Gemeinde will Leitungsnetze kaufen - für mehr als 10 Millionen Euro

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Mehr als 10 Millionen Euro könnte es die Gemeinde Schermbeck kosten, ihre Wasser-, Strom- und Gasleitungen zu kaufen. Bürgermeister Mike Rexforth hält dies dennoch für ein gutes Geschäft.

Schermbeck

, 15.08.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Wir haben ein Fachunternehmen, das uns bei der Gründung einer möglichen Infrastrukturgesellschaft hilft und in den letzten Monaten viele Gespräche mit den Unternehmen geführt, die hier vor Ort sind“, sagt Bürgermeister Mike Rexforth: RWW, innogy und GELSEN-NET. Ziel sei, dass die Gemeinde zukünftig in den Besitz der Wasser-, Strom- und Gasleitungen komme.

Die Situation für einen Kauf sei derzeit optimal, so Rexforth, da die Öffentliche Hand kaum Zinsen zahlen müsse, wenn sie Geld leiht. Aus der Vermietung könne man ordentliche Erträge erwarten, „da die Netzverpachtung reguliert ist“. „Das tut unserem Haushalt ganz gut.“ In Dorsten habe man sich schon früher auf den Weg gemacht: „Erst war man dort auch skeptisch, jetzt freut sich der Kämmerer über die Zusatzeinnahmen.“

„Jenseits der 10 Millionen Euro“

Was würden die Schermbecker Wasser-, Gas- und Stromnetze kosten? „Die Zahlen sind noch nicht da“, sagt Rexforth: „Wir reden aber über eine Investitionssumme jenseits der 10 Millionen Euro.“ Allerdings seien vier bis viereinhalb Prozent Ertrag zu erwarten. „Das ist eine schöne Einnahme.“ Ein sehr „probates Mittel“ sei dies zum Erreichen des Haushaltsausgleichs.

Die andere Motivation sei, dass „wir anders als ein Wirtschaftsunternehmen strategische Entscheidungen treffen können“. Der Lichtenhagen habe beispielsweise keine Wasserversorgung mit Rohren: „Die haben alle Eigenwasserversorgungsanlagen.“ Das sei problematisch, weil immer neue Auflagen erfüllt und die Anlagen nachgerüstet werden müssten.

Elektrogeräte gehen kaputt

„Das Wasser hat trotzdem keine herausragende Qualität“, so Rexforth: „Die Elektrogeräte, Waschmaschinen oder Spülmaschinen haben eine sehr kurze Halbwertszeit.“ Deshalb sei der Wunsch da, dort eine Wasserleitung hinzubekommen - für ein Wirtschaftsunternehmen sei dies aber nicht profitabel bei so wenigen Häusern.

Die Gemeinde könne anders entscheiden. Viele in dem Bereich hätten auch noch eigene Tanks für ihre Ölheizungen, sagt Rexforth. Neue Kessel dürfen für die Ölheizung aber ab 2026 nicht mehr eingebaut werden - das Aus der Ölheizung ist damit besiegelt. Die Gemeinde könne Wasser- und Gasleitungen dorthin legen, dazu noch eine Glasfaserleitung, da im Lichtenhagen nicht alle Haushalte gefördert werden konnten, so Rexforth.

Ein Kauf der Netze sei deshalb „für uns eine lohnende Maßnahme, und wir helfen den Bürgerinnen und Bürgern“, sagt Rexforth. Würden bei solchen Maßnahmen wie am Lichtenhagen dann die anderen Bürger stärker zur Kasse gebeten? „Ja“, sagt Rexforth, der aber zu bedenken gibt: „Gleiches Recht für alle. Warum sollen die Bürger des Lichtenhagens nicht auch von einer Wasserleitung profitieren?“ Solche Mehrkosten würden sich „über einen Riesenhaushalt“ aber verteilen - „es wird nicht zu einer drastischen Erhöhung von Wasser- oder Strompreisen führen.“

Nicht viermal die Straße aufreißen

Bei Leitungsarbeiten würde die Gemeinde alle Leitungen mitberücksichtigen. „Es wird dann nicht viermal die Straße aufgerissen für Wasser, Strom, Gas und Internet.“

Es gebe in Schermbeck mittlerweile einen politischen Beschluss, „die Verträge werden gerade final ausgehandelt“. Rexforth geht davon aus, dass man im Laufe des Jahres 2021 die Gründung der Infrastrukturgesellschaft vollziehen könne.

Werden dieselben Unternehmen, die bislang in Schermbeck tätig sind, dann die Partner sein? Die Unternehmen seien seit Jahrzehnten verlässliche Partner, sagt Rexforth, und damit auch die ersten Ansprechpartner. „Diese Lösung wird mit allen zusammen, oder mit einem Teil der Unternehmen umgesetzt werden. Alle wollen, aber die Voraussetzungen sind nicht überall günstig. Wir müssen noch ein bisschen nachverhandeln. Es kann sein, dass nicht alle drei an Bord bleiben.“

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