Polizeilich vorgeführt werden sollen zwei Zeugen im Mai, die bisher bei drei Verhandlungsterminen durch Abwesenheit glänzten. (Symbolbild) © Symbolbild: Marijan Murat / dpa
Gericht

„Kannst dich auf meinen Schoß setzen. Ich hab nichts gegen Corona“

„Kannst dich auf meinen Schoß setzen. Ich hab nichts gegen Corona.“ Grinsend sagte dies einer von drei Angeklagten im Prozess um gefährliche Körperverletzung zu einer Zeugin aus Schermbeck.

Ein Déjà-vu hatten wohl alle Beteiligten, die am Montag am Weseler Amtsgericht zur Fortsetzung einer Hauptverhandlung gekommen waren, die am 20. Januar 2020 gestartet war. Der Vorwurf: Die drei Männer sollen zu einer Gruppe aus sieben Männern gehört haben, die am 14. Juli 2018 in Schermbeck mit Baseballschlägern bewaffnet einen Garten gestürmt haben sollen.

Sie sollen den Namen des dort Wohnenden gerufen haben, der aber nicht zu Hause war. Als die Männer wieder abzogen, folgte ihnen aber ein anderer Mann, der mit dem Handy ein Foto von der Gruppe machte. Daraufhin, so die Anklage, soll die Gruppe wieder kehrtgemacht haben. Ein 34-jähriger Oberhausener soll das Opfer mit Faustschlägen und Fußtritten malträtiert haben – der Rest der Gruppe habe drumherum gestanden.

„Ich hab nichts gegen Corona“

Nur eine Zeugin, die bei einer vorherigen Verhandlung bereits ausgesagt hatte, war am Montag erschienen. Als die drei Rechtsanwälte und der Richter die Sitzordnung im Gerichtssaal aus Corona-Schutz-Gründen diskutierten, wandte sich der Bruder des 34-jährigen Oberhauseners an die Schermbeckerin: „Kannst dich bei mir auf den Schoß setzen. Ich hab nichts gegen Corona.“

Das Problem auch dieses Verhandlungstermins war: Zwei geladene Zeugen, darunter auch der Verprügelte, waren nun mittlerweile zum dritten Mal nicht erschienen. Beim letzten Termin, bei dem dies genauso ablief, hatte ihnen der Richter ein Ordnungsgeld von jeweils 250 Euro aufgebrummt.

„Wir kennen uns ja so langsam“, sagte der Richter zu den drei Angeklagten, alle aus Oberhausen. Dass man ohne Zeugen nicht weiterkomme, sahen alle Beteiligten ähnlich. Diskutiert wurde, ob man das Verfahren einstellen könne, eventuell gegen Zahlung einer Geldbuße.

„Es kommt nur ein Freispruch in Betracht“

Doch der Bruder des Hauptangeklagten blieb bei seiner früheren Darstellung, dass er am Tag der Tat gar nicht am Tatort gewesen sei. „Es kommt nur ein Freispruch in Betracht“, so sein Anwalt. Damit wäre eine Einstellung nur möglich gewesen, wenn das Verfahren gegen ihn von dem anderen abgetrennt worden wäre. „Damit hat sich das Thema erledigt“, so der Richter kurz und knapp.

Und so wird es einen weiteren Verhandlungstermin geben: am 10. Mai um 13 Uhr. Für die Zeugen, die nicht erschienen, wird es jetzt teuer: 1.000 Euro Ordnungsgeld, alternativ 20 Tage Ordnungshaft, verhängte der Richter jeweils. Zudem müssen sie die entstandenen Kosten des Verhandlungstermins gemeinsam zahlen. Und für den Termin im Mai bestimmte der Richter: „Sie sollen polizeilich vorgeführt werden.“

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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