Experten bestätigen Video: Wölfe haben Hirsch in Hünxe attackiert

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Hat sich Wölfin Gloria einen Begleiter zugelegt? Entsteht da etwa ein Rudel? Am Ostersamstag hat die Wölfin mit einem Artgenossen in Hünxe einen Hirsch attackiert. Davon gibt es ein Video.

Schermbeck

, 15.04.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Direkt vor dem Wohnzimmerfenster einer Familie am Hohen Wardberg in Hünxe spielten sich am frühen Samstagmorgen die Jagdszenen ab: An einem Zaun steht ein Hirsch, zwei Wölfe versuchen immer wieder, an seine Läufe zu gelangen. Doch der Hirsch wehrt sich mit den Vorderläufen, kann die beiden Wölfe immer wieder zurückdrängen. Laute Schreie einer Anwohnerin vertreiben die beiden Wölfe schließlich. Dem Hirsch gelang, offenbar nur leicht verletzt, die Flucht.

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) hat am Mittwoch den Nachweis von zwei Wölfen im Wolfsgebiet Schermbeck bestätigt. Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) hat die Aufnahmen geprüft.

Mit wem ist Wölfin GW954f neuerdings unterwegs?

Die Identität sei beiden Wölfe ist nicht bekannt, hieß es am Mittwoch in der offiziellen Mitteilung des LANUV. Vermutlich handele es sich bei einem Wolf um die im Wolfsgebiet Schermbeck heimische Wölfin GW954f, im Volksmund Gloria genannt. In diesem Wolfsgebiet sei bisher kein zweites Individuum genetisch nachgewiesen worden. Zu Alter und Geschlecht können keine Angaben gemacht werden.

Es handelt sich um einen ersten Hinweis auf ein mögliches Wolfspaar im Wolfsgebiet Schermbeck. Die LANUV-Experten erklären: „Wölfe leben in festen Paaren, die in der Regel lebenslang bestehen. Nach bundesweit vereinbartem Monitoringstandard ist von einem Paar auszugehen, wenn zwei geschlechtsreife Wölfe (Rüde und Fähe) über mindestens vier Wochen gemeinsam in einem Territorium nachgewiesen werden.“ Man wird also abwarten müssen, ob Gloria und ihr Begleiter weiterhin gemeinsam aufkreuzen.

Schafzüchter beobachten das Geschehen mit großer Sorge

Während ein Vertreter des BUND gegenüber dem WDR betonte, dass ein zweiter Wolf per se nichts Schlechtes sein müsse, weil sich Wölfe in Rudeln eher zutrauten, Wildtiere anzugreifen und dafür weniger Weidetiere rissen, sind die Schäfer der Gegend eher in Sorge.

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Schafzüchter Matthias Rittmann, dem Gloria schon mehrere Schafe gerissen hat, fürchtet nach dem Hirsch-Angriff allerdings, dass demnächst auch junge Pferde und Rinder ins Visier der Wölfe geraten könnten. „Gloria ist mit ihrem Jagdverhalten und dem Überspringen von Zäunen nun mal ein Extremfall. Womöglich schaut sich ihr Begleiter dieses Verhalten ab. Im Rudel lehren die Eltern den Nachwuchs das Jagen.“ Da werde es dann irgendwann womöglich weitere Wölfe geben, die Schutzzäune überspringen.

Die Verwunderung über das Auftauchen eines zweiten Wolfs war noch nicht verklungen, da ging bei den Schafzüchtern am Mittwoch schon die Nachricht von einem weiteren Wolfriss in Hünxe um. Ein Beweis steht allerdings noch aus.

957 Quadratkilometer

Das Wolfsgebiet Schermbeck wurde im Oktober 2018 ausgeweisen
  • Ein erster genetischer Hinweis auf einen Wolf im Kreis Wesel konnte an einem Schafriss im April 2018 bei Schermbeck-Bricht erbracht werden. Weitere genetische Nachweise folgten.
  • Das „Wolfsgebiet Schermbeck“ mit umliegender Pufferzone umfasst einen bedeutenden Anteil des Naturparks Hohe Mark mit seinen ausgedehnten Wäldern und angrenzenden Kulturlandschaften.
  • Nach Westen hin erstreckt sich das Wolfsgebiet bis zum Rhein, im Süden bis zur A2.
  • Die aktuellen Wolfsnachweise liegen überwiegend inmitten dieses Gebietes mit einem Schwerpunkt in Bottrop, Dinslaken, Hünxe und Schermbeck.
  • Das Wolfsgebiet ist 957 km² groß.
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