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Flüchtlingsbetreuer: „Sie glauben, dass sie es von sich aus schaffen, tun es aber nicht.“

Flüchtlinge in Schermbeck

Mit Arbeitsstelle und eigener Wohnung wähnen sich Flüchtlinge oft als „angekommen“ in der Gesellschaft. Doch dann lauern laut Flüchtlingsbetreuer Tobias Krause noch einige Fallen.

Schermbeck

, 05.04.2019 / Lesedauer: 3 min
Flüchtlingsbetreuer: „Sie glauben, dass sie es von sich aus schaffen, tun es aber nicht.“

Guido Busch und Tobias Krause von der Caritas machten im Sozialausschuss deutlich, warum die Arbeit für die Integration von Flüchtlingen in Schermbeck längst nicht vorbei ist. © Berthold Fehmer

Im Sozialausschuss schilderte Krause die derzeitige Situation der Flüchtlinge in Schermbeck. Konkret ging es darum, ob die Gemeinde die Caritas beauftragen soll, einen weiteren Sozialarbeiter einzustellen, der Flüchtlinge in privaten Wohnungen aufsuchen und Hilfestellungen bei der Integration geben soll.

Zu Beginn der Flüchtlingskrise, als die Caritas für die Gemeinde die Betreuung der Flüchtlinge übernahm, sei man im ehemaligen Ecco-Hotel mit „Fragen bombardiert worden“, berichtete Krause. „Es gab keine Chance, irgendetwas außer Basisarbeit zu machen.“ Die Flüchtlinge wollten wissen, wo man einkaufen kann, oder mussten mit Gepflogenheiten wie der Mülltrennung vertraut gemacht werden. Krause: „Einige haben den Müll aus dem Fenster geschmissen. Nicht, weil sie sich nicht anpassen wollten. Sondern weil das für sie Normalität war.“

„Die kommen nicht mehr zu uns“

Ein Großteil der Flüchtlinge lebe nun in Schermbecker Privat-Wohnungen. Einige hätten eine Arbeitsstelle gefunden. „Die kommen nicht mehr zu uns“, so Krause. Gleichzeitig hätten die Mitarbeiter im Ecco-Hotel aber noch so viel zu tun, dass sie die Familien nicht in ihren Wohnungen aufsuchen könnten.

„Sie glauben, dass sie es von sich aus schaffen, tun es aber nicht“, beschrieb Krause die Haltung vieler Flüchtlinge. Wenn das Jobcenter etwa die Miete nicht mehr überweise, würden viele Flüchtlinge nicht verstehen, dass sie nun dafür zuständig sind. Wenn dann monatelang keine Miete gezahlt werde, „stehen sie irgendwann wieder vor unserer Tür“.

Krause warb für eine aufsuchende Arbeit. Auch aus dem Grund, dass eine solche Kraft die gesamte Familie in den Blick nehmen könne. „Zu uns kommen nur die, die am besten Deutsch sprechen.“

Drei Handyverträge gleichzeitig

Probleme gebe es etwa, wenn Flüchtlinge Kreditkartenverträge bei dubiosen Firmen abschließen. „Sie denken, sie haben einfach Geld geschenkt bekommen und wissen nicht, dass sie es wieder zurückzahlen müssen.“ Oder wenn einzelne Flüchtlinge drei Handyverträge gleichzeitig abgeschlossen hätten. Oder wenn der Kinderwagen vor der Haustür stehen bleibe und Wege versperre oder die Flüchtlinge nachts um 2 Uhr duschen würden: „Lebenspraktisch zeigen“, müsse man ihnen dann laut Krause zeigen, warum die Nachbarn so etwas nicht toll finden.

„Wir merken, dass Familien ohne Unterstützung relativ schnell absacken“, sagte Guido Busch von der Caritas. Bürgermeister Mike Rexforth warb dafür, aus Fehlern, die man während des Balkankriegs in den 90er-Jahren gemacht habe, zu lernen. Wenn teilweise politische Würdenträger die Integrationsarbeit über Soziale Medien ins Lächerliche zögen, „dann haben sie die Integrationsherausforderungen gar nicht verstanden.“

Befristung auf ein Jahr abgelehnt

Jörg Juppien (SPD) stellte die grundsätzliche Notwendigkeit einer aufsuchenden Hilfe nicht infrage, wollte die Stelle aber auf ein Jahr befristen mit Option zur Verlängerung, da nur so lange die Übernahme der Kosten aus der Integrationspauschale gesichert sei. Mit diesem Vorschlag konnte er sich allerdings nicht durchsetzen. Bei zwei Enthaltungen aus der SPD und drei Gegenstimmen (BfB, Grüne, SPD) stimmte der Ausschuss dem Verwaltungsvorschlag zu.

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