebe auf der Straße sehen. Dazu gehören zunehmend Hybrid-Fahrzeuge, Elektroautos und Wasserstofffahrzeuge.

Klimaschutzmaßnahmen sollen künftige Fehlentwicklungen verhindern helfen. Das betrifft besonders Neubaugebiete. Welche Forderungen bringen Sie ein?

Bei Neubaugebieten setzen wir als Gemeinde weniger auf Verbote und das Ordnungsrecht, sondern auf Information und attraktive Beispiele. Es gibt schon jetzt in Bebauungsplänen Empfehlungen zur Energieeffizienz. Ich kann allen Bauherren nur empfehlen, so energieeffizient wie möglich zu bauen. Der Bausektor bildet einen der größten weltweiten CO2-Emittenten; aus diesem Grund sollte vor allem Holz aus lokalen Ressourcen zum Einsatz kommen. Im Hinblick auf die zunehmenden Wetterextreme empfiehlt die Gemeinde, möglichst wenig Flächen des Grundstücks zu versiegeln, da Grünflächen auch eine kühlende Funktion besitzen. Ich gebe interessierten Bauherren gerne Tipps und Ratschläge für einen klimaverträglichen Bau.

Wie wollen Sie die Bevölkerung auf dem Weg zum Klimaschutz mitnehmen?

Ich gehe dabei vielseitig vor. Mit der Aktion „Stromfresser gesucht“ wurde eine Kampagne zur Energieeffizienz von Haushaltsgeräten gestartet. Es wurde die Kampagne STADTRADELN zu mehr Fahrradverkehr im Alltag gestartet. Der Mobilitätstag am 23. März war eine weitere Maßnahme. Ich halte Klimabildung in den Schulen für eine wichtige Aufgabe, weil Schüler in den Familien wichtige Multiplikatoren darstellen.

Gibt es zu Beginn des zweiten Jahres Projekte oder Ideen, die Ihnen besonders am Herzen liegen?

Ich bin gespannt auf die Klimanotstandsdebatte; eventuell ändern sich die Pläne für 2020 dann noch einmal. In Schermbeck ist der ÖPNV sehr schwach vertreten; einen Bürgerbus mit dem Namen „SCHERMYBUS“ fände ich deshalb als eine nützliche Ergänzung. Photovoltaikanlagen auf kommunalen Gebäuden halte ich für wichtig. Das STADTRADELN möchte ich gerne wiederholen. Ich bemühe mich um einen Ausbau der Ladeinfrastruktur und der E-Mobilität. Hinzu kommen Bemühungen, sukzessiv die Fahrradinfrastruktur zu verbessern.

Fühlen Sie sich im Rahmen Ihrer Anliegen als Klimaschutzmanager von den politischen Gremien ausreichend unterstützt?

Ja, das finde ich schon. Natürlich wird auch schon mal kontrovers diskutiert, aber das gehört ja mit dazu. Alles andere wäre langweilig. Dass der Klimanotstands-Antrag von der SPD gestellt wurde, hat mir gezeigt, dass Klimaschutz nun endlich in der breiten Masse der Politiker angekommen ist. Ob das auch authentisch ist, wird die Diskussion im Rat zeigen. Vor allem vom Bürgermeister und den Verwaltungskollegen erfahre ich viel Zuspruch, für den ich sehr dankbar bin. Das hat mir das Einleben hier in Schermbeck sehr vereinfacht.

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