Für den Schutz von Wölfin Gloria setzt sich ein 28-jähriger Voerder in einer Online-Petition ein. Mehr als 70.000 Unterstützer hat er bereits gefunden. © picture alliance/dpa
Wolf

Ist Wölfin Gloria verhaltensauffällig? Gutachten liegt nun vor

Ist Wölfin Gloria verhaltensauffällig? Diese Frage sollte durch ein Gutachten der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf geklärt werden. Die Ergebnisse liegen nun vor.

Die Stellungnahme der DBBW bestätigt, dass sich das Rudel weitgehend von Wild ernährt. Übergriffe auf Haus-und Nutztiere erfolgten im Wesentlichen bei unzureichendem Herdenschutz, so eine Mitteilung des Kreises Wesel, des MULNV und des LANUV.

„In den meisten Fällen tötet sie (Anm.: GW954f) Nutztiere, bei denen sie gar keine oder nur geringe Schutzmaßnahmen überwinden muss“, so die Gutachter. „Bisher gibt es keinen Beleg dafür, dass GW1578m oder der Welpe des Rudels das Töten von Nutztieren hinter empfohlenen Herdenschutzmaßnahmen erlernt haben.“

Die Wölfe in Schermbeck zeigten, „…dass sie ihre Ernährung weitgehend mit Wildtierrissen bestreiten, das heißt, sie töten Nutztiere, wenn sie die Gelegenheit dazu haben, aber sie brauchen Nutztiere nicht als Nahrungsgrundlage.“ Wenn sich Übergriffe auf ausreichend geschützte Weidetiere verstetigten, sei eine Entnahme des betreffenden Wolfs in Betracht zu ziehen. Zurzeit sei dies aber nicht der Fall.

„Sporadische Vorfälle“

„Sollte die Wölfin GW954f damit beginnen, in zeitlich-räumlich engen Abständen Nutztiere hinter empfohlenen Schutzmaßnahmen zu töten, sodass man von einem verfestigten Verhalten ausgehen kann und nicht von seltenen Ausnahmen bzw. sporadischen Vorfällen, die zwischen vielen Übergriffen auf wenig geschützte Nutztiere erfolgen, ist es für uns allerdings fachlich nachvollziehbar, sich dafür zu entscheiden, eine Entnahme des Tieres zu veranlassen.“

52 von 56 Übergriffen ereigneten sich im Wolfsgebiet Schermbeck laut Zählung des LANUV auf unzureichend geschützten Weiden. In vier Fällen lag ausreichender Herdenschutz vor (durchgehend stromführende Schutzzäune in Höhe von 1,20 Meter). „Ein Übergriff auf eine durch eingearbeitete, erfahrene Herdenschutzhunde gesicherte Weide ist bisher nicht zu verzeichnen.“

Die DBBW empfiehlt den Herdenschutz in der Fläche. „Eine massive Ausweitung geeigneter Schutzmaßnahmen in der Region erscheint uns aber die einzig tragfähige Strategie, um eine langfristige Koexistenz von Nutztieren und Wölfen zu gewährleisten.“

„Langfristige Perspektive“

Auch Umweltministerin Ursula Heinen-Esser wirbt weiter für Herdenschutz: „Hierbei geht es vor allem um die langfristige Perspektive, da auch bei einer theoretischen Auflösung des aktuellen Rudels in Schermbeck damit zu rechnen ist, dass sich früher oder später wieder neue Wölfe in der wild- und waldreichen Region westlich von Wesel ansiedeln.“

Die Ministerin hat sich mit Landräten, Oberbürgermeistern und Bürgermeistern aus dem Wolfsgebiet Schermbeck über die aktuelle Situation im Wolfsgebiet Schermbeck ausgetauscht. Neben einem Lagebericht des Ministeriums und des LANUV, dem Stimmungsbild aus der Region standen Nutztierrisse, Herdenschutz sowie die Frage der Auffälligkeit der Wölfe im Mittelpunkt.

„Es war ein guter und offener Austausch. So haben alle Teilnehmer den gleichen Sachstand. Wir werden ganz grundsätzlich lernen müssen, mit dem Wolf zu leben, denn Wölfe werden sich auch in NRW dauerhaft etablieren. Wie bereits in anderen Bundesländern wird auch bei uns in NRW nur ein ausreichender Herdenschutz unsere Weidetierhaltung dauerhaft sichern“, sagte Heinen-Esser im Nachgang der Gespräche.

Sachlicher Umgang notwendig

Dr. Thomas Delschen, Präsident des LANUV, betonte die Notwendigkeit eines sachlichen Umgangs: „Unseren Beitrag leisten wir dabei mit einem funktionierenden Wolfsmonitoring, das wir nach den bundesweit einheitlichen und verbindlichen Standards durchführen.“

Landrat Ingo Brohl: „Unser gemeinsames Ziel ist die Rechtssicherheit jeder Entscheidung, unabhängig davon, wie sie ausfällt. Wir werden die Wölfe in Schermbeck und insbesondere die Wölfin GW954f weiter im Auge behalten.“ Der Kreis wolle Weidetierhalter unterstützen, Herdenschutzmaßnahmen konsequent umzusetzen.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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