Ein Wolfsmanagement nach französischem Vorbild wird unter anderem von den Landwirtschaftsverbänden gefordert. © picture alliance/dpa/TMUEN
Wolfsgebiet Schermbeck

Frankreich als Vorbild: Die Lösung für das Wolfsgebiet Schermbeck?

Ein Wolfsmanagement nach französischem Vorbild: Wäre das, was einige auch für NRW und das Wolfsgebiet Schermbeck fordern, die Lösung? Das NRW-Umweltministerium hat sich dazu positioniert.

Die Landwirtschaftsverbände NRW forderten im August 2021 ein Wolfsbestandsmanagement nach französischem Vorbild. In den hiesigen Diskussionen um Wölfin Gloria und ihr Rudel weisen auch einige Kommentatoren immer wieder auf das französische Modell als Lösungsmöglichkeit für die Probleme im Wolfsgebiet Schermbeck hin. Zu Recht?

Der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung spricht nur von einem regional differenzierten Bestandsmanagement. Die EU-Regeln, nach denen der Wolf als Tierart den höchstmöglichen Schutzstatus genießt, gelten auch in Frankreich. Doch Frankreich legt seit 2018 jedes Jahr neu fest, wie viele Wölfe maximal entnommen werden dürfen. Ziel damals war eine Wolfspopulation von 500 Tieren im Jahr 2023. Aktuell dürfen maximal 19 Prozent der Wölfe in Frankreich pro Jahr entnommen werden – wobei auch dort Einzelgenehmigungen nach Übergriffen ausgesprochen werden.

Einschätzung deutlich unterschiedlich

Deutlich unterschiedlich ist die Einschätzung der beiden Länder über den „Erhaltungszustand“ der Wölfe, also die Frage, ob genügend Wölfe im natürlichen Lebensraum vorhanden sind, sodass sie langfristig nicht vom Aussterben bedroht sind. Etwa durch Krankheiten, Verkehrsunfälle oder Wilderei.

„Erst wenn es Wölfe auch in bisher nicht vom Wolf besiedelten, aber besiedelungsfähigen Gebieten gibt und die Anzahl so groß ist, dass der Wolf auch langfristig in Deutschland ohne Inzuchterscheinungen überleben kann, kann sein Erhaltungszustand mit ‚günstig‘ bewertet werden“, so das Umweltministerium des Bundes. Für letztere Forderung wäre das Wolfsgebiet Schermbeck ein eher schlechtes Beispiel, da Wölfin Gloria sich nach bisherigem Wissensstand zweimal mit ihrem Bruder gepaart hat.

Den Erhaltungszustand der Wölfe, der länderübergreifend nach Populationen betrachtet wird, schätzt Frankreich bei rund 90 französischen Rudeln als günstig ein, Deutschland mit knapp 130 deutschen Rudeln als ungünstig. „Laut Auskunft des Bundesumweltministeriums sieht das die Europäische Kommission kritisch und steht diesbezüglich bereits im Austausch mit Frankreich“, so das NRW-Umweltministerium in einem Bericht vom 24. November.

118 Entnahmen in Frankreich genehmigt

Genehmigt wurden für 2021 in Frankreich 118 Entnahmen von Wölfen. 96 wurden davon (Stand 3.11.2021) vollstreckt. „Trotz der hohen Genehmigungs-Zahlen für Entnahmen und entsprechend hohen Abschusszahlen hat Frankreich wesentlich höhere Verluste bei Nutz- und Haustieren bei weniger Wölfen zu verzeichnen“, so das NRW-Ministerium.

10.374 Rissen (2019) und 11.366 (2020) auf französischer Seite stehen laut Einschätzung des Umweltministeriums 2.899 (2019) und 3.959 (2020) auf deutscher Seite gegenüber. „Die Gründe für die hohen Verluste in Frankreich sind zu einem wesentlichen Anteil in der gebirgigen Weidelandschaft begründet, in der Herdenschutzmaßnahmen schwieriger umzusetzen sind als im Flachland“, so das NRW-Ministerium. Zudem sei das (Jagd-)Verhalten der Wölfe aus der „Apennin-Alpen-Population“ auf Bergland ausgerichtet.

Verhältnisse „nicht vergleichbar“

Die deutschen und französischen Verhältnisse seien nicht vergleichbar, so das NRW-Umweltministerium. Eine Entnahme-Obergrenze wie in Frankreich einzuführen, „hätte bei der aktuell geringen Zahl von Entnahmegenehmigungen selbst in den vorrangigen Wolfsländern Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen keine praktische Auswirkung“.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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